„Logistisch große Herausforderung“: Wie Drohnen im ländlichen Raum den Ärzten helfen können
Blutproben ins Labor bringen: Wissenschaftler der Technischen Universität München in Heilbronn stoßen auf großes Interesse bei einem Labor – und auf bürokratische Hürden.

Ist von Drohnen die Rede, denken viele mittlerweile an militärische Flugobjekte. Oder an jene Geräte unbekannten Ursprungs, die europäische Flughäfen lahmlegten. Drohnen sind aber auch schon lange für zivile Zwecke in der Luft, beispielsweise schon in den 1990er Jahren für Reisbauern in Japan. Das weiß Alena Otto, Professorin am Campus Heilbronn der Technischen Universität München (Tum). Sie hat sich mit dem Einsatz von Drohnen nach Naturkatastrophen beschäftigt. Doktorand Andre Nevski hat erforscht, wie sich mit den Geräten die medizinische Versorgung im ländlichen Raum verbessern könnte.

Die Vorteile von Drohnen liegen für Alena Otto auf der Hand. Sie können nach Naturkatastrophen schwer erreichbare Orte anfliegen. Und weil kein Passagier dabei ist, sei kein Platz für ihn nötig – und auch technisch erforderliche Ausrüstung für ihn muss nicht mitgeflogen werden. „Das fällt alles weg“, sagt sie.
Hilfsgüter nach Naturkatastrophen: Wenn Drohnen und Laster zusammenarbeiten
Alena Otto hat sich damit befasst, wie eine Kombination von Lkw und Drohne eingesetzt werden kann, wenn beispielsweise Straßen nach einem schweren Unwetter nicht mehr passierbar sind. Die Laster auf gut Glück mit Hilfsgut losschicken? Warten, bis sich Drohnen einen Überblick verschafft haben?
Rechnerisch lohne sich eine hybride Lösung, sagt die Tum-Wissenschaftlerin: Drohnen sollten zunächst nach dem Zustand der wichtigen Straßen schauen. Liegt der vor, können die Hilfsgüter per Lkw los. „Wir erwarten, dass es so schneller geht.“
Drohnen bringen Blutproben ins Labor: Wenn die Bürokratie ins Spiel kommt
Schneller gehen könnte es auch im ländlichen Raum bei der medizinischen Versorgung. Andre Nevski hat geprüft, wie beispielsweise Blutproben von Ärzten zu Laboren geflogen werden könnten. Ein interessiertes Labor hat er in Bayern gefunden. Nur: Ganz so leicht, wie es sich anhört, ist es dann doch nicht.
Drohnen dürfen nicht einfach fliegen. Dicht besiedelte Gebiete sind tabu, für Autobahnen, Flüsse oder Stromleitungen braucht es spezielle Genehmigungen. „Von A nach B zu fliegen, das dauert“, weiß Andre Nevski – ein Jahr, um alle bürokratischen Hürden aus dem Weg zu bekommen.
Ist der Luftraum frei? Diese Tücken sind noch zu lösen
Allerdings: Einfach eine Drohne fliegen zu lassen, damit hätte auch Alena Otto ein Problem. Vieles kann in der Luft sein: Fallschirmspringer, Vögel, je nach Flughöhe drohen andere Gefahren. „Das muss man erst lösen.“
Eine Möglichkeit könnte sein: Wie bei den Straßen ein Netz an Flugrouten einrichten. „Das würde es erleichtern“, sagt Andre Nevski.
Drohne oder Auto: Auch im medizinischen Bereich ist beides denkbar
„Das Labor war begeistert“, erzählt Andre Nevski von seinen Gesprächen im medizinischen Bereich. Die Flugobjekte könnten den Personalmangel beheben, auch wenn Drohnen nicht immer die fixeste Lösung sind. Wenn Arzt und Labor an einer Autobahn liegen, kann das Auto deutlich schneller sein als die Drohne, die nur 80 Stundenkilometer schafft. Deshalb sprechen sich auch hier die Tum-Experten nicht für „entweder Drohne oder Auto“ aus, sondern für eine Hybridmodell mit beidem.
Viele Einsatzmöglichkeiten sehen die Tum-Wissenschaftler. Schnellstmöglich Ergebnisse liefern, darauf kommt es im ländlichen Raum an: „Logistisch ist es eine große Herausforderung“, sagt Andre Nevski zum herkömmlichen Weg, wenn Autos die Proben in Labore bringen. Die neue Variante: Bei Unfällen könnte beispielsweise schon nach der Erstversorgung vor Ort eine Drohne zum Labor fliegen, während der Patient parallel dazu unterwegs ins Krankenhaus ist.
Drohne und Feuerwehr zusammen im Einsatz: Das tut sich in Heilbronn
Ziviler Nutzen von Drohnen: An einem solchen Modell arbeiten auch Wissenschaftler der Hochschule Heilbronn. Auf dem Bildungscampus in Heilbronn ist eine Drohne stationiert, die bei Alarmierungen der Feuerwehr selbstständig zum Einsatzort fliegen und Aufnahmen an die Leitstelle liefern soll. Tests fanden bereits statt. Technische Hürden, so hieß es kürzlich, müssen noch überwunden werden, bevor regelmäßige Flüge stattfinden.
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