Neue Schulschwimmhalle für Heilbronn? Im Gemeinderat geht's emotional zur Sache
Die Zahl der Kinder, die im Grundschulalter nicht schwimmen können, ist besorgniserregend hoch. Bei der Diskussion über den Bau einer neuen Schulschwimmhalle geht es im Heilbronner Gemeinderat hoch her.

Der Vorstoß kam von den Grünen: Heilbronn braucht eine neue Schulschwimmhalle in der Innenstadt. Der Anlass: Laut Sportentwicklungsplan der Stadtverwaltung können nur 29 Prozent der Schüler am Ende der vierten Grundschulklasse 100 Meter in einer beliebigen Schwimmart zurücklegen und wagen einen Sprung ins tiefe Wasser.
Ferner hat eine Bestandsaufnahme des Schul-, Kultur- und Sportamtes ergeben, dass 164 Wasserstunden fehlen und das Soleo den Bedarf der mehr als 30 Schulen und Vereine an Wasserzeiten nicht abdecken kann. Unterstützt wurde der Grünen-Antrag in zum Teil leicht abgeänderter Fassung von der SPD und Pro Heilbronn.
Schulschwimmhalle als Wahlkampfthema? Verbaler Schlagabtausch im Gemeinderat von Heilbronn
Ein Vorschlag, der angesichts der mangelhaften Schwimmleistungen emotionslos diskutiert werden müsste. Stünde da nicht die Kommunalwahl vor der Tür. Und so entwickelte sich das Thema in der letzten Sitzung des Gemeinderats zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen den Fraktionen, politischen Gruppierungen und der Verwaltung. Dabei handelten sich die Grünen den Vorwurf ein, mit einem Schauantrag punkten zu wollen.
Vor allem bei Thomas Randecker, Vorsitzender der CDU-Fraktion, stieg der Blutdruck deutlich an: "Mich ärgert, wenn die Grünen so tun, als ob die Verwaltung nicht weiß, was sie tun muss, und die Grünen uns die Welt erklären." Fast alles, was im Grünen-Antrag stehe, werde bereits von den Stadtwerken ermittelt und dem Aufsichtsrat Anfang 2025 vorgelegt.
Gegen den Vorwurf, mit Schau- und Wahlkampfthemen zu agieren, verwahrte sich Holger Kimmerle, Sprecher der Grünen-Fraktion, und stellte sich hinter die Ausführungen seines Fraktionskollegen Wolf Theilacker. Der am längsten aktive Grünen-Stadtrat hatte zuvor den Antrag begründet und für die Schulschwimmhalle eine Machbarkeitsstudie beantragt.
Als Standort schlug er das westliche Drittel des Mönchsee-Sportplatzes östlich der Oststraße zwischen der Karl-, Goethe- und Moltkestraße vor. Die Weitsprunganlage soll nach Osten an die Kampfbahn verlegt werden: "Das Sportangebot auf dem Platz soll in vollem Umfang erhalten bleiben", betonte Theilacker.
Schulschwimmhalle für Heilbronn sei kein "Nice-to-have-Projekt"
Unterstützt wird der Grünen-Antrag von der SPD. "Es geht hier nicht um ein Nice-to-have-Projekt, sondern um etwas wirklich Wichtiges. Der Gemeinderat muss jetzt aktiv werden", sagte Tanja Sagasser-Beil. Sie brachte zudem ins Spiel, eine Schulschwimmhalle in den Bau der geplanten neuen Innenstadtgrundschule am Standort "Alte Kelter" zu integrieren.
"Besorgniserregend" ist für Alfred Dagenbach (Pro), dass immer mehr Kinder nicht schwimmen können. Vor diesem Hintergrund begrüßt er jede Aktivität, die zur Besserung der Situation beiträgt. Er regte an, dass die Stadt einen Lkw-Aufleger mit Schwimmbecken erwirbt, um Schwimmunterricht von Schulhof zu Schulhof anbieten zu können.
Emotionale Diskussion um Schulschwimmhalle im Heilbronner Gemeinderat
"Man kann doch nicht 30.000 Liter Wasser durch die Gegend schaukeln", erregte sich Thomas Randecker (CDU) und sprach von Unkenntnis angesichts der Hygiene. Auch eine Schulschwimmhalle im Untergeschoss der geplanten Innenstadtgrundschule ist für ihn "wenig attraktiv". Dann erinnerte er an die Etatberatungen 2023: "Da hat niemand einen Antrag für neue Wasserflächen gestellt."
