Migrationsquote an Schulen? Heilbronner Bildungsvertreter üben scharfe Kritik
Bundesbildungsministerin Prien bringt eine Migrationsquote für Schulen ins Spiel. Aus dem Raum Heilbronn kommt deutliche Kritik an diesem Vorschlag.
Harald Schröder, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW im Raum Heilbronn, hat eine klare Meinung zur Forderung der Bundesbildungsministerin: „Das ist absolut nicht praktikabel, Frau Prien hat sich mit ihrer Aussage disqualifiziert.“ Wer eine Migrationsquote an Schulen festlegen wolle, müsse auch bereit sein, Schüler mit Bussen hin und her zu fahren. „Das würde bedeuten, dass vermehrt Busse von der Stadt ins flache Land und umgekehrt fahren müssten. Dabei haben wir jetzt schon Probleme mit der Schülerbeförderung. Es fehlen Busse, es fehlen Fahrer.“ Man müsse bedenken, dass Kinder mit Migrationshintergrund oftmals aus sozialschwachen Verhältnissen kommen, „da hat Mama oder Papa oft kein Auto übrig, womit man mal schnell zur Schule gefahren wird“.
Migrationsquote an Schulen: Was Lehrer-Vertreter aus dem Raum Heilbronn davon halten
Hinter den Schulbänken sitzt nur noch eine bestimmte Anzahl an Schülern mit Migrationshintergrund – so die „denkbare“ Vorstellung der Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU). Denn es würden immer mehr Kinder in die Schule kommen, die kein oder nur ein unzureichendes Deutsch sprechen, was zu Problemen führe. Dabei sei es entscheidend, bei Schuleintritt Deutsch zu sprechen. Die Integrationsbeauftragte Natalie Pawlik hält dagegen: Eine Quote im Klassenzimmer brauche es nicht. Reaktionen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn sprechen dieselbe Sprache.
Harald Schröder, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW im Raum Heilbronn, hat eine klare Meinung zur Forderung der Bundesbildungsministerin: „Das ist absolut nicht praktikabel. Frau Prien hat sich mit ihrer Aussage disqualifiziert.“ Wer eine Migrationsquote an Schulen festlegen wolle, müsse auch bereit sein, Schüler mit Bussen hin- und herzufahren. „Dabei haben wir jetzt schon Probleme mit der Schülerbeförderung.“
GEW-Sprecher über Migrationsquote: Kinder mit „dem Makel Ausländer“ stigmatisiert
Auch aus pädagogischer Sicht sei Priens Vorschlag Humbug: „Wir haben für Grundschulen in Baden-Württemberg den Grundsatz: kurze Beine, kurze Wege. Das wäre damit obsolet. Kinder, die dann an Schulen mit geringerem Migrationsanteil verschickt werden, werden doch schon mit dem Makel ’Ausländer’ empfangen. Beim derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Klima kann ich mir nur schwer vorstellen, dass sie gastfreundlich aufgenommen werden“, erläutert Schröder.
Aus seiner Sicht müsse man anerkennen, dass es Schulen mit höherem und mit geringerem Migrationsanteil gebe und auf dieser Grundlage operieren: „Kinder mit Migrationshintergrund brauchen oftmals mehr Unterricht, mehr Unterstützung. Eine Quote, die berechnet, welche Schule welchen Personalschlüssel benötigt, ist daher viel sinnvoller. Die Zuweisung von Lehrerstellen ist aktuell an allen Schulen gleich, völlig unabhängig von der Zusammensetzung.“

Grundschul-Leiterin aus Heilbronn: „Wir haben Sprachprobleme bei allen Kindern“
Markus Wenz, Leiter des staatlichen Schulamts Heilbronn, findet: „Den Gedanken einer Durchmischung kann man durchaus haben, doch es gibt eben ein paar Rahmenbedingungen, die zuvor gelöst werden müssten – etwa die Schülerbeförderung. Aber dafür findet sich vielleicht eine Lösung.“ Aus Wenz Sicht sei man in Baden-Württemberg auf einem guten Weg. Mit einer verpflichtenden Sprachförderung sorge man bald flächendeckend für die Sprachfähigkeit von Kindern. Fakt sei, es gebe Sprachschwierigkeiten. Das zeige sich bereits in den Einschulungsuntersuchungen. Die verpflichtende Sprachförderung vor dem Eintritt in die Grundschule halte er für sinnvoll. Genauso wie die begleitende Sprachförderung mittels Kursen an der Schule.
Sabine Görmez, Leiterin der Grundschule in Heilbronn-Biberach erklärt: „Wir haben Sprachprobleme bei allen Kindern, es ist nicht nur ein Problem bei Migranten.“ Das liege unter anderem an der vermehrten Mediennutzung, einer geringeren Vorlesezeit und weniger Gesellschaftsspielen.
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Kommentare
Günther Knapp am 07.07.2025 16:43 Uhr
Der Populismus macht vor nichts halt! es ist richtig, dass Sprachschwierigkeiten sehr oft Schulen heraus- und überfordern, jedoch kann eine Integration von Migrantenkindern nur dann eine Chance haben, wenn sie nicht von anderen Kindern getrennt werden. Es war nicht so sehr vergleichbar wie es heute ist aber als ich in den 50ern zur Schule ging, bekamen wir Schüler in unsere Klasse deren Eltern zuhause als Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg auch nicht richtig deutsch sprechen konnten aber sie lernten dies in der Gemeinschaft schnell. Weshalb werden gerade Mitglieder von Parteien, die in ihrem Namen "Christlich" tragen so leicht mit in den Populismus nationalistischer Parteien gelenkt?
Es stimmt zwar, dass nicht alle Zuwanderer unbedingt integriert werden wollen aber dies ist ein sehr geringer Teil!