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Prozess um schwere Misshandlung in Künzelsau: Eltern des Angeklagten sagen aus

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Im Heilbronner Prozess um den versuchten Mord und die Entführung seiner Exfreundin in Künzelsau haben am Freitag weitere Zeugen ausgesagt. Darunter auch die Eltern des Angeklagten.


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„Nach der Schule hat er den rechten Weg verloren“, sagte der Vater des Angeklagten am Freitagnachmittag vor der Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts. Sein Sohn saß eine Stuhlreihe hinter ihm auf der Anklagebank im Großen Sitzungssaal. Staatsanwalt Sven Güttner wirft ihm unter anderem versuchten Mord und Freiheitsberaubung vor. Der Angeklagte soll seine Exfreundin unter anderem am 15. Juni 2025 aus einem Frauenhaus entführt und in Künzelsau eineinhalb Tage lang schwer misshandelt haben.

Bevor der Angeklagte bei seiner damaligen Freundin und späteren Geschädigten in ihre Neckarsulmer Wohnung eingezogen ist, war er ohne festen Wohnsitz. Bis etwa 2018 hatte er bei seinen Eltern in Pforzheim gewohnt. Danach sei er nur noch „gekommen und gegangen“, sagte der Vater. Offenbar war der Angeklagte auch mehrfach in Haft.

Prozess in Heilbronn: Rangeleien zwischen dem Angeklagten und seinem Vater

Streitereien habe es immer wieder gegeben, so der Vater im Zeugenstand. Auch Rangeleien mit seinem Sohn seien vorgekommen. Einmal habe der Angeklagte ein Messer im Treppenhaus auf den Boden geworfen und an die Wohnungstüre gehämmert. Immer wenn er Alkohol getrunken habe, sei er aggressiv gewesen. Auch andere Drogen habe er genommen, darunter Marihuana und irgendwelche Kräuter. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine Exfreundin aus einem Frauenhaus entführt und brutal verprügelt zu haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine Exfreundin aus einem Frauenhaus entführt und brutal verprügelt zu haben.  Foto: Berger, Mario

„Wenn er Alkohol getrunken hat, hat er Straftaten begangen“, sagte die Mutter des Angeklagten. „Wenn er getrunken hat, wird er ausfällig und laut“, so die Zeugin. Dann könne man nicht mit ihm reden. Ansonsten sei er ein lieber Sohn. „Ich kenne ihn ja“, sagte die Mutter.

Trotzdem haben die Eltern nach einer Auseinandersetzung einmal sogar die Polizei gerufen und den Sohn angezeigt. Unter einem Dach zu leben, schien nicht mehr möglich. Wenn er etwas brauchte, haben die Eltern es offenbar draußen vor die Türe gelegt, wo es ihr Sohn dann abholen konnte. Etwas zu essen oder frisch gewaschene Wäsche. „Er konnte auch mal zwei oder drei Wochen kommen, aber länger bleiben durfte er nicht“, sagte die Mutter.

Geschädigte hatte im Gesicht und am ganzen Körper Hämatome und Schürfwunden

Zuvor hatte ein Zeuge ausgesagt, der am Morgen des 17. Juni 2025 geflüchteten Geschädigten die Türe geöffnet hatte. Sie habe an der Haustüre geklingelt. „Sie war total verstört und regelrecht entstellt“, sagte der 61-Jährige. „Sie konnte nicht mehr aus den Augen schauen. Sie waren zu Schlitzen zugeschwollen.“ Überall habe sie blaue und rote Flecken gehabt. Die Bilder aus dem Krankenhaus sind nichts für schwache Nerven. Das Gesicht des Opfers war nach der eineinhalb Tage dauernden Misshandlung nicht mehr zu erkennen. Der Körper der Geschädigten war voller Hämatome und Schürfwunden.

In das Frauenhaus war die 39 Jahre alte Neckarsulmerin geflüchtet, weil der Deutsch-Algerier sie im Laufe der Beziehung mehrfach geschlagen und misshandelt habe soll. Zuletzt am 8. Mai in der Neckarsulmer Wohnung des Opfers. Dabei soll er sie unter anderem mit einem Staubsaugerrohr verprügelt und ihr eine brennende Zigarette am Hals ausgedrückt haben. Ihre Mutter und ihr Onkel hatten sie darauf nach einem Notruf ihrer Tochter aus dem Haus geholt und die Polizei verständigt. Der Angeklagte soll daraufhin geflohen sein.

Geschädigte traf sich vor der mutmaßlichen Tat mit Angeklagtem im Hotel

Seine Exfreundin kam zunächst ins Krankenhaus und dann im Frauenhaus unter. Eine dort beschäftigte Sozialpädagogin beschrieb die Geschädigte als psychisch sehr instabil. „Sie hat in den ersten Tagen immer wieder gezittert.“ Sie habe den Kontakt zu ihm abbrechen wollen. Dennoch hat sie sich offenbar mit ihm während ihres Aufenthalts im Frauenhaus getroffen. Am Tag vor der Entführung checkten die beiden in einem Hotel ein, das sie aber vor ihm wieder verlassen hat. Das belegten die Überwachungskameras des Hotels.




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