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Urteil im Shania-Geiss-Prozess in Heilbronn – Angeklagter räumt Lüge ein

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Im November 2022 hat ein 24 Jahre alter Heilbronner mit gefälschten Chats auf seinem Instagram-Account behauptet, eine Affäre mit der Promi-Tochter Shania Geiss gehabt zu haben. Vor dem Amtsgericht räumte er die Lüge ein. Dafür muss er jetzt die Konsequenzen tragen.

Der Angeklagte (ganz links) im Heilbronner Gerichtssaal.
Der Angeklagte (ganz links) im Heilbronner Gerichtssaal.  Foto: Mario Berger (links) / dpa (rechts)

Das Amtsgericht Heilbronn hat am Mittwochnachmittag einen 24 Jahre alte Mann wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt. Mehr gebe sein Gehalt nicht her, so Richterin Katrina Rauer. Denn obwohl der Beschuldigte sich öffentlich als Rotschild-Erbe mit einem Milliardenvermögen ausgibt, ist er ein einfacher Soldat, dessen Gehalt bis zur Maximalgrenze gepfändet wird.

Im November 2022 veröffentlichte der Beschuldigte auf seinem Instagram-Account einen gefälschten Chatverlauf mit Shania Geiss, in dem er bei seinen rund 500.000 Followern den Eindruck erwecken wollte, in Kitzbühel Kontakt mit ihr gehabt zu haben. Dabei, so behauptete der Heilbronner damals fälschlicherweise weiter, soll es auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Auch dies versuchte er mit gefälschten Chats glaubhaft erscheinen zu lassen. Bei der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht zeigte sich der Angeklagte geständig. "Ich habe sie nie getroffen."  Shania Geiss ist bekannt aus der RTL2-Dokusop „Die Geissens - Eine schrecklich glamouröse Familie“.

Warum der deutsche Staatsbürger diesen Chat in die Welt gesetzt hat, konnte Richterin Katrina Rauer bis zuletzt nicht klären. Auch nicht, warum er im Februar gegenüber der Bildzeitung und der Merkur tz Redaktions GmbH seine Lügen noch einmal wiederholte. Die beiden Medien hatten in der Folge darüber berichtet, obwohl der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Unterlassungserklärung unterschrieben hatte.

Angebliche Affäre mit TV-Promi Shania Geiss – Staatsanwalt: Angeklagter wollte sich brüsten

Oberstaatsanwalt Martin Renninger vermutete Geltungssucht und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Er habe sich vor einer breiten Öffentlichkeit brüsten wollen und bewusst in Kauf genommen, die Geschädigte bloßzustellen. "Als sei sie eine Schlampe", so der Oberstaatsanwalt. Dabei habe er zu keinem Zeitpunkt einen Kontakt zu seinem Opfer gehabt.

Auf seinem Instagram-Account gibt sich der Angeklagte als Milliardenerbe aus. Mit seinen Bildern posiert er unter anderem in Monaco, Paris und mit schnellen und luxuriösen Autos. Damit suggeriert er seinen Followern nach wie vor, ein Leben in Luxus zu führen. "Als bade er seine Rolex in Champagner", so Renninger. Dabei sei der Angeklagte in Wahrheit "ein Habenichts", der über keinerlei Rücklagen verfüge, so der Oberstaatsanwalt. Der Beschuldigte macht derzeit bei der Bundeswehr eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Von seinen rund 2100 Euro monatlichem Einkommen bleiben ihm knapp 1500 Euro. Der Rest wird gepfändet.

Denn die Geissens führen nicht nur ein Zivilverfahren gegen den Heilbronner. Der Angeklagte verstieß auch zweimal gegen eine Unterlassungserklärung und trägt deshalb weitere Kosten wegen Vertragsbruchs. In Summe hat die aus der RTL2-Serie bekannte Familie einen "titulierten Anspruch von etwa 110.000 Euro" gegen den Angeklagten, so ein Familienanwalt der Geissens im Zeugenstand des Amtsgerichts.

Statt Milliarden hat der Angeklagte wachsende Schulden

Weil allein die monatliche Verzinsung höher ist als der Betrag, der vom Gehalt des Soldaten gepfändet werden kann, wachsen die Schulden des Möchtegern-Milliardärs Monat für Monat weiter an. "Ohne eine Privatinsolvenz wird er aus der Sache wohl nicht mehr herauskommen", so der Verteidiger Marc Wandt.

Auch der immaterielle Schaden sei groß, so der Geissens-Anwalt. Aus einem Gespräch mit Carmen Geiss, der Mutter der Geschädigten, habe er erfahren, dass die Tochter durch diese Lügen psychisch leide. In einer Mail an den Anwalt schrieb Shania Geiss selbst, dass "es eine schreckliche Erfahrung" gewesen sei. Und: "Diese Lügen haben mein Leben negativ beeinflusst."

In seinem Plädoyer kritisierte der Oberstaatsanwalt auch die Medien, die ohne weitere Recherchen auf die Geschichte des Angeklagten hereingefallen seien. Unangebracht fand dagegen der Anwalt des Beschuldigten "das leidvolle Bild von der Tochter". "Wenn sie hier wäre, hätte ich sie mir gerne mal quer zur Brust genommen", so Wandt. "Wer sich so in der Öffentlichkeit präsentiert, bietet Angriffsflächen." Vom Interesse der Medien profitierten alle - auch die Familie Geiss, so der Verteidiger. Kritik übte Wandt an den Eltern der Geschädigten. Sie werde von Kindheit an vor die Kamera gezerrt. "Solche Kinder haben kein normales Leben." Wandt sprach von  einer Form des "Kindesmissbrauchs".

 




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