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Der Kampf gegen den A6-Lärm in Biberach geht weiter

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"Im Wohnzimmer meint man, die Autos fahren um den Tisch": Biberacher prüfen ihr weiteres Vorgehen im Kampf gegen den A6-Lärm. Für Ernüchterung sorgen derweil die Ergebnisse der Messungen in der Ina-Seidel-Straße.

Gut 300 Meter mehr Lärmschutzwand und das Lärm-Problem hätte ein Ende, sind Biberacher Anwohner der A6 überzeugt.
Foto: Archiv
Gut 300 Meter mehr Lärmschutzwand und das Lärm-Problem hätte ein Ende, sind Biberacher Anwohner der A6 überzeugt. Foto: Archiv  Foto: Friese

Seit mehr als drei Jahren dauert nun schon der ermüdende Kampf gegen den Lärm der A6 in Biberach an: Im Zuge des Ausbaus wurde auch eine Schallschutzwand entlang der Autobahn errichtet.

Lauter statt leiser: Schallschutzwand soll genau das Gegenteil bewirkt haben

Anwohner des Heilbronner Stadtteils beklagen, dass sie 300 Meter zu kurz und es nicht ruhiger, sondern lauter geworden sei. Weil unter anderem Beschwerden bei der Autobahnbehörde ins Leere liefen, hat sich ein Teil der Biberacher bereits vor zwei Jahren unter Mithilfe von Stadträtin Marion Rathgeber-Roth (Unabhängige für Heilbronn) zur "Initiative gegen Autobahnlärm Biberach" zusammengeschlossen und Unterschriften gesammelt.

 


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Hohe Messwerte mit einem Aber

Außerdem hat die Stadt Heilbronn erste Schritte zur Nachprüfung unternommen. Unter anderem wurden vergangenen Sommer für sechs Wochen zwei Dauermessstellen in der Ina-Seidel-Straße angebracht. Nun liegen erste Ergebnisse als Entwurf des damals beauftragten Ingenieurbüros für Umweltakustik vor. "Es handelt sich um hohe Messwerte, aber unterhalb der Grenzwerte", sagt Andreas Ringle, Baubürgermeister der Stadt, der sich jüngst mit Anwohnern und Stadträtin Marion Rathgeber-Roth an einen Tisch setzte, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

"Im Wohnzimmer meint man, die Autos fahren um den Tisch"

In allgemeinen Wohngebieten darf der Lärm nachts maximal 49 Dezibel und tagsüber höchstens 59 betragen. Die vorläufigen Werte der Messungen in Biberach liegen nachts durchschnittlich zwischen 35 und 47 und tagsüber bei etwa 49 Dezibel. "Das können wir nicht nachvollziehen", sagen Heike und Ralf Bahnemann, die in der Ina-Seidel-Straße wohnen.

 


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Das Ehepaar erzählt, dass es von höheren Werten ausgegangen sei. Auf der Terrasse sei es kaum auszuhalten, mit den Nachbarn könne man sich im Garten über den Zaun kaum unterhalten, und im Wohnzimmer "meint man, die Autos fahren um den Tisch". Zum Zeitpunkt der Messungen sei die Geschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde reduziert und eine Spur gesperrt gewesen. Die Werte könnten nicht aussagekräftig genug sein, so ihre Befürchtung. Für Ärger bei den Anwohnern sorgt außerdem, dass es selbst bei erhöhten Werten keine rechtliche Grundlage gegeben und das Ergebnis lediglich als Argumentationshilfe gedient hätte. "Dann hätten wir uns das sparen können", so ihr Fazit mit Blick auf die neun Monate, die es bis zur vorläufigen Auswertung gebraucht hat.

Mit dem Autobahnbauer Via6West ins Gespräch gehen

Als nächsten Schritt will die Biberacher Initiative nicht nur rechtliche Schritte prüfen, sondern zusammen mit Baubürgermeister Andreas Ringle auf den Betreiber, den Autobahnbauer Via6West, zugehen und das Gespräch suchen.

Früher hätten an jener Stelle der A6 Büsche und Bäume gestanden. Vielleicht würden Begrünungsmaßnahmen dem Lärm entgegensteuern, so die Hoffnung. Parallel dazu kündigt Andreas Ringle an, das Thema ins Rathaus zu nehmen und mit Experten zu sprechen, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, um dem Lärm abzuschwächen. "Wir kämpfen schon so lange. Jetzt geben wir erst recht nicht auf", kündigt Anwohnerin Heike Bahnemann an.

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