Heilbronn erlebt ruhigste Silvesternacht seit Jahren
Zum Jahreswechsel haben die Heilbronner Brandbekämpfer keinen einzigen Einsatz. Dennoch wurde in der Stadt etwas geböllert, mit Krachern und vereinzelten Raketen. Auch der Rettungsdienst spricht von ungewöhnlich wenigen Einsätzen und keinem einzigen Notfall mit Verletzungen durch Feuerwerkskörper im Unterland.
So ein Silvester hat die Heilbronner Feuerwehr seit vielen Jahren nicht erlebt. Zu keinem einzigen Einsatz musste die Wehr in der Silvesternacht unter den Anzeichen von Ausgangssperre und Feuerwerksverbot auf öffentlichen Wegen, Plätzen und Straßen ausrücken. „Das war die ruhigste Nacht seit Jahren“, fasst Feuerwehrsprecher Jürgen Vogt am Neujahrsmorgen zusammen. Im Vergleich standen in den Vorjahren zwischen elf und 17 Einsätzen in der Liste. „Ob ein Feuer in einem Mülleimer, Container oder ein Brand an einem Auto – irgend etwas war immer“, sagt Jürgen Vogt.
Auffallend: Einige Hundebesitzer machen kurz vor Mitternacht eine Gassirunde
Geböllert wurde dennoch – aber in viel kleinerem Umfang als sonst. Gespenstisch dunkel liegt der Kiliansplatz gegen 23.30 da, als Stimme-Fotograf und Redakteur zu einer dienstlichen Runde durch die Heilbronner Innenstadt aufbrechen. Auch die Terrasse am Wartberg – sonst ein Hot Spot der Silvesterböllerei mit Massen an Menschen – war wenige Minuten davor völlig verwaist. Die Stadt lag am Silvesterabend von oben absolut friedlich da – ein völlig ungewohntes Bild in dieser Nacht.
Die Untere Neckarstraße mit den vielen Gaststätten – menschenleer. Plötzlich laufen zwei Familien mit kleinen Kindern Richtung Lohtorstraße. Warum sie unterwegs sind? Sie hätten gehört, man dürfe das bis 24 Uhr, sagt ein Vater. Darf man aber nur mit triftigem Grund. „Wir wohnen da, gehen gleich heim“, sagt er kurz und läuft weiter.
Aus dem Vorraum einer Bank begleiten zwei Ordnungsamtsmitarbeiter in Uniform einen etwas verwahrlosten Mann ins Freie. Man habe schon Verstöße gegen die Ausgangssperre festgestellt und zur Anzeige gebracht, sagt ein Mitarbeiter. Als ein Paar mit Hund am Neckar entlangläuft, schreiten sie nicht ein. Gassigehen ist erlaubt. Es fällt auf, dass einige Hundebesitzer die späte Stunde nutzen. „Es ist ein trauriges Silvester“, sagt eine Mutter, die mit Mann, Kindern und kleinem Chihuahua unterwegs ist.

Die Ebertbrücke kurz vor Mitternacht: völlig leer. Nur die querende Stadtbahn bringt Leben an den Ort, an dem sonst heftig geböllert und gefeiert wird. Plötzlich kommt ein Paar im einsetzenden Nieselregen auf die Brücke. Er wisse von der Ausgangssperre, sagt der Mann. Aber: „Wir haben keinen Balkon, wollen kurz das Feuerwerk anschauen.“ Sie gehen das Risiko ein, dass sie ertappt werden und 70 Euro Strafe zahlen müssen.
