Brütende Schwäne verhindern Hochzeitsböllerei im Heilbronner Neckarbogen
Die Böllergruppe Lauffen wollte eine Hochzeit im Heilbronner Neckarbogen mit lautem Knalleffekt untermalen. Nach der Beschwerde einer Anwohnerin wird das Schießen abgeblasen.
Die Vorbereitungen waren weitgehend abgeschlossen, Anwohner im Neckarbogen und die Stadt Heilbronn informiert. Selbst die Kindertagesstätte und das Begegnungszentrum der Evangelischen Stiftung Lichtenstern hatte Gerd Kiefer im neuen Stadtteil besucht, um persönlich zu erklären, was am Freitagabend an der Alten Reederei geplant war.
Doch seit Mittwoch steht fest, dass das Böllerschießen zur Feier einer Hochzeit nicht stattfinden wird. „Uns war im Vorfeld nicht bewusst, dass derzeit auf dem weitläufigen Gelände viele Vögel brüten. Deshalb haben wir in Absprache mit der Stadt auf das Ereignis verzichtet“, erläutert Kiefer, der Leiter der Böllergruppe im Schützenverein Lauffen ist.
Böllerschießen zu Hochzeit im Heilbronner Neckarbogen fällt aus: Furcht vor Folgen für brütende Tiere
„Wir wollen ja das alte Brauchtum pflegen und nicht die Leute verärgern“, stellt der 65-Jährige klar, der auch Landesreferent Böllerwesen im Württembergischen Schützenverband ist. Im Stadtteil habe er bei seinem Rundgang weitgehend Verständnis für die Aktion erfahren, sagt Kiefer.
Eine Anwohnerin hatte sich allerdings vor wenigen Tagen mit Verweis auf den Tierschutz an das städtische Ordnungsamt und an die Heilbronner Stimme gewandt. „In unmittelbarer Umgebung nisten Wasservögel, einige haben bereits Nachwuchs, und ein lauter Knall kann Panikreaktionen auslösen, die bis zum Tod von Jungtieren führen können“, schreibt Nadine Munz.
Brütende Schwäne verhindern Hochzeitsböllerei im Neckarbogen: Gespräche zwischen Ordnungsamt und Veranstalter
„Es entsteht der Eindruck, dass Tradition über den Schutz wehrloser Wildtiere gestellt wird und das in einem öffentlich geförderten, ökologisch gestalteten Stadtquartier“, klagt die Stadtteilbewohnerin der ersten Stunde. Tatsächlich hat die Stadt dann schnell aber reagiert.
„Das Ordnungsamt hat daraufhin mit dem Veranstalter Kontakt aufgenommen. Aufgrund des Gespräches hat der Veranstalter vom Böllerschießen Abstand genommen“, schildert Claudia Küpper die Lage. „Die Stadt lehnt Böllerschießen im Stadtgebiet grundsätzlich ab“, ergänzt die Pressesprecherin und verweist darauf, dass derartige Veranstaltungen anzeigepflichtig seien.
Geplantes Böllerschießen zur Hochzeit wegen Brutzeit abgesagt: Schwierige Rechtslage
Das weiß auch Gerd Kiefer, der klarstellt, dass er bereits am 28. März die Aktion bei Polizei, Ordnungsamt und der Stadt angezeigt habe. Eine Antwort habe er bis zum Anruf dieser Woche aber nicht bekommen. Da Böllern nicht genehmigungspflichtig ist, hätte die Stadt auch eine offizielle Begründung für eine Ablehnung benötigt. Denn die Hand- oder Schaftböller, mit denen traditionelle Brauchtumsgruppen Schwarzpulver mit lautem Knall zur Explosion bringen, gelten nicht als Waffen sondern werden als Geräte geführt.
Bei den zeremoniellen Auftritten in traditioneller Tracht knallen die Lauffener Schützen mit fünf Mann in der Regel dreimal - langsames Reihenfeuer, schnelles Reihenfeuer und Salut. „In rund zehn Minuten ist alles vorbei“, erläutert Gerd Kiefer. Zu viel findet Nadine Munz. „Ich möchte mich gar nicht gegen Traditionen wehren aber während der Brutzeit darf das nicht sein“, unterstreicht die Anwohnerin: „Deshalb bin ich auch sehr froh, dass ich den Tieren eine Stimme geben konnte.“
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Stimme.de
Kommentare
Michaela Ubl am 24.04.2025 20:42 Uhr
Sehr gut. 🙏 An die armen Tiere hatte dabei nämlich niemand gedacht, dass die sich dabei erschrecken.