Deutsches Hochsprung-Ass gewinnt Mega-Event in Heilbronn
Die deutsche Party geht bei Hochsprung Heilbronn am Sonntag weiter. Auf dem Marktplatz hat Tobias Potye allen Grund zur Freude. Selbst Olympiasieger Hamish Kerr hat das Nachsehen.

Die Nummer eins der Hochsprung-Welt kommt am Sonntag auch als Erster in die Arena am Rathaus in Heilbronn. Im Schatten des Show-Events der Heilbronner Falken, bei dem sechs Profis des Eishockey-Oberligisten eine Sonder-Trainingseinheit absolviert haben, bereitet sich Sanghyeok Woo konzentriert auf die 3. Auflage von Hochsprung Heilbronn vor, stretcht sich bei Chill-out-Musik – und dann das: Beim Einspringen verletzt sich der Südkoreaner, muss passen.
Verletzt: Olympiasieger Mutaz Essa Barshim und Sanghyeok Woo müssen in Heilbronn passen
Nach den Rekordspringen des Nachwuchses mit 2,26 Meter des erst 20-jährigen Tschechen Matyas Cudly und dem Stadionrekord von Frauen-Siegerin Christina Honsel, die erstmals in ihrer Karriere zwei Meter überspringt und frenetisch gefeiert wird, wollen auch die weltbesten Männer mit Extraklasse nachziehen. Aufmerksamen Beobachtern aber fällt schnell auf: Tokio-Olympiasieger Mutaz Essa Barshim fehlt beim Einspringen. Der 34-jährige Katari plagt sich seit Monaten mit Fußproblemen – und hat auf Anrates seines Arztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt schweren Herzens auf einen Start in Heilbronn, der finalen Station der von ihm initiierten What Gravity Tour verzichtet. Wegen Wadenproblemen steigt im weiteren Verlauf auch der deutsche Vizemeister Falk Wendrich mit übersprungenen 2,20 Meter aus.
Hochsprung-Meeting in Heilbronn: Erstmals ausverkaufte Arena am Rathaus
Die Organisatoren melden erstmals ausverkauftes Haus. 1500 Zuschauer sorgen für beste Stimmung – und die Stars der Szene rocken den Marktplatz. Der Auftakt verläuft bei hohen Temperaturen jedoch etwas zäh. Nur noch vier Springer sind bei 2,25 Meter dabei: Hamish Kerr, der auf den Tag genau ein Jahr zuvor Olympiasieger in Paris geworden ist und auch diese Höhe mit der Leichtigkeit eines Souveräns meistert.
Der Tscheche Jan Stefela und Tobias Potye ziehen nach, während Gianmarco Tamberi dreimal scheitert. Der Olympiasieger aus Italien steigert bei seinem Comeback nach langer Knieverletzung seine Saisonbestleistung zwar um vier Zentimeter auf 2,20 Meter, ist aber noch längst nicht der Alte. Der Showman mit dem halb-rasierten Bart verneigt sich vor dem Publikum, das ihn – mal laut im Stehen, mal mucksmäuschenstill unterstützt hat.
Spannung in Hochsprung-Arena vor Heilbronner Rathaus: Trio bei 2,27 Meter noch dabei
Ein Weltklasse-Trio wagt sich an die 2,27 Meter, doch für den sympathischen Stefela ist die Höhe an diesem Sonntag zu hoch. Die tschechische Kleingruppe bleibt trotzdem ein Riesengewinn am Wochenende. Im dritten Versuch geben alle nochmal Alles – das hilft Tobias Potye, der im dritten Versuch einen Supersatz raushaut.
Der erste Gratulant: Hamish Kerr, der grandiose Stilist aus Christchurch. Er scheitert knapp und bedankt sich höflich bei allen Kampfrichtern per Handschlag. „Diesmal ist ein Anderer besser gewesen“, sagt der 28-Jährige sportlich fair, „ich habe mich super gefühlt und meine ersten Sprünge waren auch richtig gut, aber dann habe ich es leider nicht mehr in Höhe umsetzen können. Dennoch verspreche ich, wiederzukommen.“
Die deutsche Party geht weiter – Sieg für Tobias Potye beim Heilbronner Hochsprung-Meeting
Weil Tobias Potye mit Saisonbestleistung von 2,27 Meter bereits als Sieger feststeht, lässt er die magische Höhe von 2,30 Meter auflegen. Dem 30-Jährigen gebührt das Solo am Sonntag, doch nach zwei Stunden Wettkampfzeit fehlt dem EM-Zweiten von München (2022) die allerletzte Energie. Auch, weil er zuletzt etwas erkältet gewesen ist. Am grandiosen deutschen Doppelsieg ändert dies jedoch nichts mehr. Sein Fazit: „Der Sieg ist top, bei so einem großen Meeting habe ich noch nie gewonnen. Darüber freue ich mich“, sagt Tobias Potye. „Aber ich glaube, es hätte keiner gedacht, dass man mit 2,27 Meter gewinnt. Der Wettkampf war ein bisschen zu lang.“
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare