Rund 250 Menschen setzen Zeichen gegen Rassismus
Eine friedliche Kundgebung des Netzwerks gegen Rechts Heilbronn begleitet die AfD-Veranstaltung mit der Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Alice Weidel.
Jeder, der am Freitagabend in die Heilbronner Harmonie geht, wird von einem schrillen Pfeiffkonzert begleitet. So drücken die Menschen hinter den Absperrgittern ihren Protest gegen die AfD und deren Veranstaltung mit der Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Alice Weidel, aus. Etwa 250 Menschen draußen auf dem Vorplatz setzen so ein „klares Zeichen gegen Rassismus“, wie Katharina Kaupp vom Netzwerk gegen Rechts Heilbronn nach rund eineinhalb Stunden mit Reden und Musik zufrieden feststellt. Es sind deutlich mehr Leute gekommen, als sie erwartet hat.
Redner treten für Flüchtlinge ein
„Laute Proteste“ wünscht sich Kaupp, stellvertretende Geschäftsführerin von Verdi Heilbronn-Neckar-Franken. Der AfD dürfe man keine Räume überlassen. „Wir wollen keine Rassisten in unserer Stadt“, spricht nicht nur sie deutliche Worte. Sondern auch die anderen Redner: Martin Kunzmann, Landesvorsitzender des DGB Baden-Württemberg, der Juso-Kreisvorsitzende An Tang, ein Vertreter der Verdi-Jugend sowie eine Vertreterin der organisierten Linken. In den Reden wird auch die Flüchtlingspolitik von Innenminister Horst Seehofer scharf kritisiert, immer wieder das Elend und der Tod von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer angeprangert.
Viele Banner mit Botschaften
Es ist eine bunte, friedliche Protestversammlung, viele junge Leute sind darunter. Es werden Partei- und Gewerkschaftsfahnen geschwenkt, Banner ausgerollt, Schilder hochgehalten. Die Botschaften lauten: „Unsere Alternative heißt Solidarität“; „Es ist genug für alle da“; „Multikulti statt Leitkultur“; „Refugees welcome“; „Rechtspopulismus ist keine Alternative“. „Kein Platz für Hass und Rassismus“ hat Lisa Menstell aus Herbolzheim auf einen Karton geschrieben. Sie geht auf die Straße, um zu zeigen, dass es genügend Menschen gibt, die die AfD ablehnen.
„Heilbronn ist eine Multikulti-Stadt. Die wollen wir behalten“, sagt Petra Stammel aus Willsbach. „Rassismus führt zu nichts, außer zu Hass und Elend“, meint ein Heilbronner in einer Gruppe von Punkern. „Ich bin Menschenfreund“, sagt der junge Mann, der sich zur linken Szene zählt. Die Schulsozialarbeiterinnen Gaby Heiß und Lena Freyer vom Bildungszentrum Weinsberg zeigen mit ihrem Slogan „Schule ohne Rassismus, Schüler mit Courage“, wofür sie sich einsetzen.
„Bis auf die üblichen gegenseitigen Provokationen und verbalen Entgleisungen sind bisher keine großen Zwischenfälle bekannt geworden“, sagt Thomas Nürnberger, Einsatzleiter der Polizei nach dem Ende der Protestaktion. Kräfte der Bereitschaftspolizei unterstützen das Heilbronner Präsidium. Platzverweise spricht Versammlungsleiterin Kaupp gegen fünf Personen aus, die Demonstranten anpöbeln.
Großer Ansturm in der Harmonie
In der Harmonie, zu der dem Stimme-Fotografen der Zutritt verwehrt wird, müssen zahlreiche Besucher mit einem Stehplatz im Foyer Vorlieb nehmen. Der Andrang im 400 Gäste fassenden Wilhelm-Maybach-Saal ist so groß, dass der Hausmeister niemanden mehr reinlässt. Die Rede Alice Weidels wird über Lautsprecher ins Foyer übertragen.
Inhaltlich konzentriert sich die AfD-Fraktionsvorsitzende darauf, die Arbeit ihrer Fraktion im Bundestag zu loben. Als größte Oppositionspartei sei es die AfD, die die Regierung durch zahlreiche Anträge dazu zwinge, mehr zu arbeiten und Position zu beziehen.
Einige Spitzen gegen die CSU, die "in Bayern abschmiert", Claudia Roth und Anton Hofreiter bringen ihr Lacher aus dem Publikum ein − ansonsten verzichtet Weidel weitgehend auf scharfe Töne. Ihre Botschaft ist klar: Die AfD ist die einzige kritische Oppositionspartei, die den anderen Parteien Dampf macht. Nach einer halben Stunde ist Schluss, anschließend können Besucher ihre Fragen stellen.
Ein ausführlicher Bericht über den Auftritt von Alice Weidel folgt am Samstag.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare
am 21.07.2018 02:41 Uhr
Auch hier fällt es wieder auf, dass die Journalisten der Heilbronner Stimme ganz offensichtlich das nicht sehen wollen, was nicht in ihr Weltbild passt. Also zum Beispiel die Bedrohung der Versammlungsteilnehmer durch Gegendemonstranten oder auch die Wegnahme einer Deutschlandfahne, auf der dann herumgetrampelt wurde, während die anwesenden Polizeibeamten dem Treiben tatenlos zusahen.
Der Co-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Frau Dr. Alice Weidel Rassismus zu unterstellen, ist vor dem Hintergrund dessen, dass sie in der Schweiz mit ihrer dunkelhäutigen Lebensgefährtin und 2 ebenfalls dunkelhäutigen, adoptierten Jungen lebt, einfach absurd.
Unter dem Chefredakteur Uwe Ralf Heer wurde ein unübersehbar regierungskonformer Kurs eingeschlagen, der unter seinem Vorgänger Dr. Wolfgang Book schlichtweg unvorstellbar gewesen wäre. Meiner Ansicht nach ist es die Aufgabe eines jeden Journalisten, die Leser und Zuschauer ausgewogen und umfassend über das Zeitgeschehen zu informieren, so dass sich dieser in die Lage versetzt sieht, sich anhand dieser Informationen ein eigenes Urteil bilden zu können und nicht von den Journalisten darüber belehrt zu werden, was sie zu denken haben und was nicht. Es muss gestattet sein, sich auch ein regierungskritisches Urteil bilden zu können, soweit dieses mit dem Grundgesetz und der Demokratie im Allgemeinen im Einklang steht. Bevormundung aus einer eingebildeten, moralisch überlegenen Position heraus, sollten tunlichst unterlassen werden, um dem freien Bürger Raum für die eigenständige Urteilsbildung zu lassen.