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Hass und fehlende Werte: Gewalt gegen Polizei bleibt in Heilbronn weiter Thema

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Polizisten werden – oft aus Nichtigkeiten heraus – im Dienstalltag geschlagen, getreten, bespuckt und beleidigt. Ein Hochschuldozent macht vor allem junge Männer als Täter aus. Für sie sei es „cool“, Polizisten anzugreifen.


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Im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn sind vergangenes Jahr weniger Polizisten attackiert worden als im Jahr davor. Eine Entwicklung entgegen dem allgemeinen Trend. Bundesweit und in Baden-Württemberg klettert die Zahl der Angriffe um fünf und um sieben Prozent nach oben.

Gewalt gegenüber Polizisten: Zahl der Fälle im Heilbronner Präsidium weiter hoch

„Es ist ein großes Problem“, sagt Polizeidirektor Jürgen Renz von der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen. Wenngleich im Heilbronner Präsidium 2024 die Gewalt gegenüber den Beamten abgenommen hat, handelt es sich bei der Anzahl um den zweithöchsten Wert in den vergangenen zehn Jahren.

Polizisten werden in Einsätzen geschlagen, getreten, bespuckt und beleidigt. Es sind Angriffe gegen den Staat, sie beginnen mit Beleidigungen, sagt Frank Belz, Pressesprecher des Heilbronner Präsidiums. Das Strafgesetzbuch regelt den Umgang mit den Taten. „Die Kollegen sind sensibilisiert“, sagt Belz. Sie erstatten Anzeige. 50 Prozent der Tatverdächtigen im Präsidium Heilbronn sind alkoholisiert. Etwa die Hälfte der Aggressoren besitzt einen ausländischen Pass.

Am Marktplatz in Heilbronn zeigt die Polizei starke Präsenz gegen Dealer.
Am Marktplatz in Heilbronn zeigt die Polizei starke Präsenz gegen Dealer.  Foto: Archiv / Zimmermann

Hochschuldozent Renz: Gewalt gegen Polizisten ist ein großes Problem

„Alkohol ist der Aggressionsbeschleuniger“, erklärt Renz. Er lehrt an der Hochschule Einsatz- und Führungswissenschaften. Wenn Beamte jemanden durchsuchen, etwas beschlagnahmen oder wenn sie einen betrunkenen Autofahrer zur Blutentnahme mitnehmen, komme es zu typischen Widerstandshandlungen. Renz beobachtet nicht nur einen gesamtgesellschaftlichen Werteverlust. Ihm zufolge gibt es einen politisch motivierten Hass. Er erlebe Demos wie neulich in der Landeshauptstadt, bei denen Teilnehmer skandierten: „Ganz Stuttgart hasst die Polizei.“

Das Bild des Polizisten als „dein Freund und Helfer“ existiere vielleicht noch in den Köpfen der älteren Generation, meint Renz. Insbesondere bei jungen Männern stellt er dagegen eine andere Haltung fest. Diese bewerten Polizisten als Schwächlinge, „dann heißt es: du Opfer“. Für diese Klientel sei es absolut cool, einen Beamten zu provozieren oder tätlich anzugreifen. Gewalt gegen Polizisten habe es schon immer gegeben, sagt der Hochschuldozent. Die sei früher milieuspezifisch, also auf bestimmt Gruppierungen in größeren Städten beschränkt gewesen. Heute trete dieses Phänomen überall auf.

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Attacken hinterlassen bei Polizisten Spuren

Die Gefahr, im Dienst angegriffen und verletzt zu werden, hinterlässt bei manchen Beamten Spuren. Das stellt Renz in Diskussionen mit Polizisten fest. Ein entscheidender Faktor sei die Personalstärke in einem Einsatz. Bei einer angekündigten Demonstration beispielsweise würde die Polizei starke Kräfte einsetzen. „Da sind wir taktisch klug aufgestellt.“ Mögliche Gefahren würden als Teil des Jobs gesehen. Problematisch werde es, wenn Polizisten das Gefühl haben, sie seien unterlegen, sagt Renz. Beispiel: Eine Streife aus zwei Polizisten stößt auf eine größere aggressive Gruppe. Es könne passieren, dass die Streife sich für einen Rückzug entscheide und gegebenenfalls keine Kontrolle vornehme und keinen Platzverweis ausspreche.

Oberster Dienstherr der Polizisten im Land ist das Innenministerium. Der Staat zahlt verletzten Polizisten Schmerzensgeld, wenn der Täter kein Geld hat oder der Geschädigte seine Ansprüche gegen den Täter nicht durchsetzen kann. Seit Inkrafttreten des Gesetzes im Dezember 2018 registriert das Ministerium 814 Schmerzensgeld-Fälle (Stand 31. März 2025). Einem Sprecher zufolge wird die Höhe der jeweiligen Zahlungen nicht erfasst.




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