Versuchter Mord in Heilbronner Wohnung: Richter glaubt Zeugen kein einziges Wort
Im Prozess vor dem Landgericht wegen versuchten Mordes in Heilbronn wird offenbar gelogen, dass sich die Balken biegen. Bei der Aussage des Wohnungsmieters im Zeugenstand platzte dem Vorsitzenden der Schwurgerichtskammer der Kragen.
Merkwürdige Laute will ein Bewohner in einem Haus in der Südstraße am 17. September 2024 aus der Nachbarwohnung gehört haben. „Es war irgendetwas zwischen Schreien und Stöhnen“, sagte der 42 Jahre alte Tunesier. Ein anderer Nachbar berichtete im Zeugenstand, er habe einen Mann am Fenster gesehen. „Er war voller Blut.“
Prozess am Heilbronner Landgericht: Was dem Angeklagten vorgeworfen wird
Der schwer verletzte Mann am Fenster rief offenbar um Hilfe. Er soll mit einem blutdurchtränkten Shirt Zeichen gegeben haben, bevor er das Kleidungsstück und danach eine Tasse auf die Straße geworfen haben soll. Vor dem Haus hatten sich inzwischen eine Reihe von Nachbarn versammelt und den Rettungsdienst sowie die Polizei alarmiert.
Der 27 Jahre alte Tunesier soll Opfer des Angeklagten sein, der sich seit Mitte März vor dem Heilbronner Landgericht verantworten muss. Staatsanwalt Metin Kilic wirft ihm versuchten Mord und schwere Körperverletzung vor. Der Beschuldigte, ein 28 Jahre alter Tunesier, soll den Geschädigten in der Wohnung aus dem Schlaf gerissen, geschlagen und mit einem Messer schwer verletzt haben. Das sagte das mutmaßliche Opfer bereits am ersten Verhandlungstag aus.
Notärztin über Einsatz in Heilbronn: In der Wohnung war alles voller Blut
Ein zugeschwollenes Auge, ein Nasenbeinbruch, mehrere Schnittverletzungen an beiden Unterarmen sowie eine rund sechs Zentimeter tiefe Stichwunde am rechten Oberschenkel trug der Geschädigte davon. „In der ganzen Wohnung war alles voller Blut“, sagte die Notärztin, die den Tunesier noch in der Wohnung versorgte. Die Körpertemperatur sei inzwischen unter 36 Grad gesunken, der Blutdruck sei auf 80 gefallen, die Herzfrequenz habe bei 120 gelegen. Wäre er später versorgt worden, wäre er wohl gestorben, so die Medizinerin.

Das Motiv für die mutmaßliche Bluttat soll Eifersucht gewesen sein. Nach einer durchzechten Nacht habe der Angeklagte vom Geschädigten wissen wollen, ob ein gemeinsamer Freund ein Verhältnis mit seiner Frau habe, die derzeit in Tunesien lebt. Dabei habe er ihn mit dem Messer schwer verletzt. „Er wollte mich umbringen“, dabei habe er von nichts gewusst, so der Geschädigte.
Beide seien zu diesem Zeitpunkt alleine in der Wohnung gewesen. Der gemeinsame Freund soll vorher gegangen sein. Der angeblich verdächtigte Liebhaber bestätigte am ersten Prozesstag, dass er die Wohnung bereits vor der Tat verlassen habe. Keiner der drei ist offizieller Mieter der Wohnung. Der Geschädigte und der Angeklagte wohnten hier dennoch seit einigen Tagen gemeinsam unter einem Dach.
Prozess in Heilbronn: Richter zweifelt Zeugenaussage des Wohnungsmieters an
Das wiederum bestritt am Dienstag der tatsächliche Wohnungsmieter. Er wohne und schlafe hier jeden Tag und jede Nacht alleine. Nicht nur diese Darstellung des Mieters wich von allen anderen bisherigen Zeugenaussagen ab. Unter anderem behauptete der 25-jährige Tunesier darüber hinaus, zur Tatzeit in der Küche gewesen zu sein, um Makkaroni zu kochen. Er habe Opfer und Angeklagten streiten hören. Danach habe der Beschuldigte zugestochen und sei geflüchtet. Auch er selbst habe es mit der Angst zu tun bekommen und sei geflüchtet.
Daraufhin gab Richter Martin Liebisch dem Zeugen mehrfach die Chance, seine Aussagen zu überdenken. Sie widerspreche allem, was bisher gesagt worden sei. Der Mieter blieb bei seiner Variante selbst nachdem Liebisch der Kragen geplatzt war. „Ich will hier nicht dumm-dreist angelogen werden“, sagte der Richter erzürnt.
Prozessauftakt in Heilbronn: Angeklagter bestreitet, die Bluttat begangen zu haben
Der Angeklagte bestritt bereits zum Prozessauftakt, die Tat verübt zu haben. Als er aus der Wohnung gegangen sei, um Heilbronn endgültig zu verlassen, sei der Geschädigte unverletzt gewesen. Der gemeinsame Freund und der Verletzte wollten ihm jetzt etwas anhängen. Er führe die Bluttat darauf zurück, dass die beiden in Drogenhandel verstrickt seien und ihm die Schuld in die Schuhe schieben wöllten.
Dass alle drei mit Drogen gehandelt hätten, sagte am Dienstag ein weiterer Zeuge. Er selbst habe auch dazu gehört und sitze jetzt deshalb in Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall in Untersuchungshaft. Der Mieter habe nicht in der Wohnung gelebt, sondern sie „schwarz weitervermietet“. Und zwar an den gemeinsamen Freund des Geschädigten und des Angeklagten, die hier beide eine Zeit lang lebten. „Wer hier wohnte, musste für ihn Drogen verkaufen“, so der Zeuge, der ebenfalls eine Weile in der Wohnung lebte.
Von einem Streit zwischen dem Angeklagten und dem gemeinsamen Freund wisse er. Dabei sei es immer um Geld gegangen. Zu dem Verhältnis zwischen dem Angeklagten und dem Geschädigten könne er nichts sagen, so der 30 Jahre alte Tunesier.
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