Die Reaktion von Alfred Dagenbach: "Kollege Randecker, Sie erwecken den Eindruck, keine Ahnung zu haben. Die CDU hat nichts dafür getan, dass es besser wird." Und Konrad Wanner (Linke) merkte an: "Kollege Randecker, Sie ärgern sich wohl, dass die CDU das Thema nicht aufgegriffen hat." Heilbronn sei mit Lehrschwimmbecken "sehr schlecht versorgt".
Nico Weinmann (FDP) will beim Projekt Schulschwimmhalle auch das Land mit ins Boot holen: "Wir dürfen das Land nicht aus der Verantwortung entlassen." Die Aussage von Ministerpräsident Kretschmann, er habe Schwimmen in der Donau gelernt, will er für Heilbronn nicht gelten lassen. Hinter die Anträge von Grünen, SPD und Pro stellte sich die AfD-Fraktion: "Eine Schulschwimmhalle ist überfällig", betonte Raphael Benner. Für Herbert Burkhardt (FWV) sind die Anträge von Grünen und SPD "vernünftig". Unterstützt wird das Schulschwimmhallen-Projekt auch von Marion Rathgeber-Roth (UfHN).
Geeinigt hat sich der Gemeinderat nach dieser Diskussion darauf, dass die Verwaltung in Abstimmung mit den Stadtwerken eine Potentialanalyse/Machbarkeitsstudie erstellt. Dazu Oberbürgermeister Harry Mergel: "Wir müssen den Dampf rauslassen, kalt duschen und schnell etwas tun."
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Kommentare
Jürgen Mosthaf am 25.05.2024 07:20 Uhr
Mangels finanzieller Möglichkeiten hatten wir schon als Grundschulkinder unsere Sommerferien im Freibad Neckarsulm oder am Duttenberger Wehr verbracht. Schwimmen lernen in jungen Jahren war so normal wie Fahrrad fahren und laufen lernen. Meine Kinder konnten alle mit spätestens 5 Jahren schwimmen. Alle Kinder wurden schon als Babys mit ins öffentliche Schwimmbecken genommen. Das war uns als Eltern sehr wichtIg, damit nicht jede Pfütze zur Todesfalle werden kann. Sicherlich wäre eine Schulschwimmhalle kein Luxus. Man gönnt sich ja in Heilbronn auch mehrere Theaterspielstätten für mehr als 10 Millionen Euro an Steuergeld im Jahr. Da muss der Gemeinderat eben auch mal Prioritäten setzen und Essenzielles von Nice to have trennen.
Jürgen Mosthaf
am 24.05.2024 09:28 Uhr
Da hat es sich ja gelohnt Aquatoll dicht zu machen. Auch wenn es sich hier um Heilbronn und nicht um Neckarsulm handelt, die Situation wird ähnlich sein.
Günther Knapp am 24.05.2024 08:55 Uhr
Es ist sehr gut für Schwimmunterricht zu sorgen und die Möglichkeiten dies durch Lehrschwimmbecken zu schaffen bei Kommunen auf den Plan zu setzen.
Es wäre noch besser, wenn hier auch die Eltern mehr Initiative ergreifen würden. Es gibt sicherlich auch Eltern, die selbst nicht schwimmen können und denen es nicht möglich ist hier ihren Kindern schwimmen beizubringen. Die hohe Zahl der Kinder die nicht schwimmen können, liegt sicherlich nicht an diesen Eltern die selbst nicht schwimmen können. Ich selbst war bis zum 24. Lebensjahr "Schlecht- oder Nichtschwimmer", lernte dies jedoch ab diesem Alter und brachte es sofort meinen Kindern, später ebenfalls den Enkeln bei. Die eigene Initiative war dabei der Antrieb! In Heilbronn kann man den fehlenden Einsatz der Eltern ihren Kleinen schwimmen beizubringen auch nicht allein der kleinen Haushaltskasse zuschreiben.
Trotzdem ist es sinnvoll Schwimmunterricht auch in die Schulpläne einzubinden!