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Hier bisschen böllern, da Verzicht: Jeder hat seine Gründe

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Mit oder ohne Feuerwerk an Silvester? Wie zwei Familien den speziellen Jahreswechsel im Lockdown begehen: Tradition und Spaß für Kinder contra Sicherheit und Umweltschutz.

von Carsten Friese
Freuen sich auf ein Feuerwerk mit erlaubten Böllern auf Privatgelände: Sven-Eric und Nova Will aus Leingarten.
Foto: Carsten Friese
Freuen sich auf ein Feuerwerk mit erlaubten Böllern auf Privatgelände: Sven-Eric und Nova Will aus Leingarten. Foto: Carsten Friese  Foto: Friese, Carsten

Zwei Familien, zwei konträre Einstellungen: An Silvester auch im harten Lockdown wenigstens ein bisschen daheim auf Privatgrund böllern oder es ganz lassen? Die Diskussion gab es zuletzt öfter. Unsere Recherche am Silvesterabend zeigte, dass beide Seiten durchaus gute Gründe für ihre Entscheidung haben.

Ein kleines Feuerwerk ist Tradition an Silvester

Bei Familie Will in Leingarten ist es Tradition, dass es an Silvester ein kleines Feuerwerk gibt. Vater Sven-Eric (44) hat noch ein paar kleine Böller vom Vorjahr und zudem einen neuen Satz Kinderfeuerwerk mit Knallteufeln, Fröschen, kleinen Meteoriten und Farb-Wunderkerzen im Supermarkt gekauft. "Es ist ja für die Kinder. Man hat in diesem Jahr nicht viel machen können. Sie sollen ein bisschen Spaß haben." Gezündet wird auf Privatgelände am Haus, was auch erlaubt ist. Und: Raketen oder große Böller seien ja nicht dabei.

Tochter Nova (10) strahlt am Silvesterabend gegen 21.30 Uhr schon, die Vorfreude merkt man ihr an. "Ohne Feuerwerk ist es kein Silvester", meint sie. Sie findet es sogar schade, dass am Himmel nicht so viele bunte Lichtfiguren wie sonst zu sehen sind. Wachsgießen und ein Tischfeuerwerk mit Konfetti haben die Wills auch noch im Abendprogramm. Die Tradition, in kleinem Stil zu böllern, wollen sie beibehalten. Wenn man gar nichts an Silvester hätte machen können, "dann wäre das für mich schon schlimm gewesen", findet Mutter Diana (43).

Gut 14 Stunden später zieht Vater Sven-Eric Bilanz. Es sei viel weniger Feuerwerk als sonst im Ort gewesen. Aber auch Nachbarn hätten etwas geböllert oder mit Wunderkerzen auf dem Balkon gestanden. "Die Kinder hatten Spaß." Es habe sich "ein bisschen" angefühlt wie immer. Für ihn gehört es wie das Anstoßen mit Sekt einfach zu Silvester dazu.


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Ganz anders hat eine spanisch-polnisch-deutsche Familie in Frankenbach entschieden. Kein Feuerwerk, auch kein kleines am Ende des Corona-Jahres. "Dieses Jahr haben wir ganz andere Probleme, das Geld ist woanders besser angelegt", sagt Nelly Swiebocki-Kisling (55). Vor ein paar Jahren haben sie noch etwas geböllert, bis eine verirrte Rakete am Nachbarhaus einen Kinderanorak ansengte. Das war das Signal, aufzuhören.

Blättern an Silvester durch Fotoalben und lehnen Feuerwerk bewusst ab: Familie Swiebocki in Frankenbach.
Foto: Mario Berger
Blättern an Silvester durch Fotoalben und lehnen Feuerwerk bewusst ab: Familie Swiebocki in Frankenbach. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Vater Zygmunt Swiebocki (87) war eh ein Gegner, weil er als Anästhesie-Arzt in Heilbronn einige Verletzte mit Böllerschäden erlebte. Tochter Nadine Sarah (39) nennt den Umweltschutz als weiteren Grund, die Böller wegzulassen.

Mit einem großen Menü mit spanischem Schinken, Lachs mit Krabben aus dem Ofen, Kalbsbraten und Crema Catalana haben sie den Silvesterabend begonnen. Das Corona-Jahr war für Mutter Petra López de Swiebocki (84) hart, weil sie ihre Familie in Spanien lange nicht besuchen konnte. Um Mitternacht wollten sie nun auf der Terrasse aufs neue Jahr anstoßen und nach spanischer Sitte auf die zwölf Glockenschläge zwölf kleine Trauben essen.

"Bei uns in der Straße war gar kein Feuerwerk. Weiter weg ist aber doch relativ viel geböllert worden", erzählt Nelly Swiebocki-Kisling an Neujahr am Telefon. Es sei weniger und kürzer als sonst gewesen. Sie haben noch viel erzählt und gespielt, gegen 4.30 Uhr ist sie nach einem "sehr netten Abend" erst ins Bett gegangen. Aber: Das Umarmen von Freunden und Nachbarn, die Neujahrswünsche auf der Straße, "das hat gefehlt".

 
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