Grundschulempfehlung: Elternwunsch allein könnte nicht mehr ausreichen

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Die Grundschulempfehlung soll verbindlicher werden. Eine Variante sieht vor, dass noch weitere Kriterien einfließen. Bei einer Veranstaltung in Neckarsulm gibt es Details zur zukünftigen Ausrichtung ab Klasse fünf.

von Simon Gajer und Matthias Schmid
Über die Grundschulempfehlung wird gerade viel diskutiert.
Über die Grundschulempfehlung wird gerade viel diskutiert.  Foto: Armin Weigel (dpa)

In Stuttgart treffen sich diesen Freitag (23. Februar) Opposition und Regierung, um in einer Bildungsallianz die Eckpfeiler der zukünftigen Schulpolitik langfristig zu setzen. Mit Ergebnissen ist nicht zu rechnen, es soll vielmehr ein gemeinsamer Prozess gestartet werden, damit Reformen im Bildungssystem über eine Legislaturperiode hinaus Bestand haben und nicht nach einem Regierungswechsel wieder rückgängig gemacht werden können. Außerdem soll ein Zeithorizont und ein gemeinsames Vorgehen beschlossen werden.

Einen Tag zuvor nennt Andreas Sturm, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, bei einer Veranstaltung in Neckarsulm Details, wie die verbindlichere Grundschulempfehlung aussehen könnte. Und er schildert, was mit der Zwei-Säulen-Lösung bei den weiterführenden Schulen auf sich hat. Das allgemeinbildende Gymnasium als eine Säule gilt als gesetzt.

Diskussion um Grundschulempfehlung und Abitur nach 13 Jahren

Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnte im Vorfeld besonders vor überzogenen finanziellen Erwartungen: „Wir haben nicht irgendwelche Geldsäcke mit Milliarden, die wir bisher nicht ausgegeben, sondern gehamstert haben.“ Klar ist bisher, dass die grün-schwarze Landesregierung zurück zum Abitur nach 13 Jahren will. Von Eltern kam der Druck und von einem Bürgerrat der Wunsch, dass das allgemeinbildende Gymnasium in der Regel nur noch neun, anstatt bislang acht Jahre dauern soll. Theresa Schopper, Grünen-Kultusministerin, hat kürzlich im Gespräch mit stimme.de angedeutet, dass dies bereits im Herbst 2025 möglich sein könnte. Zumindest aus Sicht ihres Ministeriums.

Das G9 wirkt sich allerdings zugleich auf alle Schularten aus, deshalb hat Ministerpräsident Kretschmann kürzlich eine verbindlichere Grundschulempfehlung ins Spiel gebracht. Derzeit gibt es zwar den Vorschlag der Grundschule, welche weiterführende Schulart für ein Kind die beste ist. Die Eltern allein entscheiden darüber.

Wohin nach Klasse vier? So könnte der Übergang künftig funktionieren

Laut Andreas Sturm könnte es bei der Grundschulempfehlung drei Kriterien geben: einen Test, die Empfehlung der Grundschule sowie den Elternwunsch. Für die weiterführende Schulart müssen zwei der drei Kriterien erfüllt sein, so Andreas Sturm. Sprich: Sprechen sich Test und Grundschule für die Realschule aus, können Eltern ihren Viertklässler nicht ans Gymnasium anmelden.

Diskutieren über Bildungspolitik (von links): Michael Heil (Rektor Christian-Schmidt-Schule), Dieter Thumm (Rektor Wilhelm-Maybach-Schule), die Landtagsabgeordneten Gudula Achterberg (Grüne), Andreas Sturm und Michael Preusch (beide CDU) sowie Jörg Kauderer (Hauptgeschäftsführer Unternehmerverband Metall Baden-Württemberg). Foto: Simon Gajer
Diskutieren über Bildungspolitik (von links): Michael Heil (Rektor Christian-Schmidt-Schule), Dieter Thumm (Rektor Wilhelm-Maybach-Schule), die Landtagsabgeordneten Gudula Achterberg (Grüne), Andreas Sturm und Michael Preusch (beide CDU) sowie Jörg Kauderer (Hauptgeschäftsführer Unternehmerverband Metall Baden-Württemberg). Foto: Simon Gajer

Darüber und wie viele Säulen künftig das Schulsystem im Land haben soll, das wird in den Gesprächen zu einer möglichen Bildungsallianz ausgelotet. Baden-Württemberg hat noch eines der feingliedrigsten Systeme der Welt. Es soll möglichst effizienter und ressourcenschonender gestaltet werden. Wie das geschehen soll, darüber herrschen allerdings unterschiedliche Ansichten. Während die CDU zum Beispiel auch Hauptschulen behalten will, wollen die Grünen nicht von den Gemeinschaftsschulen abrücken.

Die Veranstaltung in Neckarsulm, Bildungspolitisches Forum genannt, war eine Veranstaltung der Innung Metallbau und Feinwerktechnik Heilbronn. Neben Andreas Sturm nahmen an der Diskussion sein CDU-Fraktionskollege Michael Preusch, Grünen-Landtagsabgeordnete Gudula Achterberg, Michael Heil (Rektor Christian-Schmidt-Schule), Dieter Thumm (Rektor Wilhelm-Maybach-Schule) und Jörg Kauderer (Hauptgeschäftsführer Unternehmerverband Metall Baden-Württemberg) teil. 

Lehrer-Gewerkschaft sieht Vorschläge kritisch

Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat an der Veranstaltung nicht teilgenommen. Der Vorschlag zur zukünftigen Grundschulempfehlung habe sich aber schon in GEW-Kreisen herumgesprochen, so der GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn gegenüber stimme.de. Davon hält er nichts: Zum eine würde man so den Grundschullehrern die Kompetenzen absprechen. Tests sieht er auch kritisch. Viele Faktoren spielten bei solchen "punktuellen Leistungsabfragen" eine Rolle. Zudem würde dann die Herkunft stärker gewichtet: Eltern, die sich Nachhilfe leisten können, würden ihre Kinder hinschicken und sie dort auf den Test vorbereiten lassen. "Die Anbieter werden schnell darauf anspringen", ist Harald Schröder überzeugt.

In dem präsentierten Vorschlag zur Zwei-Säulen-Lösung erkennt Harald Schröder Ansätze, dass mancher an Realschulen festhalten wolle, wie sie vor zehn, 15 Jahre unterrichtet habe. Er kritisiert, dass die Landespolitik in einer schnell einberufenen Bildungsallianz darüber sprechen wolle. "Das kann nicht funktionieren." Er wünscht sich stattdessen einen Prozess, der wissenschaftlich begleitet wird.

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