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Laufbahn-Sanierung verschoben: Wird das Frankenstadion zur reinen Fußball-Arena? 

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Heilbronner Gemeinderäte begrüßen mehrheitlich Umzugspläne des SGV Freiberg und sehen im Profifußball eine große Chance für die Stadt. Es gibt aber  Kritik.


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Die Ankunft des Profifußballs in Heilbronn könnte gleichzeitig das Aus für Leichtathletik-Wettkämpfe nach sich ziehen. Als Folge des geplanten Umzugs des Fußball-Regionalligisten SGV Freiberg ins Heilbronner Frankenstadion soll die geplante Sanierung der Laufbahn erst einmal zurückgestellt werden. Womöglich für immer? Weil das Frankenstadion über kurz oder lang zu einer reinen Fußball-Arena umgebaut wird?

„Wenn Freiberg ein reines Fußballstadion haben will, dann sollen sie sich eins bauen“, sagt SPD-Stadtrat Herbert Tabler unmissverständlich. „Wir sollten uns nicht die Chance verbauen, weiterhin große Leichtathletikveranstaltungen in Heilbronn durchzuführen. Zudem ist die Sanierung der Laufbahn Teil des Gemeinderatsbeschlusses zur Modernisierung des Frankenstadions“, betont Tabler. 

SGV Freiberg spielt bald im Frankenstadion: Grünen sehen mögliche Win-Win-Effekte

Am 26. März könnte der Gemeinderat allerdings einen neuen Beschluss fassen, der der Ertüchtigung des Stadions für den Profifußball den Vorrang gibt. Neben der bereits beschlossenen Errichtung einer Fluchtlichtanlage soll eine Rasenheizung eingebaut und eine zusätzliche Stahlrohrtribüne aufgebaut werden. Bis Ende Juli müssten die Arbeit abgeschlossen sein, sollte den Freibergern als aktueller Tabellenführer der Regionalliga Süd tatsächlich der Aufstieg in die 3. Liga gelingen. 

„Das ist eine einmalige Chance für die Stadt, publikumsträchtigen Spitzensport nach Heilbronn zu holen“, ist Herbert Burkhardt überzeugt. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler würde sich „sofort eine Dauerkarte kaufen“.

Baden-Württembergische Leichtathletik-Meisterschaften im Frankenstadion wie hier im Jahr 2014 wären in einem reinen Fußballstadion nicht mehr durchführbar.
Baden-Württembergische Leichtathletik-Meisterschaften im Frankenstadion wie hier im Jahr 2014 wären in einem reinen Fußballstadion nicht mehr durchführbar.  Foto: Veigel, Andreas

Auch die Grünen befürworten die Pläne. „Wir sehen mögliche Win-Win-Effekte für die Stadt“, sagt Gemeinderat Ferdi Filiz mit Blick auf Fußballanhänger, die ihren Besuch in Heilbronn auf die Innenstadt erweitern. Filiz mahnt allerdings auch: „Wenn wir den Turbo für den Fußball zünden, dann dürfen wir bei der Laufbahn nicht auf die Bremse treten.“

Koordinierungsrunde aller im Frankenstadion aktiven Vereine gefordert

Sein FDP-Kollege Nico Weinmann sieht es ähnlich: „Die Investitionen sind notwendig, aber wir müssen die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten. Andere Vereine dürfen darunter nicht leiden. Da müssen wir sehr sorgfältig vorgehen.“

Der Stadtverbandsvorsitzende für Sport und CDU-Stadtrat Christoph Troßbach betont: „Wir wollen das Frankenstadion als Sportstätte für den Fußball und die Leichtathletik erhalten. Alteingesessene und verdiente Vereine dürfen nicht benachteiligt werden.“ Troßbach spricht sich noch vor der Gemeinderatssitzung für eine  Koordinierungsrunde aller Vereine aus, die das Frankenstadion nutzen. 

TSG-Abteilungsleiterin wurde von den Plänen „überrollt“

Nach eigenem Bekunden „überrollt“ von den am Dienstag vorgestellten Plänen wurde Rosemarie Just-Espert. Die Leichtathletik-Abteilungsleiterin bei der TSG Heilbronn hatte vorab keine Kenntnis von den Plänen der Stadt: „Ich muss jetzt das Gespräch suchen.“ Dass die Laufbahn nicht nur nicht umgehend saniert, sondern sogar ganz aus dem Frankenstadion verschwinden könnte, mag sie sich nicht vorstellen: „In eine Universitätsstadt gehört ein Stadion, in dem Fußball gespielt und Leichtathletik betrieben werden kann.“

Mit Frühlingsbeginn werden wieder täglich Leichtathletik-Nachwuchsgruppen im Frankenstadion trainieren, die ohne Laufbahn künftig eine Ausweichstätte bräuchten. Quer durch die Gemeindefraktionen wird das Sportgelände Sontheim-Ost als künftiger Standort für eine sanierte Laufbahn favorisiert. Als Wettkampfstätte ist der Sportplatz allerdings kaum geeignet, da ja bereits beschlossen ist, dass der Naturrasen durch einen Kunstrasen ersetzt wird. Für Disziplinen wie Hammer- oder Sperrwurf ist der Untergrund ungeeignet. Tribünen für Zuschauer bei größeren Meisterschaften fehlen. 

Alleinige Priorität auf dem Profi-Fußball 

„Heilbronn richtet ein Hochsprung-Meeting der Weltklasse aus, bietet aber keine Trainingsmöglichkeiten für ambitionierte Leichtathleten“, kritisiert Harald Ehlke. Der frühere Hochspringer ist als Trainer bei der Unterländer LG tätig. „Ich habe Oberbürgermeister Harry Mergel mein Konzept für die Ertüchtigung des Frankenstadions im Sinne der Leichtathletik vorgestellt. Passiert ist nichts. Die Priorität liegt allein auf dem Profifußball. Das ist traurig, aber wahr.“ 




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