Nach wilder Polizeiflucht: Wie gefährlich ist der Neckar bei 6 Grad Wassertemperatur?
Bei seiner Flucht vor der Polizei ist ein 38-Jähriger in den Neckar gesprungen. Florian Werner von der DLRG erklärt, wie gefährlich das ist.
Der Mann ist nach Angaben einer Sprecherin vor der Polizei geflohen, weil sich Betäubungsmittel wie Marihuana und Ecstasy-Tabletten in seinem Auto befanden. Der 38-Jährige sprang nahe der A6-Autobahnbrücke in den Neckar. Nachdem er eine Viertelstunde im 6 Grad kalten Fluss geschwommen war, rettete er sich auf eine Mittelinsel und wurde anschließend von Polizisten wegen einer Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht.
Bei einer sogenannten Hypothermie sinkt die Körpertemperatur unter 35 Grad. Es gibt vier verschiedene Stadien der Unterkühlung. Die Symptome reichen von Zittern und einer erhöhten Herzfrequenz bis hin zu Bewusstlosigkeit und einem Herz-Kreislauf-Stillstand.
Unterkühlt im Wasser: Das passiert bei einem Kälteschock
Florian Werner, Einsatzleiter der DLRG Ortsgruppe Heilbronn, erklärt, welche Auswirkungen ein Sprung in den sechs Grad kalten Neckar noch haben kann. Zum einen könne es zu Kreislaufproblemen durch die Temperaturunterschiede kommen.
Neben der Unterkühlung kann zudem der deutlich gefährlichere Kälteschock eintreten. Durch das schnelle Eintauchen in das eiskalte Wasser verengen sich die Blutgefäße und der Puls sowie der Herzschlag werden langsamer. Die Arme und Beine kühlen aus, wodurch die Bewegung eingeschränkt wird.
Allerdings reagiert der Körper auch auf die Wassertemperatur: Wenn diese wiederum sehr kalt ist, schlägt der Puls schneller, die Atmung wird beschleunigt und der Körper ist überfordert. Die Folge: Das Herz hört auf zu schlagen. Die DLRG führt deshalb immer wieder Übungsrettungen durch – wie im Januar im zugefrorenen Freibad Neckarhalde.
Gefahr im kalten Neckar: Wie lange kann ein Mensch im Wasser überleben?
Die Überlebenszeit reicht von wenigen Minuten bis hin zu einer Stunde. Bei den sechs Grad Wassertemperatur, wie sie derzeit im Neckar herrschen, ist eine kritische Phase bereits nach 30 Minuten erreicht. Die Überlebenschancen hängen aber auch von Faktoren wie dem allgemeinen Gesundheitszustand und der Kleidung ab.
Wassersportler sind auf dem Neckar auch im Winter unterwegs. Sollten sie ins Wasser fallen, sind sie vorbereitet. Gerhard Vollmer vom Heilbronner Ruderverein Ruderschwaben sagt, dass die Ruderer eine Sicherheitsweste tragen. Sobald an einem Strick gezogen wird, bläst sie sich auf und sorgt dafür, dass der Kopf oberhalb des Wassers bleibt. Ansonsten könne man nichts machen, außer zu versuchen, schnell aus dem Wasser zu kommen, meint Vollmer.
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