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Ein Euro pro Toilettengang erbost Flohmarkthändler

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Abzocke oder gerechtfertigter Obolus? Händler und Besucher des Flohmarkts zahlen seit Neuestem einen Euro, wenn sie auf der Heilbronner Theresienwiese zur Toilette müssen.

Neben der Tür des Herren-WCs hängt der Zettel, der auf den Preis für die Nutzung aufmerksam macht.
Neben der Tür des Herren-WCs hängt der Zettel, der auf den Preis für die Nutzung aufmerksam macht.  Foto: Kinkopf, Heike

Bei den Standbetreibern, die oft zwei Tage vor Ort sind, läppert sich das. "Sehr viele haben geschimpft", erzählt Andrea Kieber von der zurückliegenden Veranstaltung, bei der zahlreiche Verkäufer Kleidung, Raritäten, Bücher oder Haushaltsware feilbieten. Der Veranstalter des Flohmarkts möchte sich gegenüber der Stimme nicht äußern.

Die 59 Jahre alte Heilbronnerin Kieber verdient sich seit mehr als 35 Jahren auf Flohmärkten etwas dazu. Beim vergangenen Basar auf der Theresienwiese nutzt sie wie andere Händler und Besucher auch die Toiletten im Kioskgebäude, das am Rande des Festplatzes steht. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Kiosk mitsamt Toiletten gehören der Stadt Heilbronn. Die hat sie verpachtet. Die WCs sind damit nicht mehr öffentlich.


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Ärger bei Verkäufern und Besuchern

Neben der Eingangstür zu den Klos hängt ein Zettel. Dort wird auf die Bezahlung hingewiesen. Zwei Frauen sollen darauf achten, dass auch jeder den Euro entrichtet. Viele Verkäufer und Besucher hätten sich über den Preis geärgert, sagt Kieber. "Das ist schon Wucher."

Die 70-jährige Standbetreiberin Irmgard Beck aus Bammental im Rhein-Neckar-Kreis plagen während des Flohmarkts Darm-Beschwerden. Durchfall. Ein ums andere Mal sucht sie die Toilette auf, jedes Mal ist ein Euro fällig. "Ich zahle 60 Euro Standgebühr, da sollte die Toilette doch drin sein", sagt sie. Früher hätten Händler nichts bezahlt und freiwillig etwas gegeben. Dann seien 50 Cent fällig geworden, jetzt sei der Preis höher geklettert.

Beck und Kieber erwarten nicht, dass die Händler überhaupt nichts für die Nutzung der sanitären Anlagen auf dem Festplatz zahlen. 50 Cent für Standbetreiber halten sie für angemessen.

Auf Autobahnrastanlagen, in Kaufhäusern − nahezu überall zahlen Kunden, wenn sie zur Toilette müssen. Wer einen Flohmarktstand auf der Theresienwiese aufstellt, zahlt pro Meter zehn Euro Standgebühr an den Veranstalter. Unter den Händlern sind Familien, die zu dritt oder viert anreisen und den Markt bestücken. Bei ihnen kommen rasch viele Meter für die Tische zusammen und sie zahlen Hunderte Euro an den Veranstalter. Was die Händler ärgert: Die Toiletten seien verdreckt gewesen. Es habe kein Klopapier gegeben.

Bei Flohmärkten auf der Theresienwiese, die regelmäßig freitags und samstags vonstattengehen, habe der Veranstalter Toiletten zur Verfügung zu stellen, sagt Suse Bucher-Pinell, Sprecherin des Heilbronner Rathauses. Er miete den Festplatz von der Heilbronn-Marketing-Gesellschaft. Der Veranstalter kann zum Beispiel einen Toilettenwagen oder Dixi-Klos aufstellen. Oder er mietet die Klos im Kiosk-Häuschen für die Dauer des Flohmarkts von der Pächterin des Imbisses. Auch sie möchte sich gegenüber dieser Zeitung nicht äußern.

 

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