Wie es im Heilbronner Rathaus um Chancengleichheit steht
Die Stadt Heilbronn hat ihren vierten Bericht zur Chancengleichheit seit 2011 vorgelegt. Er zeigt Fortschritte bei Gleichstellung, flexibler Arbeit und Führungskultur.
Chancengleichheit wird in der Heilbronner Stadtverwaltung groß geschrieben, nicht nur im Ringen um neue Mitarbeiter, die Gleichstellung von Mann und Frau und Familienfreundlichkeit, sondern auch in Bezug auf Wertschätzung, Führungskultur, flexibles Arbeiten, Digitalisierung und Weiterentwicklung. So heißt es in einem Bericht, dem vierten seit 2011, der jetzt dem Gemeinderat vorgelegt wurde.
Insgesamt ist der Frauenanteil im Rathaus gegenüber 2011 leicht auf 66,9 Prozent gestiegen, das entspricht dem Bundesschnitt. In Sachen Bezahlung habe es seit 2011 in unteren und mittleren Einkommensgruppen „erhebliche Verbesserungen“ gegeben. Das Durchschnittsalter lag 2022 bei 44,22 Jahren heute bei 43,99. Die Männer sind mit 45,63 nach wie vor älter als die Frauen mit 43,18 Jahren.10,76 Prozent der Beschäftigten haben Führungsverantwortung, davon sind rein statistisch 51,6 Prozent Frauen, wobei hier 2024 eine zusätzliche Führungsebene im Bereich der Reinigung geschaffen wurde.Pro Jahr treten 80 bis 90 Azubis an, derzeit sind es in mehreren Jahrgängen zusammen 188 Personen, 134 Frauen und 54 Männer.
Chancengleichheit im Heilbronner Rathaus: Mobiles Arbeiten erlebt seit der Corona-Pandemie einen Aufschwung
Ein großer „Meilenstein“ bilde seit Corona mobiles Arbeiten. Hierzu seien inzwischen 1600 Notebooks sowie 179 Tablets im Einsatz. 400 Mitarbeiter seien zeitweise, maximal 50 Prozent im Home Office.Noch ein Baustein: Führungskräfte sind aufgerufen, für eine offene Wertekultur, für Toleranz und einen wertschätzenden Umgang in ihren Teams zu sorgen, dieses zu stärken und den talentierte Nachwuchs besonders zu fördern.

Hierzu gebe es Schulungen, seit 2024 auch eine entsprechende Broschüre, ein Tool zum Führungsfeedback. Nachwuchsführungskräfte würden besonders gefördert. Im Januar 2025 ist die sechste Gruppe in ein entsprechendes Programm gestartet, 63,24 Prozent sin hier Frauen.Bezüglich familien- und lebensphasenbewusster Personalpolitik sei das Rathaus 2024 über ein spezielles Audit der „Berufundfamilie Service GmbH“ zertifiziert worden.
Personalmarketing der Stadt Heilbronn hat auch nachhaltige Bindung der Beschäftigten im Fokus
Wichtig sei auch das offensive Personalmarketing, gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels. Dabei stehen Chancengleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben sowie die nachhaltige Bindung der Beschäftigten im Fokus. Die Bewerbungszahlen entwickelten sich wieder positiv. 2022 waren es noch 2200 Bewerbungen (54 Prozent weiblich), 2023 schon 3000 (66 Prozent weiblich) und 2024 sogar 5200 Bewerbungen (63 Prozent weiblich).
Dabei gehe es auch um transparente und faire Auswahlverfahren, die Vielfalt fördern und diskriminierungsfreie Bewerbungsprozesse sicherstellen sowie verschiedene Arbeitszeitmodelle anzubieten. Stark forciert wurde zuletzt das Marketing über Social Media. Um gezielt Frauen anzusprechen, nutze man jetzt die Plattform „Superheldin.io“.
Stadt Heilbronn setzt auf geschlechtergerechte Sprache bei Stellenausschreibungen
In Sachen geschlechtergerechte Sprache hat die Stadt nach intensiven Debatten bei Stellenausschreibungen den Gender-Stern abgeschafft, weil er die Auffindbarkeit auf Social Media und Google erschwere und die männliche Berufsform plus „(m/w/d) gesucht“ eine größere Reichweite erreiche. Im Textteil von Anzeigen würden „selbstverständlich“ auch die weibliche Form oder eine neutrale Formulierung verwendet. Man fördere die Einstellung des jeweils unterrepräsentierten Geschlechts, allerdings gehe es darum, überhaupt geeignete Bewerbungen zu erhalten.
Stadträte nahmen den Bericht überwiegend positiv zur Kenntnis. „Wir kommen Schritt für Schritt voran“, freute sich Verena Schmidt (CDU), vor allem im mobilen Arbeiten und in der Familienfreundlichkeit, konkretisierte Tanja Sagasser-Beil (SPD). Zahlen zum Migrantinnenanteil wünschte sich Katharina Mikov (AfD). Andrea Babic (Grüne) hinterfragte den Abschied von der Gender-Sprache. Alfred Dagenbach (Pro) sprach hier von „ideologisch gefärbtem Schwachsinn“. „Die Stadt ist ein super Ausbilder“, hob Sylvia Dörr (FDP) hervor.
Wie steht es mit Gendersonderzeichen im Heilbronner Rathaus?
In Bezug auf die Verwendung von Gendersonderzeichen gilt für die Verwaltungssprache, dass keine Gender-Sonderzeichen im Schriftverkehr zulässig sind. Im Heilbronner Rathaus wird deshalb explizit darauf hingewiesen, dass Gendersonderzeichen wie Binnen-i, Doppelpunkt, Sternchen, Unterstrich, Klammern nicht im Schriftverkehr verwendet werden dürfen. Es handele sich bei dieser Klarstellung explizit nicht um ein Genderverbot im Allgemeinen, sondern um die Einhaltung der Rechtschreibungsregeln und damit um einen Verzicht auf die Gendersonderzeichen, heißt es in der Ratsvorlage zur Chancengleichheit.
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