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Es ist höchste Zeit, dass NS-Straßen in Heilbronn umbenannt werden 

  
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Ein Antisemit neben einem jüdischen Friedhof? Ein Hitler-Fan auf dem Weg zur Schule? Das ist unerträglich. Gut, dass Heilbronn Straßen mit Nazi-Namen umbenennt, betont unser Autor.


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80 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur macht sich Heilbronn auf, Straßenschilder, die Namen von einstigen Nazis tragen, zu hinterfragen, mit Zusatz-Schildern zu versehen, umzubenennen. Mancher mag sich fragen: Muss das sein, kann man die Vergangenheit nicht ruhen lassen – und den Anwohnern Kosten und Umstände wegen neuer Adressen ersparen? Nein. Im Gegenteil. Es ist höchste Zeit. Der Name eines Antisemiten neben dem jüdischen Friedhof? Ein Hitler-Fan auf dem Schulweg? Geht’s noch?

Heilbronner Studie zu NS- und Nachkriegskarrieren differenziert

Freilich, auch dies muss gesagt werden: Nicht jedes NSDAP-Mitglied war ein Verbrecher, nicht jeder hat etwas vertuscht, etliche wurden längst bestraft. Viele haben zum Wiederaufbau beigetragen. Eben dies hat eine Studie zu hiesigen NS- und Nachkriegs-Karrieren deutlich differenziert. Dass das Rathaus mit den Konsequenzen so lange brauchte und zusätzlich eine Experten-Kommission zu Rate zog, zeigt, wie schwer wir uns alle mit diesem Kapitel deutscher Geschichte tun.

Eine Hindenburgstraße gibt es in Heilbronn nicht (mehr); bis 1945 gab sie es im späteren Stadtteil Frankenbach. Aber andere Straßen, die Namen von NS-Protagonisten tragen, stehen vor der Umbenennung. Foto: dpa
Eine Hindenburgstraße gibt es in Heilbronn nicht (mehr); bis 1945 gab sie es im späteren Stadtteil Frankenbach. Aber andere Straßen, die Namen von NS-Protagonisten tragen, stehen vor der Umbenennung. Foto: dpa  Foto: Uwe Anspach

Darüber hinaus zeigt sich einmal mehr: Niemand ist perfekt, auch Ehrenmänner und -frauen nicht. Hüten wir uns vor zu vielen Lorbeeren, aber auch vor schnellen Urteilen. Die Eliten waren damals nicht allein. Die breite Bevölkerung hat Hitler bejubelt – und wollte bald nichts mehr davon wissen, vorbei, verschwiegen, vergessen. Wohin das führen kann, zeigt sich heute zunehmend auf Straßen, an Stammtischen und in sozialen Netzwerken, ja, sogar in Parlamenten.

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