Neben Schockanrufen und dem sogenannten Enkeltrick gehört der sogenannte Polizeitrick zu den bekanntesten Maschen betrügerischer Banden. Dabei geben sie sich als Polizeibeamte oder Staatsanwälte aus und geben vor, dass ihre Opfer im Fokus von Einbrecherbanden seien. Um dabei zu helfen, den Einbrechern das Handwerk zu legen, sollten die Geschädigten Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände aushändigen. Opfer sind in der Regel Senioren.
Heilbronner Prozess gegen Polizeitrickbetrüger – Anrufer kam gleich zur Sache
Im Prozess gegen vier mutmaßliche Polizeitrickbetrüger haben am Freitag weitere Opfer ausgesagt. „Ich war zu naiv, um das zu erkennen“, sagte eine 88 Jahre alte Frau aus Ludwigsburg im Heilbronner Landgericht.
Insgesamt 6800 Euro in bar hat der Heilbronner Rechtsanwalt Talip Öz am Freitag im Prozess vor der 9. Großen Strafkammer des Landgericht auf den Zeugentisch gelegt. Um diesen Betrag hatte eine Bande von Polizeitrickbetrügern zwei Zeuginnen betrogen.
Die Familie seines Mandanten D. habe zusammengelegt, um den Schaden zumindest teilweise wieder gutzumachen, so Öz.
Angeklagte im Landgericht Heilbronn: 6800 Euro Wiedergutmachung im Prozess um Trickbetrug
Zusammen mit drei weiteren Angeklagten wird der Mandant von Öz unter anderem des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs beschuldigt. In wechselnder Besetzung sollen sich die vier Angeklagten zwischen dem 23. Juli 2024 und dem 5. November 2024 in fünf Fällen als Polizisten ausgegeben und unter falschem Vorwand Geld und Schmuck bei ihren Opfern abgeholt haben.
Darüber hinaus soll D. mit dem Mitangeklagten E. in Waffengeschäfte verwickelt gewesen sein.

Anrufer wusste offenbar, dass Seniorin 4000 Euro daheim hatte
„Der Anrufer kam gleich auf den Punkt“, sagte eine 79 Jahre alte Geschädigte aus Heidelberg im Zeugenstand. Er habe sich am 29. August 2024 als Polizist vom Raubdezernat ausgegeben und offenbar gewusst, dass die Seniorin 4000 Euro Bargeld zuhause hatte. Ohne weitere Erklärung habe er sie angewiesen, das Geld und ihren Schmuck in einen Koffer zu packen und einem Kollegen zu übergeben, der das Geld in einer halben Stunde abholen würde.
Ohne weitere Fragen zu stellen, habe sie das Geld und den Schmuck zusammengepackt und zwei Männern am Treppenabsatz eines Mehrfamilienhauses übergeben, die zwar kein Wort gesprochen, dafür aber „sehr adrett gekleidet waren“. Statt der 4000 Euro habe sie sogar 4500 Euro übergeben.
Dass sie das Geld so leichtfertig ausgehändigt habe, erklärte die 79-Jährige damit, dass sie gerade dabei war, eine umfassende Strafanzeige geben die Sparkasse Heidelberg aufzusetzen. „Ich war mit dem Kopf ganz woanders.“ Öz übergab ihr im Gerichtssaal 4500 Euro in bar und richtete die Entschuldigung seines Mandanten aus, der keine Deutsch spreche.
Betrogene Seniorin: Ich war zu naiv, um das zu erkennen
Weitere 2300 Euro übergab der Anwalt einem weiteren Betrugsopfer. Die 88 Jahre alte Frau aus Ludwigsburg war der Bande ebenfalls auf den Leim gegangen. „Ich war zu naiv, um das zu erkennen“, sagte die Geschädigte im Zeugenstand.
Weil eine Bande in ihrem Wohnviertel umgehe, solle sie ihr Bargeld in einem Eimer am Gartenzaun ihres Hauses deponieren. Dort würden Polizeibeamte das Geld abholen und in einem Fahrzeug markieren. Später würden die Polizisten die Scheine dort wieder zurücklegen, habe der Anrufer gesagt, der sich als Beamter ausgegeben hatte und „sehr freundlich“ gewesen sein soll.
Weil der Anrufer der Seniorin sagte, das Geld werde in einem Fahrzeug, das wie eine Werkstatt ausgestattet sei, markiert, habe die Geschädigte gleich noch eine Goldkette dazugelegt. „Ich dachte, sie könnten sie ja gleich reinigen“, sagte die Zeugin.
Angeklagte entschuldigen sich bei ihrem Opfer
Im Nachhinein könne sie ihre Naivität nicht verstehen, so die Seniorin. Den Enkeltrick kenne sie ja schon. Den habe bei ihr vorher schon mal jemand versucht. Diesen Betrug habe sie damals aber durchschaut. Für den angeklagten Betrug entschuldigte sich nicht nur der Angeklagte D. bei der 88-Jährigen, sondern auch der Angeklagte G.
Den Angeklagten D. und E. wirft die Staatsanwältin Jacqueline Hermann außerdem vor, illegal Waffen nach Deutschland eingeschleust und verkauft zu haben. An einem vorangegangenen Prozesstag sagte E., er sei unter Druck gesetzt worden. Dass es sich um echte Schusswaffen gehandelt haben soll, sei ihm nicht gekannt.
Auf Video: Mann hantiert mit Waffen und beschwert sich über Qualität
Diesen Eindruck hat ein 57 Jahre alter Heilbronner Polizeihauptkommissar gar nicht. In einem Video auf dem Handy von E. sehe man einen Mann, der mit halbautomatischen Pistolen hantiere und sich über die Qualität der Waffen beschwere. Aus dem Chatverlauf auf dem Handy ergäben sich auch keinerlei Hinweise, dass E. unter Druck gestanden habe oder gar erpresst worden sei.
Tatorte der mutmaßlichen Betrügerbande waren laut Staatsanwältin Möckmühl, Heidelberg, Ludwigsburg, Horb und Ansbach. Die Geschädigten waren zum damaligen Zeitpunkt zwischen76 und 85 Jahre alt. Das Handwerk legte ihnen offenbar ein aufmerksamer Nachbar eines 85 Jahre alten Mannes aus Ansbach, der verdächtige Beobachtungen gemacht und die Polizei verständigt hatte. Drei der vier Angeklagten wurde damals vor Ort verhaftet.
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Christian Kühnle am 09.01.2026 16:07 Uhr
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Christian Kühnle