Baugebiet Klingenäcker in Sontheim sorgt für Frust bei Neubürgern
Auf den Klingenäckern in Heilbronn-Sontheim gibt es zwar eine Bushaltestelle, aber keine Buslinie. Die neuen Bewohner üben auch Kritik am städtischen Berechnungssystem für die Erschließungskosten.
„Es hat Geduld und Nerven gekostet“, gibt der Heilbronner Baubürgermeister Andreas Ringle bei der Eröffnung des Sontheimer Baugebietes auf den Klingenäckern am 7. Dezember 2023 zu. Da mochte nun wirklich niemand der Anwesenden widersprechen.
Jahrzehntelange Verzögerung: Baugebiet Klingenäcker in Sontheim kostete viele Nerven
Denn tatsächlich zog sich der Baustart des neuen 7,6 Hektar großen Baugebiets im südlichen Ortsrand des Heilbronner Stadtteils jahrzehntelang hin. Zuletzt verzögerten archäologische Funde aus der Merowingerzeit den Erschließungsstart und sorgten für einen weiteren jahrelangen Aufschub und eine deutliche Verteuerung von Bauplätzen und Erschließungskosten.
Inzwischen sind die ersten Häuser gebaut und bezogen, doch in der neuen Siedlung herrscht Ernüchterung statt Aufbruchstimmung.

Ernüchterung bei Bewohnern: Fehlende Infrastruktur trübt die Neubau-Euphorie
„Hätten wir gewusst, wie sich das Baugebiet entwickelt, hätten wir hier niemals gebaut“, ärgert sich ein frustrierter Hausbesitzer im Neubaugebiet. Der Frust der gut zehn Familien, die bisher auf den Klingenäckern wohnen, ist vielfältig. „Der Spielplatz kommt nicht, die Buslinie kommt nicht, die Müllabfuhr kommt nicht, und die Polizei weiß auch nicht, dass es hier ein neues Baugebiet gibt“, lässt der Mann, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will, seinem Ärger freien Lauf.
Die fehlende Busanbindung bedeute, dass die Kinder bis zur Staufenbergschule eine halbe Stunde zu Fuß unterwegs sind und der Weg über die steilen Treppen an der Matthäuskirche führt. „Das ist vor allem für Sechsjährige unzumutbar“, fasst der Neubürger die allgemeine Kritik zusammen.
Fehlende Busanbindung sorgt für Unmut bei Familien mit Schulkindern
Zwar hat die Stadt mit der Erschließung des Baugebiets eine Bushaltestelle eingerichtet, diese wird jedoch nicht angefahren. Das sei mit der aktuellen Vertaktung der Buslinien schwierig, sagt die Pressestelle der Stadt. „Geplant ist die Einrichtung, wenn 80 Prozent des Gebietes bebaut ist“, sagt eine Pressesprecherin auf Stimme-Anfrage. Das kann Jahre dauern, denn mit der Vermarktung der dritten Tranche der Baugrundstücke, die sich in städtischen und in Privatbesitz befinden, wurde vor knapp einem Jahr begonnen.

Derzeit sind rund zehn Prozent der Flächen bebaut, insgesamt sollen dort rund 125 Einzel- und Doppelhäuser entstehen, in denen rund 400 Neubürger ein Zuhause finden. „Bis 80 Prozent bebaut sind, haben meine Kinder ihren Führerschein“, ärgert sich der Neubewohner, der sein Grundstück 2020 gekauft hat. Auch ein Vorstoß des Bezirksbeirats ist in der Frage gescheitert.
„Wenn die Stadt zunächst wenigstens einen Fahrradweg einrichten würde, damit die Leute auf kurzen Wegen hier hochkommen, wäre schon viel geholfen“, betont Bezirksbeirätin Christiane Tretow. Das sei bisher aber immer abgelehnt worden. „Ich sehe die Gefahr, dass sich die Leute künftig nach Flein orientieren“, ergänzt der Beiratsvorsitzende Wolfram Rudolph.
Neuer Ärger über Erschließungskosten
Zu den genannten Problemen gibt es nun auch noch Ärger über die Höhe und die Berechnungsgrundlage der Erschließungskosten wegen der archäologischen Grabungen. Die städtischen Bescheide, die kürzlich an die Neubürger verschickt wurden, weisen nun zu den bereits bekannten 90 Euro noch 30 Euro pro Quadratmeter aus.
„Wir haben jetzt festgestellt, dass die Stadt die Größe des Bauplatzes plus die maximale und nicht die tatsächliche Wohnfläche berechnet“, nennt der Hausbesitzer den neuen Ärger, der sich unter den Wohnungsbesitzern breit macht. Die Stadt mache es sich leicht, lautet der Vorwurf in der gemeinsamen Whatsapp-Gruppe. Die unangenehmen Nachrichten kämen alle durch die Hintertür.
Jahrzehntealte Pläne, steigende Kosten: Warum der Frust am Klingenäcker wächst
Die Verzögerungen im Baugebiet Klingenäcker hat nicht nur den Baugrund enorm verteuert, auch die Baupreise haben sich durch die Inflation in den vergangenen Jahren stark verteuert. Zeitgleich sind die Hypothekenzinsen gestiegen. Erste Pläne für ein Neubaugebiet im Sontheimer Süden stammen bereits aus den 1970er Jahren.
Nach einer ganzen Kette von Verzögerungen und einer vom Denkmalamt angeordneten Verfüllung von Luftschutzbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 2018 sorgten zuletzt Rettungsgrabungen archäologischer Funde aus der Merowingerzeit für einen weiteren Aufschub.
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