Gewalt gegen Einsatzkräfte: Polizei Heilbronn erhält Uniform mit Messer-Schutz
Beleidigt, geschlagen, getreten, attackiert – vor allem Polizisten, aber auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte sehen sich immer wieder Messer-Angriffen ausgesetzt.
Auch wenn einzelne Zahlen leicht rückläufig sind: Die Gewalt gegen Einsatzkräfte der Polizei bleibt in Baden-Württemberg weiter auf einem hohen Niveau. 14.586 Mal wurden Polizisten im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt, wie das Innenministerium mitteilt. Das sind im Durchschnitt 40 Angriffe pro Tag – und damit ein neuer Höchststand. Die Zahl der dabei verletzten Polizisten ging um 8,9 Prozent auf 2.535 Beamte zurück. 16 Mal kam es dabei zu schweren Verletzungen.
Die Zahl der registrierten Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte ging im Vergleich zum Rekordjahr 2024 um ein Prozent zurück. 6.299 Vorkommnisse seien laut Innenministerium aktenkundig. Innenminister Thomas Strobl (CDU) spricht von einem „gesamtgesellschaftlichen Problem“, das „längst keine Randerscheinung mehr“ mehr sei. Der Ton werde rauer. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Fälle sogar um 43,4 Prozent gestiegen. Die Bandbreite reicht von Beleidigungen und Bedrohungen über Widerstand und tätliche Angriffe bis hin zu Tötungsdelikten.
47 Messerangriffe auf Polizisten in Baden-Württemberg im Jahr 2025
Der Polizist, der morgens seine Uniform anziehe und in den Einsatz gehe, wisse nie, was ihn erwarte, sagt Strobl. „Es kann ein völlig alltäglicher Einsatz von der einen Sekunde auf die andere in einen sehr gefährlichen, ja in einen lebensgefährlichen Einsatz umschlagen.“
Bundesweite Aufmerksamkeit erreichte ein tödlicher Messerangriff auf den Polizisten Rouven Laur am 31. Mai 2024 in Mannheim. Der Täter erhielt nach dem Messermord eine lebenslange Haftstrafe. Kürzlich kam in Rheinland-Pfalz ein 36-jähriger Zugbegleiter nach dem Angriff eines Schwarzfahrers ums Leben. Der tödliche Angriff im Zug rückte die Debatte um die Sicherheit von Fahrkartenkontrolleuren in den Fokus.

Was die Messerangriffe auf Polizisten in Baden-Württemberg angeht, ging die Zahl im vergangenen Jahr um acht Fälle auf insgesamt 47 erfasste Attacken zurück. Laut Strobl seien das aber immer noch alarmierende Zahlen und „genau 47 zu viel“. Neun Beamte wurden dabei leicht, zwei schwer verletzt. Im vergangenen Jahr wurde in Baden-Württemberg kein Polizist bei einem Angriff getötet.
Baden-Württemberg: Neue Uniformen sollen Polizei vor Messerangriffen schützen
Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn, zu dem neben dem Stadt- und Landkreis Heilbronn auch der Hohenlohekreis sowie der Main-Tauber- und der Neckar-Odenwald-Kreis gehören, kam es im Jahr 2023 zu drei erfassten Messerangriff-Fällen auf Polizisten. „Im Jahr 2024 waren es ebenfalls drei Fälle. Für das vergangene Jahr bewegen wir uns in einem ähnlichen Bereich – mit leicht steigender Tendenz“, berichtet Frank Belz, Sprecher der Polizei Heilbronn.
Um die Sicherheit der Einsatzkräfte bei Messerangriffen zu erhöhen, werden die Polizeiuniformen zukünftig mit sogenannten schnitthemmenden Elementen ausgestattet. Innenminister Strobl: „Wir wollen so alles dafür tun, unsere Polizistinnen und Polizisten bestmöglich auch vor brutalsten Angriffen zu schützen.“ Die neuen Kleidungsstücke wurden am Montag, 16. Februar, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die sogenannte „Blaue Unform 2.0“ soll empfindliche Körperbereiche schützen. Die Details sind aus Sicherheitsgründen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die neue Einsatzkleidung soll teils im März, teils im Herbst ausgeliefert werden. Auch Elektroschocker, sogenannte Taser, sind ein Thema, um die Sicherheit von Streifenpolizisten in Baden-Württemberg zu erhöhen.
Außer Polizisten werden auch Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Feuerwehr Opfer von gewalttätigen Übergriffen. Hierbei wurden im vergangenen Jahr 216 Fälle registriert – und damit sechs weniger als 2024. Dabei kam es zu 91 verletzten Helfern. Seit 2016 sei auch hier laut Innenministerium ein nahezu kontinuierlicher Anstieg zu beobachten. Die höchsten Fallzahlen gab es im Jahr 2023.
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