Alice Weidel gibt sich staatstragend
Bei ihrem Auftritt in der Heilbronner Harmonie verzichtet die AfD-Fraktionsvorsitzende weitgehend auf scharfe Töne.
Dass die AfD so ihre Schwierigkeiten mit der Presse hat, ist bekannt. Ihre Themen würden von den Medien nicht aufgegriffen, klagte die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel bei ihrem Auftritt am Freitagabend in der Heilbronner Harmonie. Eine seltsame Klage angesichts der Tatsache, dass dem Fotografen der Heilbronner Stimme der Zutritt zu der öffentlichen Veranstaltung verwehrt wurde.
Der Redakteur, als solcher nicht zu erkennen, kam zumindest ins Foyer, wo er mit rund 100 weiteren Besuchern, die aufgrund des großen Andrangs nicht mehr in den Wilhelm-Maybach-Saal gelassen wurden, den Auftritt der AfD-Politikerin verfolgte.
Alice Weidel gab sich staatstragend, sparte sich weitgehend die scharfe Rhetorik, die ihre Parteifreunde mitunter an den Tag legen. Abgesehen von einigen Sticheleien gegen die anderen Parteien („Die SPD hat es verdient unterzugehen“, „die CSU schmiert in Bayern ab“) und Spötteleien über die Blüten der Gender-Politik inszenierte Weidel ihre Partei als die treibende Kraft im Bundestag, die mit kritischen Anträgen und großem Arbeitseifer die Bundesregierung unter Druck setze.
„Wir sind die einzige kritische Fraktion“, sagte Weidel und kritisierte die „völlig kopflose Energiewende“ von Kanzlerin Angela Merkel und die angeblich angestrebte „Abschaffung des Verbrennungsmotors auf deutschen Straßen“ aufgrund ideologisch motivierter Grenzwerte.
Finanzpolitik statt Flüchtligsthema
Zum Lieblingsthema der AfD – Flüchtlinge – sagte Weidel in ihrer halbstündigen Rede kaum etwas. Dafür versuchte sie in der Fragerunde, den Besuchern die Details der europäischen Finanzpolitik (Target 2) zu erläutern und echauffierte sich über die „kalte Enteignung“ der deutschen Sparer durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.
Die Europakritikerin Weidel betonte aber ebenso wie der Heilbronner Landtagsabgeordnete Rainer Podeswa, dass die AfD nicht den Austritt Deutschlands aus der EU zum Ziel habe, sondern eine Reform der Europäischen Union.
Gemäßigte Positionen statt krawalligem Populismus – so trat Alice Weidel in Heilbronn auf. Die meisten Besucher bedachten die AfD-Fraktionsvorsitzende mit freundlichem Applaus.
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