Prozess in Heilbronn: Grundlos Personen geschlagen und Polizisten bespuckt
Ein 29 Jahre alter Neckarsulmer soll mehrfach Personen aus heiterem Himmel geschlagen und Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet haben. Das Landgericht Heilbronn prüft seit Mittwoch, ob der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Als der Angeklagte zum Prozessauftakt am Mittwoch (4. Februar) den Großen Saal des Heilbronner Landgerichts betreten hat, waren seine Hände nach vorne an einem Gürtel fixiert. Um die Füße trug er Ketten. Ohne ersichtlichen Grund soll der 29 Jahre alte deutsche Staatsbürger zwischen Juli 2024 und Mai 2025 mehrere Personen angegriffen und geschlagen haben. Außerdem habe er erheblichen Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet. Staatsanwältin Lisa Kaiser Lichti wirft dem Angeklagten mehrfache Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor.
Seit dem 11. August 2025 befindet sich der Angeklagte im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) im Weinsberger Klinikum am Weissenhof. Ob er dort bis auf Weiteres bleiben wird, entscheidet die 13. Große Strafkammer des Heilbronner Landgerichts.
Angeklagter soll Stimmen gehört und eine grüne Frau gesehen haben
Zum Prozessauftakt am Mittwoch räumte der Neckarsulmer die Vorwürfe ein. Auch wenn er sich nicht mehr an alles genau erinnern könne. Er habe immer wieder Wodka und Bier getrunken. Dem psychiatrischen Sachverständigen Thomas Heinrich gegenüber hatte er im Vorfeld der Hauptverhandlung angegeben, er höre Stimmen und habe einmal eine grüne Frau gesehen, die geleuchtet habe wie ein Laserpointer.
„Plötzlich kriege ich aus heiterem Himmel eine gescheppert“, sagte ein Zeuge, den der Angeklagte am 10. Juli 2024 im Bereich einer Ampel am Ortsausgang Neckarsulm in Richtung Neuenstadt am Straßenrand offenbar mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat. Dabei wollte der Geschädigte dem Angeklagte helfen. „Er ist mit seinem Roller gestürzt und hat sich nicht mehr bewegt“, so der Zeuge. Er sei daraufhin aus seinem Auto ausgestiegen, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. Darauf soll der Angeklagte unvermittelt zugeschlagen haben und geflüchtet sein.
Mehrere Kopfstöße und Fußtritte gegen Polizeibeamte
Laut Staatsanwältin soll der Angeklagte später in der Wohnung in Neckarsulm seinem Vater mehrfach kräftig ins Gesicht und auf den Oberkörper geschlagen haben. Der Vater habe dadurch Gesichtsfrakturen sowie den Bruch zweiter Rippen erlitten. Gegenüber den daraufhin eintreffenden Polizeibeamten habe der Angeklagte erheblichen Widerstand geleistet. Unter anderem soll er dabei gezielte Kopfstöße und Fußtritte ausgeführt haben. Er soll den Polizisten außerdem ins Gesicht gespuckt und sie massiv beleidigt haben.
Die Eltern des Angeklagten machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Die Schwester sagte aus, sie habe gesehen, wie ihr Bruder mehrfach mit der Faust auf das Gesicht des Vaters eingeschlagen habe. Sie habe vergeblich versucht einzugreifen und schließlich die Polizei gerufen.
Dem Angeklagten liegt außerdem zur Last, am 28. November 2024 im Bereich der Allee in Heilbronn nach einer verbalen Auseinandersetzung einen Passanten zunächst in den Schwitzkasten genommen und danach gegen diesen einen Schlag mit einem Fahrradschloss gerichtet zu haben. Der Geschädigte konnte den Angriff offenbar abwehren und blieb unverletzt.
Angeklagter soll Schwester Wäschekorb an den Kopf geworfen haben
Laut dem Angeklagten habe der Mann ihn beleidigt, nachdem er aus dem Bus gestiegen sei. „Er hat Attrappe gesagt.“ Daraufhin habe der Passant ein Messer gezogen. Anschließend sei es der Unbekannte gewesen, der versucht habe, ihn mit dem Fahrradschoss zu schlagen.
Darüber hinaus sind weitere im November und Dezember 2024 begangene Beleidigungen gegenüber Polizeibeamten und einem Nachbar sowie eine Sachbeschädigung in der Wohnung in Neckarsulm angeklagt. Auch soll der Angeklagte am 19. Mai 2025 seine Schwester geschlagen und mit einem Wäschekorb ihren Kopf getroffen haben. „2023 hat er mir die Rippen gebrochen“, sagte die Schwester.
Ihr Bruder sei schon in den Jahren vor den Anklagepunkten gewalttätig gewesen. Seit 2017 oder 2018 höre er Stimmen und fühle sich beobachtet, so die Schwester. Er habe unter anderem behauptet, in den Brandmeldern der Wohnung seien Kameras versteckt. Im Fernsehen würden Personen über ihn reden und ihn beleidigen. Aus Zorn darüber habe er bereits vier Fernsehgeräte kaputtgeschlagen. Er nehme unregelmäßig Medikamente wegen Schizophrenie, sagte die Schwester.
Immer wieder entschuldigte sich der Angeklagte dafür, „was ich anderen angetan habe“. Auch bei den Richtern bat er um Entschuldigung für die Zeit, in der sie sich jetzt mit ihm beschäftigen müssten. Der Aufenthalt im Klinikum tue ihm gut. „Hier komme ich zur Ruhe“, sagte der Angeklagte. In Zukunft wolle er sich eine Arbeit suchen und eine Beziehung haben.
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