Beziehung am Arbeitsplatz: Ein Stimme-Pärchen im Interview über Vorteile und Herausforderungen
Elfi Hofmann und Andreas Zwingmann arbeiten beide als Redakteure beim Medienunternehmen Heilbronner Stimme. Kann das gut gehen? Wir haben nachgefragt.

Pärchen, die denselben Arbeitgeber haben, verbringen überdurchschnittlich viel Zeit miteinander. So wie Elfi Hofmann (40) und Andreas Zwingmann (50), die beide als Redakteure bei dem Medienunternehmen Heilbronner Stimme arbeiten. Kann das gut gehen? Wir haben nachgefragt.
Fällt es euch schwer, Privates und Berufliches zu trennen?
Andreas Zwingmann: Natürlich nimmt man Sachen mit nach Hause, das Gerede über den Job hört ja nicht auf, sobald der Kugelschreiber fällt. Das kann bisweilen belasten. Der klassische Feierabend kehrt bei uns selten ein, weil es privat und beruflich extrem viele Überschneidungen gibt.
Elfi Hofmann: In unserem Fall gibt es viel mehr Gesprächsbedarf abends und früh morgens und mittags (lacht). Wir reden, glaube ich, öfters über die Arbeit als andere, die nicht zusammenarbeiten.
Habt ihr schon mal überlegt, Regeln einzuführen wie zum Beispiel von acht Uhr abends bis sieben Uhr früh nicht über die Arbeit zu sprechen?
Hofmann: Nein, aber wir hatten tatsächlich vor kurzem zwei Tage frei und er meinte, über dieses eine Thema sprechen wir heute nicht mehr. Und das haben wir durchgehalten den ganzen Tag. Gerade er bremst mich oft und sagt: "So, und jetzt ist gut."
Was empfindet ihr noch als Herausforderung?
Zwingmann: Die private Seite fällt manchmal für mich zu stark hinten runter.
Hofmann: Jetzt wird´s ein Therapiegespräch (lacht).
Zwingmann: Es ist schwer, sich Zeitfenster für etwas anderes zu schaffen. Also Hobbies, Sport und so weiter. Wenn man gemeinsam arbeitet, dann ist es schwierig, komplett loszulassen. Jeder muss nach seinem eigenen Rückzugsraum schauen. Wenn sie im Arbeitszimmer näht, setze ich mich ins Wohnzimmer und spiele Gitarre.
Wenn man denselben Arbeitgeber hat, weiß der andere immer, wovon man redet. Ist das ein Vorteil?
Hofmann: Ich arbeite ja länger hier als er. Früher hat er nie nachempfinden können, welche Themen mich beschäftigen. Seitdem er hier vor fast zwei Jahren angefangen hat, ist das Verständnis füreinander größer geworden.
Zwingmann: Das kann ich bestätigen. Außerdem ist es schön, dem anderen durch Zuhören ein Stück weit was von den Schultern zu nehmen. Zu sagen: "Ok, da finden wir zusammen eine Lösung."
Angenommen, ihr hattet einen Streit. Wie wirkt sich das auf der Arbeit aus?
Hofmann: Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber wir streiten uns nicht oft. Mir fällt jetzt keine Situation ein, wo ich gesagt habe, dass ich ihn auf der Arbeit den ganzen Tag nicht sehen will. Wir kriegen uns schon mal in die Haare, aber das legen wir schnell wieder bei.
Zwingmann: Ja, das kommt uns zugute, dass wir ein starkes Harmoniebedürfnis haben. Wir sind uns einig, Dinge gleich zu klären und sie nicht mit uns rumzuschleppen.
In einer Beziehung sollte ja jeder auch sein eigenes Ding machen. Wie handhabt ihr beispielsweise das Thema Mittagspause?
Hofmann: Generell würde ich sagen, an vier von fünf Tagen essen wir zusammen. Aber: Wir arbeiten ja auch nicht im selben Team. Das könnte ich niemals. Da würden wir uns dann wirklich streiten. Er war ja mal freier Mitarbeiter in unserem Unternehmen. Wenn ich ihm Aufträge gegeben habe, habe ich mich gefragt, wann er das endlich angeht. Es ist ja dann am Ende auch immer gut geworden, aber das würde mich wahnsinnig machen.
Warum sind euch Freiräume noch wichtig?
Hofmann: Nur aufeinanderzusitzen würde die Beziehung kaputtmachen. Ich finde es toll, wenn er mal abends auf Termin ist und ich zu Hause bin. Als er vor kurzem von Freitag auf Samstag unterwegs war, habe ich das total gefeiert. Ich freue mich immer, wenn er wieder da ist, aber einen Abend mal nur für sich zu haben, das ist schon gut.
Zwingmann: 24/7 schafft keine Beziehung, davon bin ich überzeugt.
Was würdet ihr anderen Pärchen mit demselben Arbeitsplatz raten?
Zwingmann: Man muss der Typ dafür sein und man muss sich bewusst sein: Die klassische Feierabendschranke in dem Sinne gibt es nicht.
Hofmann: Es kann auch immer irgendwas sein. Also dass sich der eine vom anderen trennt. Das wird dann unangenehm.
Zwingmann: Das ist bei uns unwahrscheinlich. Aber dennoch ist das ein Thema, das man sich hin und wieder durch den Kopf gehen lassen sollte, wie man dann damit umgeht.



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