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Schlechte Luftqualität in Heilbronn? Experte ordnet Messwerte ein

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Die Konzentration von Stickstoffdioxid wird an der Station in der Heilbronner Weinsberger Straße-Ost dauerhaft gemessen. Teils sind die Werte kurzzeitig erhöht. Warum das so ist, erklärt ein Umweltingenieur.


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Schadstoffe wie Stickstoffdioxid (NO2) verschlechtern die Luftqualität in vielen deutschen Innenstädten. Auch in Heilbronn war die Belastung mit Stickstoffdioxid vor allem durch das hohe Verkehrsaufkommen lange ein Problem. Doch seit einigen Jahren werden die gesetzlichen Grenzwerte überwiegend eingehalten. Worauf deuten aktuelle Messwerte in Heilbronn hin? Der Heilbronner Umweltingenieur Matthias Rau ordnet ein.

Immissionsschutzgesetz: Diese Grenzwerte für NO2 gelten

Die Luftqualitätsverordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz legt EU-weit Grenzwerte zum Schutz der Gesundheit fest. Einer davon ist der Kurzzeitwert. Er liegt bei 200 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft und darf im Jahr nicht öfter als 18 Mal überschritten werden. Der Grenzwert für das Jahresmittel liegt bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft – Werte, die noch mal verschärft werden dürften, wenn es nach Matthias Rau ginge.

Umweltingenieur erklärt: Grenzwerte in Heilbronn werden überwiegend eingehalten

Ein Blick in die Daten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) für Heilbronn zeigt: Die Messstation in der Weinsberger Straße-Ost erfasst dauerhaft die Stickstoffdioxidkonzentration. Sie lag beispielsweise am Montag, 9. März, zwischen 18 und 19 Uhr etwas erhöht bei 84 Mikrogramm pro Kubikmeter. „Höhere Messwerte an einzelnen Tagen sind nichts Ungewöhnliches und können sowohl auf erhöhtes Verkehrsaufkommen, aktive Baustellen, aber vor allem auch auf die Meteorologie zurückzuführen sein“, erklärt die Stadt Heilbronn auf Nachfrage.

Doch vor allem: Der Wert liegt deutlich unter dem gesetzlichen NO2-Kurzzeitgrenzwert von 200 Mikrogramm. Seit 2020/21 wurde er deutschlandweit nicht mehr überschritten, auch nicht an stark belasteten Verkehrsmessstationen wie in Stuttgart oder München. Noch vor einigen Jahren sah das anders aus: Bis 2018 wurden die Kurzzeitwerte von 200 Mikrogramm in Stuttgart regelmäßig gerissen, ebenso der Grenzwert für das Jahresmittel.

Bis 2019 lag er in Heilbronn bei 47 Mikrogramm. Seitdem wird er eingehalten, lag beispielsweise 2020 bei 32 Mikrogramm, 2021 bei 29 Mikrogramm, 2023 bei 29 und 2024 sowie im ersten Halbjahr 2025 bei 30 Mikrogramm.

Warum die Stickstoffdioxid-Werte in Heilbronn stabil bleiben

Doch warum bleiben die Werte stabil? Matthias Rau erklärt, dass Fahrzeuge etwa kontinuierlich durch gesetzlich festgeschriebene, bessere Abgasreinigungssysteme sauberer werden. Fahrzeugflotten werden erneuert, und der Anteil an Elektrofahrzeugen steigt. Hinzu kommen Maßnahmen wie Diesel-Fahrverbote sowie Veränderungen im täglichen Verkehrsablauf.

Die stationären Luftfilteranlagen, die zwischen 2020 und 2023 in der Weinsberger Straße aufgestellt worden waren, seien vor allem eine politische Entscheidung gewesen zur kurzfristigen Senkung der Immissionskonzentrationen an hochbelasteten Orten als Reaktionen auf Klagen der Deutschen Umwelthilfe, sagt Matthias Rau. 2023 wurden die Anlagen wieder abgebaut, nachdem der Jahresmittelwert zwei Jahre in Folge eingehalten worden war.

Heilbronn muss Entwicklung der Werte für Stickstoffdioxid im Auge behalten

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Luft gesundheitlich unbedenklich ist. Grundsätzlich gehe es darum, die Belastungsniveaus weiter zu senken. Denn ab 2030 sollen die EU-Grenzwerte deutlich verschärft werden. Bis 2040 soll der Jahresmittelwert nur noch bei 20 Mikrogramm liegen.

Die Entwicklung müsse weiterhin genau beobachtet werden, sagt Matthias Rau: „Da die Werte für Stickstoffdioxid in der Weinsberger Straße derzeit deutlich über dem ab 2030 geltenden Grenzwert liegen, wird Heilbronn im Rahmen der Luftqualitätsplanung die weitere Entwicklung genau im Auge behalten müssen.“




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