Original Berliner Döner im Wollhaus gibt kostenlos Essen an Bedürftige aus
Ein Schild nahe der Theke weist darauf hin, dass Menschen mit wenig Geld einen Döner geschenkt bekommen. Die jungen Chefs des Lokals Original Berliner Döner in Heilbronn erzählen, warum ihnen das wichtig ist.
Viele Tische sind besetzt vor dem Original Berliner Döner im Heilbronner Wollhaus, das Publikum ist jung und cool. Hinter der Theke herrscht gute Stimmung. Im Regal unweit der Theke lehnt gut sichtbar ein Schild an der Wand: „Wenn Sie Obdachlose kennen oder Menschen in Notsituationen, welche sich finanziell das Essen nicht leisten können, dann schicken Sie sie bitte zu uns.“
Igor Forisch (24) und Merouane Mebarkaoui (30), frisch gebackene Geschäftsführer des Franchise-Lokals, meinen das ganz ernst. Es ist ihnen recht, dass sich ihre Bereitschaft, Essen an arme Menschen auszugeben, herumspricht. „Heute waren zehn Bedürftige da, die wir versorgt haben“, sagt Forisch. „Teils saßen sie im Rollstuhl. Sie haben sich riesig gefreut.“
Kostenloser Döner für Arme in Heilbronn: Ab und zu gibt’s auch mal Freudentränen
Emotionale Momente haben sie beide durch ihren Altruismus schon miterlebt. Freudentränen. Ungläubigkeit. Aber auch: Scham. „Ein Gast, der kein Geld hatte, ist heute davongerannt, als ich ihn gefragt habe, wie er seinen Döner haben möchte“, sagt Mebarkaoui. Neulich waren zwei Jungs da, die nur ein Essen bestellten. Dass sie nicht mehr zahlen konnten, hat der Chef erkannt und eine Portion mehr spendiert.

Erst seit anderthalb Monaten betreibt er mit seinem Kollegen sein Lokal. Ob es ein Erfolg wird, ist noch lange nicht klar. Die verschenkten Döner schmälern den Gewinn. Anderen zu helfen, ist ihm trotzdem ein Bedürfnis. „Das steckt halt in uns drin“, sagt der Mann, der vier Geschwister hat, und dessen Eltern aus Algerien kommen.
Mebarkaoui: „Ich habe immer gejobbt, auch bei Leiharbeitsfirmen.“
In Schwäbisch Hall aufgewachsen, war für ihn vieles, was in anderen Familien üblich war, nicht drin. Taschengeld, etwa. „Wir mussten früh selbstständig werden. Ich habe immer gejobbt, auch bei Leiharbeitsfirmen.“ Bei seinem Freund Igor, den er beim Kampfsport kennengelernt hat: „gleiche Situation“, sagt Mebarkaoui und grinst. Außer, dass Forischs Familie aus Serbien stammt.
Zusammen haben sie einen Roadtrip durch Deutschland unternommen auf der Suche nach dem besten Döner. Fündig wurde Mebarkaoui in Nürnberg. Dort ist der Stammsitz von Hivar Saeeid, Gründer von Original Berliner Döner mit sieben Standorten. Unter anderem Erlangen, Würzburg, Bamberg und jetzt auch Heilbronn gehören dazu. Weitere, etwa in Bayreuth, sollen folgen. In all seinen Franchise-Lokalen können Bedürftige kostenlos essen, sagt Saeeid.
Hilfsaktion in Heilbronn: Wer Hunger hat, aber kein Geld, muss nichts erklären
Warum? „Es gab Monate, da gings mir schlecht in Deutschland“, erzählt er am Telefon. „Einmal bin ich in einen Dönerladen, um mir eine Kleinigkeit zu holen, aber der Chef hat gemerkt, dass ich Hunger habe, und hat mir einen Döner geschenkt. Das gab den Ausschlag.“ Nun verpflegt er allein in Nürnberg bis zu 40 Bedürftige am Tag. Nein, das Angebot werde nicht ausgenutzt, sagt er.
„Wer Hunger hat, aber kein Geld, muss nichts erklären, sondern kann einfach Bescheid sagen. Er muss jetzt auch nicht obdachlos sein oder so“, sagt Mebarkaoui. Mit seinem Freund plant er noch eine größere Verpflegungsaktion für Wohnungslose. Das machen sie dann nach Feierabend, nach 22 Uhr.
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