Böckinger Radweg am Sonnenbrunnen liegt vorerst weiter auf Eis
Die Beleuchtung steht, der Unterbau ist fertig. Doch eine vorzeitige Fertigstellung der Trasse steht aktuell nicht im Raum.

Rund 200 Meter lang und bis zu 3,50 Meter breit. Die eingezäunte Gerade zwischen der Bahnlinie und der Lidl-Filiale im größten Heilbronner Stadtteil trägt bei manchem Böckinger den Beinamen "Vergessen". Als Radweg angetreten, wächst das Grün ungehindert über den Schotter. Die Beleuchtung steht. Der Unterbau ist fertig. "Es wäre ein Leichtes, den Weg einzuschottern und für den Fahrradverkehr freizugeben", sagt Harald Pfeifer, Stadtrat und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in Böckingen.
Stattdessen führe die aktuelle Route die Radler derzeit parallel auf der stark befahrenen Großgartacher Straße Richtung Stadtmitte und umgekehrt. Ampeln und Fußgängerinseln inklusive, so Pfeifer. Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung, den angelegten Abschnitt als Radweg zu aktivieren, sei negativ beschieden worden. Wegen des Gefälles, an dem der Weg zurück Richtung Großgartacher Straße führt. Das, so Pfeifer, sei als zu gefährlich erachtet worden.
Ausbau vorerst zurückgestellt
Der Weg parallel zu den Bahngleisen war im Zuge des Bauprojekts "Sonnenbrunnen" angelegt worden. Im Juli 2015 ist der Heilbronner Gemeinderat dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt, im Zuge der Verkehrslösung für diesen Böckinger Knotenpunkt den Ausbau des Radwegs zwischen Lidl und Stadtbahnstrecke erst einmal zurückzustellen. Aus Kostengründen, so Stefan Muth, Fachkoordinator Radverkehr beim Amt für Straßenwesen in der Heilbronner Stadtverwaltung.
Das Gremium hat damals entschieden, den Unterbau bereits so vorzubereiten, dass er für den späteren Vollausbau geeignet ist. Die Oberfläche wurde vor rund drei Jahren mit Schotterrasen eingedeckt. Seitdem wartet sie auf ihre Bestimmung.
Gestaltungskonzept für den Sonnenbrunnen
Eine vorzeitige Fertigstellung des Teilstücks steht derzeit nicht im Raum, so Muth weiter. Denn die Strecke ist als Teil der geplanten Radroute West konzipiert. Deren Planung wiederum ist für 2024 festgelegt. Dann soll der Weg asphaltiert und in das Gesamtgestaltungskonzept für den Sonnenbrunnen eingebunden werden.
"Um die gesamte Verbindung als Radweg zu ertüchtigen, muss dieser Bereich zwischen Bahntrasse und Lidl und der Abschnitt der Wegeverbindung östlich der Eisenbahnüberführung bis zum Anschluss an die neue Ludwigsburger Straße entsprechend ausgebaut werden", so Muth weiter. Der erste Teilbereich umfasst rund 400 Quadratmeter, der zweite rund 290 Quadratmeter.
Laut dem Fachkoordinator Radverkehr sei es hierzu erforderlich, den bestehenden Schotterrasen abzutragen und zu entsorgen. "Anschließend kann der Asphalt mit Possehlbeschichtung im westlichen Bereich zwischen Lidl und Stadtbahn eingebaut werden", so Muth.
Zaun und Tor um- und abbauen
Darüber hinaus seien dann die ebenfalls zurückgestellten Anpassungsarbeiten wie die Herstellung der Randeinfassungen im östlichen Teil zu machen. Die bestehenden Zaunelemente und Toranlagen seien um- oder auszubauen, erläutert Muth weiter.
Für beide Teilflächen - vom Lidl bis zur Brücke und von der Brücke bis zum bestehenden Radweg - hat die Verwaltung Anfang vergangenen Jahres Gesamtkosten in Höhe von rund 240.000 Euro brutto angenommen. "Diese Finanzmittel sind nicht im aktuellen Haushalt hinterlegt", so Muth. Eine Umsetzung sei daher derzeit nicht möglich.
Die Stadt Heilbronn plant ein innerstädtisches Wegenetz für Radfahrer. Zehn Radrouten, die die Stadtteile mit der Innenstadt verbinden, sollen für Fahrradfahrer eine Alternative zum Auto bieten. Dafür sollen auf rund 77 Kilometern neue Verbindungen entstehen. Der Kostenrahmen beträgt voraussichtlich rund 30 Millionen Euro. Die Stadt rechnet mit Zuschüssen von 80 Prozent von Bund und Land, Die Route West ist Bestandteil dieses Konzepts.


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