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Aggressive Quagga-Muschel im Heilbronner Neckar gesichtet – massive Ausbreitung

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Eine Heimatreporterin von Meine Stimme hat die Quagga-Dreikantmuschel in Heilbronn gesichtet. Die Muschelart sorgt am Bodensee bereits für Probleme. Muss man sie bekämpfen? 


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Heidrun Rosenberger schlägt Alarm: Nahe des Insel-Hotels in Heilbronn hat die Heimatreporterin von Meine Stimme eine invasive Muschelart gesichtet. In Massen besiedeln die Tiere ein umgekipptes Bootchen, das im Neckar treibt.

„Die Quagga-Muschel ist eine Süßwassermuschel aus dem Schwarzmeerraum und hat sich in europäischen Gewässern massiv ausgebreitet, sie kommt fast überall im Neckar vor“, schreibt Rosenberger. Außerdem würden die Muscheln dem Wasser extrem viele Nährstoffe entziehen, wodurch die Nahrungsgrundlage für Fische verloren geht – im Bodensee sorgen die Muscheln wegen ihrer massiven Ausbreitung bereits seit Jahren für Probleme.

Invasive Quagga-Dreikantmuschel breitet sich aus: auch im Neckar und in Heilbronn

Doch wie gefährlich ist die invasive Muschelart im Neckar? Nachfrage bei Finn Zenker, Fachbeauftragter für Fließgewässer beim Naturschutzbund (Nabu). Er bestätigt, dass auf den Bildern wahrscheinlich Zebramuscheln und Quagga-Dreikantmuscheln zu sehen sind.

Der zuverlässigste Test sei es, die Muschel aufzustellen: Fällt sie um, ist es eine Quagga-Muschel, bleibt sie stehen handelt es sich um eine Zebra-Muschel. „Vieles ist rund an der Quagga-Muschel.“

Auch dass die Quagga-Muschel für Probleme sorgt, bestätigt der Nabu-Experte. „Sie ist eine der aggressivsten Muschel-Arten, die wir haben.“ 2016 seien Quagga-Muscheln erstmals im Bodensee nachgewiesen worden, mittlerweile gebe es sie überall im Rhein sowie im Neckar rund um Stuttgart. „Es ist so, dass die Quagga-Muschel die Zebra-Muschel verdrängt.“

Quagga-Dreikantmuscheln sorgen am Bodensee bereits für Probleme, indem sie Rohre verstopfen und in Fischernetzen hängen bleiben. Die Muschelart wurde nun auch in Heilbronn im Neckar gesichtet.
Quagga-Dreikantmuscheln sorgen am Bodensee bereits für Probleme, indem sie Rohre verstopfen und in Fischernetzen hängen bleiben. Die Muschelart wurde nun auch in Heilbronn im Neckar gesichtet.  Foto: Heimatreporterin Heidrun Rosenberger

Weniger Nährstoffe im Wasser – Invasive Muschelart kann Fischbestand schaden

Denn im Gegensatz zur trägeren Zebra-Muschel breitet sich die Quagga-Dreikantmuschel rasend schnell aus: Ihre Larven sind freischwebend im Wasser gelöst. „Dadurch kann sie sich sehr schnell weiterverbreiten.“ 

Die Probleme, die damit einhergehen sind komplex: Die Quagga-Muscheln filtern Plankton – ihre Nahrung – aus dem Wasser. Dadurch bleibt laut Finn Zenker weniger für andere Lebewesen wie Fische übrig. „Es ist davon auszugehen, dass es eine Veränderung der Nahrungsgemeinschaft gibt.“ Welche Fischarten im Neckar genau betroffen sind, ist unklar. Im Bodensee sorgen die Muscheln schon jetzt für massive Probleme, weil sie den Felchen-Bestand und damit die Fischerei bedrohen. Außerdem verstopfen sie Wasserleitungen.

Das liegt vor allem an den Byssusfäden, weiß Finn Zenker: Mit diesen haften die Muscheln an allen möglichen Oberflächen. „Die können sich gut festhalten.“ Die einzige Lösung sei es, Kühlwassersysteme, Aquathermiesystem, Rohre und Ansaugstutzen regelmäßig zu reinigen. 

Die Muscheln zu essen, ist laut Nabu-Experte Finn Zenker keine Lösung. „Ich habe selber noch keine gegessen und ich würde sie auch nicht aus dem Neckarwasser essen“, sagt er und lacht. Zwar seien Quagga-Dreikantmuscheln theoretisch essbar, bestehen aber aus viel zu wenig Fleisch. Darüber gebe es in Baden-Württemberg keine historisch gewachsene Tradition, Muscheln zu essen. „Früher waren Muscheln Schweinefutter“, sagt Zenker.

Aktuell kann die Quagga-Dreikantmuschel nicht bekämpft werden

Denn es gebe aktuell keine Möglichkeit, die Muscheln zu bekämpfen, sagt Zenker: „Wenn sie einmal da ist, hat man das Problem.“ Entscheidend sei, die weitere Ausbreitung zu stoppen, indem bei einem Gewässerwechsel Ballastwasser von Schiffen abgelassen wird oder indem man Stand-Up-Paddles abwischt.

In der Schweiz gebe es bereits Stationen, an denen Boote aus dem Wasser gehoben und gereinigt werden. „In Baden-Württemberg habe ich bisher nicht den Eindruck, dass die Ausbreitung wesentlich verringert wird“, kritisiert Zenker. 




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