Sonstige Hotspots der Böllerei in den Straßen sind verwaist
Um 23.57 schwillen Böllergeräusche aus der Ferne an. Plötzlich steigen auch einige Silvesterraketen in den Himmel, sie kommen in etwa aus der Höhe des Rosenberg-Hochhauses. Auf Balkonen am Marra-Haus stehen die Menschen, aus einer Wohnung hört man eine Gruppe von Zehn auf Null herunterzählen. Aber: Kein Vergleich zum ohrenbetäubenden Böllerlärm und den dichten Rauchschwaden, die sonst in diesem Areal zum Jahreswechsel die Szenerie beherrschen. „Es ist viel weniger Feuerwerk als sonst, das ist okay“, findet ein Mann auf einem Balkon, der von oben „gutes neues Jahr" wünscht.
Am Marktplatz schätzt eine 35-Jährige vom Balkon im fünften Stock, dass das heute vielleicht ein Prozent der üblichen Böllerei gewesen sei. Sonst traut sie sich um diese Uhrzeit nicht auf den Balkon – viel zu gefährlich. Am offenen Fenster einer Wohnung in der Sülmerstraße prosten sich junge Männer zu. Ein paar Meter weiter läuft ein junges Paar durch die Kaiserstraße, er eine Flasche Wein und eine Musikbox dabei. „Wir kommen von Bekannten und laufen nur nach Hause“, sagt der junge Mann. Ob er weiß, dass er ein Bußgeld riskiert? „Ich weiß“, sagt er – und grinst.
Gegen 0.30 Uhr fällt die Innenstadt in den Trostlos-Modus zurück. Die Böller sind wieder verstummt. Die Straßen sehen kurz nach dem Jahreswechsel so sauber aus wie wohl seit Jahrzehnten nicht . Die Feuerwehr hat indes am Rande mitbekommen: Kurz vor 1 Uhr gab es medizinische Hilfsersuchen in der Rettungsleitstelle – offenbar silvesterbedingt.
Ruhige Nacht auch für den Rettungsdienst
DRK-Rettungsdienstleiter Markus Stahl spricht ebenfalls von einer „ungewöhnlich ruhigen Nacht“ für die Einsatzkräfte. 13 Einsätze in Stadt und Landkreis Heilbronn stehen in der Liste zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens. „Das hatten wir im Vorjahr bereits in einer Stunde.“
Stahl ist seit 30 Jahren im Rettungsdienst dabei. An eine ähnlich geringe Einsatzzahl an Silvester kann er sich nicht erinnern. Es habe keinen einzigen Notfalleinsatz mit Verletzungen durch Böller oder Raketen gegeben. „Das ist natürlich erfreulich, eine super Sache.“ Ein Mal sei man wegen einer Alkoholvergiftung gerufen worden. Auch das sei untypisch wenig für Silvester.
Ansonsten seien die Notrufe wegen Herzinfarkt, Schlaganfall, Kreislaufkollaps oder ein Mal wegen einer Schlägerei eingegangen.
Polizei verhängt 28 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre
Mehr zu tun hatte die Polizei, zum Beispiel bei der Ahndung von Verstößen gegen die Ausgangssperre. Die personell verstärkten Streifen hätten im Landkreis Heilbronn 27 Verstöße gezählt, davon seien 23 mit einer Anzeige geahndet worden, da Bürger auf ihre Rechte gepocht hätten, berichtet Polizeisprecher Gerald Olma. In der Stadt Heilbronn war des Verhältnis anders: Es wurden 17 Verstöße notiert, die in fünf Anzeigen mündeten.
46 Anrufe wegen Ruhestörungen gingen im Präsidium ein. Und: Gerade zwischen 0 und 0.30 gab es viele Anrufe besorgter Bürger über verbotene Böllerei in der Nachbarschaft. Als Streifen dies überprüften, habe es sich indes um erlaubtes Feuerwerk im privaten Bereich im Garten oder in Hofeinfahrten gehandelt, erklärte Olma. Im gesamten öffentlichen Raum war Böllern dagegen untersagt. Im Vergleich zu anderen Silvesternächten sei es dieses Mal aus Polizeisicht „extrem ruhig“ gewesen, betonte Olma. „Das war ein Bruchteil an Einsätzen, was sonst an Silvester üblich ist.“
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