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Lisa Federle: Erst Wirtin jetzt Notärztin - Eine Lesung mit Dieter-Thomas Kuhn

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Lisa Federle erzählt bei einer Lesung an der Volkshochschule Heilbronn von ihren Umwegen im Leben. Dieter-Thomas Kuhn singt passende Songs dazu. Wie war der Abend mit der bekannten Notärztin und der singenden Föhnwelle Kuhn?

von Maike Skerstins

Nicht immer führt das Leben einen auf geraden Wegen ans Ziel. Bei einer Lesung in der Volkshochschule (VHS) hat Lisa Federle den 130 Besuchern persönliche Einblicke in ihr Leben gegeben. Musikalisch begleitet wurde die wohl bekannteste Notärztin Deutschlands von Dieter-Thomas Kuhn. Beide haben sich vor einer Kneipe in Tübingen kennengelernt, seitdem verbindet sie eine 30-jährige Freundschaft.

Eine Notlandung hat Federle zum Schreiben der Autobiographie motiviert

Eine Notlandung in Marseille hat die Tübingerin aufgerüttelt. Diese Schreckenserfahrung während eines Fluges von Mallorca nach Stuttgart motivierte sie dazu, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. „Auf krummen Wegen geradeaus“ heißt der Titel ihrer soeben erschienenen Autobiographie. Kapitel wie: „Worüber man mit Karl Lauterbach plaudert, wenn nach der Talkshow das rote Licht aus ist“ oder „Wie man bei einem Rettungseinsatz mit dem Messer bedroht wird“ sollen dem Leser ihr Leben näherbringen.

Sie musste sich Brot klauen, um ihre Kinder zu versorgen

Krumm war der Werdegang von Federle allemal. Mit 18 Jahren bekam sie ihr erstes Kind. Es sollten noch weitere drei folgen. „Woher nehmen, wenn nicht stehlen,“ fasste Federle eine ihrer Lebenserfahrungen zusammen. Ihr damaliger Partner war keine große Hilfe, mehr eine Belastung. „Er hat mich geschlagen“, erzählt sie. Mit 19 Jahren und allein mit zwei Kindern, wusste sich Federle nicht anders zu helfen. Um den Hunger zu stillen, machte sie sich strafbar.

Federle zog morgens mit den Kindern los. An einem Supermarkt, wie sie hörte, solle noch vor Ladenbeginn Lieferungen mit Essen abgestellt werden. In der Verzweiflung packte sie sich einen ganzen Karton Schwarzbrot und Streichkäse. „Aus Scham habe ich den Markt nie wieder besucht.“ Zeitweise schlug sich die alleinerziehende Mutter als Wirtin durchs Leben, passend dazu spielte Kuhn „Die kleine Kneipe“. Zur Verwunderung des Musikers, sang das Publikum mit. So etwas habe er bei einer Lesung noch nicht erlebt.


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Traumberuf kann man auch auf dem zweiten Bildungsweg erlangen

Bereits mit vier Jahren wollte Federle Notärztin werden. Doch der Weg war steinig. Erst als dreifache Mutter holte sie das Abitur nach, um doch noch ihren Berufswunsch zu erfüllen. Mit ihrer Geschichte will sie Mut machen und zeigen, dass es möglich ist auf dem zweiten Bildungsweg zum Traumberuf zu gelangen.

Ehrenamt verbindet Federle und Kuhn miteinander

Federle und „Tommy“, wie sie Dieter-Thomas Kuhn nennt, verbindet nicht nur eine langjährige Freundschaft, sondern auch das ehrenamtliche Engagement. 2015 hat Federle eine mobile Arztpraxis eröffnet, um Flüchtlingen und Obdachlosen eine medizinische Versorgung zu gewährleisten.

2020, als die Unsicherheit wegen Corona groß und die Möglichkeit sich testen zu lassen gering war, entschloss sie sich die Praxis umzurüsten. Federle und Kuhn testeten die Bürger. „Viele wollten ihre Familien besuchen, aber waren unsicher, ob sie vielleicht positiv sind. Es war schön ihnen zu helfen“, erinnert sich Kuhn.

Federle ist für die Einführung eines verpflichtenden Sozialen Jahrs

„Diese Frau ist außergewöhnlich“, fügt er mit Blick auf Federle hinzu. Diesen Eindruck hatten auch die Besucher. „Am Anfang von Corona hat sie sich eingebracht und gezeigt, was alles möglich ist, wenn man einfach macht und nicht nur redet“, sagt Katrin Rukwied aus Eberstadt. „Der heutige Abend war ein Lichtblick. Ich bewundere die Frau und frage mich, woher sie die Energie nimmt“, schwärmt Theresia Vogler aus Flein. „Das ist mein Umfeld. Ich habe eine tolle Familie. Wer viel gibt, bekommt noch mehr zurück“, erklärt Federle. Um junge Menschen mehr für das Ehrenamt zu begeistern, hält sie die Einführung eines verpflichtenden Sozialen Jahrs für sinnvoll.




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