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Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz: Auf was es ankommt, wenn die rosarote Brille verblasst

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Die Paarberater Matthias und Daniela Stolla aus Forchtenberg geben Tipps für Beziehungen am Arbeitsplatz. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Ein Kaufland-Pärchen plaudert aus dem Nähkästchen.

David (32) und Trinh Nguyen (30) aus Leingarten arbeiten beide bei Kaufland in Neckarsulm. Das Paar ist seit 2014 verheiratet.
David (32) und Trinh Nguyen (30) aus Leingarten arbeiten beide bei Kaufland in Neckarsulm. Das Paar ist seit 2014 verheiratet.  Foto: privat

Liebe am Arbeitsplatz, kann das funktionieren? Die Paarberater Matthias und Daniela Stolla aus Forchtenberg sagen: Ja, kann es. Die beiden haben sich ebenfalls bei ihrem damaligen Arbeitgeber kennengelernt. Seit 1999 sind sie verheiratet.

Einer der größten Vorteile sieht Matthias Stolla darin, dass man lernt, auf funktionaler Ebene gut klarzukommen. "Man ist ja im Normalfall nicht gleich ein Paar, sondern Kollegen und lernt sich also erstmal ohne die rosarote Brille kennen. So kriege ich mit, wie mein Partner wirklich tickt und laufe keinen hormonellen Amoklauf."

Gut miteinander zu funktionieren, auch ohne einen romantischen Bezug, sei das, was man später in einer Beziehung für ein starkes Fundament brauche. "Die rosaroten Wolken verfliegen, die Frage ist, auf was man dann zurückgreifen kann", findet auch Daniela Stolla. Eine anfängliche Freundschaft sei eine gute Basis für eine spätere Beziehung.


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Aber es gibt auch Herausforderungen. Das Risiko bestehe, in Konkurrenzkampf miteinander zu treten, wer erfolgreicher ist, gibt Matthias Stolla zu bedenken. "Das ist von Persönlichkeit zu Persönlichkeit unterschiedlich. Je höher der eigene Selbstwert, desto geringer die Neigung, in Konkurrenzkampf mit dem eigenen Partner zu treten." Sich nicht den ganzen Tag über die Arbeit auszutauschen, erfordere außerdem viel Disziplin. Außerdem sollte jeder sein eigenes Ding machen und ein Hobby pflegen", empfiehlt Matthias Stolla. "Überspitzt gesagt: Man braucht sich selbst ja kein zweites Mal."

Einmal die Woche bewusst über Gefühle reden

Damit die Arbeit nicht den größten Teil in einer Beziehung einnimmt, empfehlen Matthias und Daniela Stolla, sich einmal in der Woche einen Abend einzurichten, an dem ausschließlich über Gefühle geredet wird. "Zum Beispiel vor was man Angst hat oder was einem Freude bereitet. Das kommt bei der Arbeit oftmals zu kurz", sagt Daniela Stolla.

Der Austausch über die eigene emotionale Empfindlichkeit sei für viele ein heikles Thema, beobachtet auch Matthias Stolla. "Aber nur dann lerne ich meinen Partner richtig kennen und erfahre, wie es ihm geht." Gefühle in den Fokus der gemeinsamen Gespräche zu rücken, vermeide das Risiko, aus einer romantischen in eine kollegiale Beziehung zu rutschen.

Wie man sich nach einem Streit verhalten sollte

Wie man sich nach einem Streit verhalten sollte, hängt laut den Paarberatern auch von der Unternehmenskultur ab. Wenn Arbeit und Privates strikt voneinander getrennt werden sollen, müssten die Emotionen zu Hause bleiben. Besteht eine offene Arbeitskultur, empfiehlt Matthias Stolla, den Kollegen gegenüber ehrlich zu sein. Kommunikation nehme dem Streit seine Brisanz.

"Das ist ein gutes Training", findet auch Daniela Stolla. "Zuhause würde man schmollen. In der Arbeit ist man gezwungen, miteinander zu kommunizieren und das Gespräch zu suchen."

Ein Kaufland-Ehepaar über seine bisherigen Erfahrungen

David (32) und Trinh Nguyen (30) aus Leingarten sind seit 2014 verheiratet. Beide arbeiten bei Kaufland in der Zentrale in Neckarsulm. Trinh Nguyen im Kundenmanagement, David Nguyen im IT-Bereich. Privates und Geschäftliches können die Eltern zweier Kinder gut voneinander trennen, wie sie sagen. Je nachdem was für Projekte anstehen, werde der eine oder andere Satz darüber ausgetauscht und dann sei es wieder gut. "Privates hat bei der Arbeit nichts zu suchen", findet Trinh Nguyen.

Sollte es mal zum Streit kommen, wollen die beiden das zu Hause und nicht im Büro klären. "Wir ticken da unterschiedlich", erklärt David Nguyen. "Ich bin jemand, der die Sache schnell aus der Welt geschafft haben will. Meine Frau dagegen braucht eher ein paar Ruhestunden, ehe wir miteinander sprechen."

 

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