KI-Uni in Heilbronn – warum Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin dagegen ist
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CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel wirbt vor der Landtagswahl für eine neue Universität mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz und bringt dafür Heilbronn ins Spiel. Die Grüne-Wissenschaftsministerin hält nichts davon.
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Manuel Hagel wirbt im Wahlkampf vor der Landtagswahl im März auch mit einer neuen Universität. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Eppingen-Richen sagte er jüngst, dass Heilbronn dafür „auf jeden Fall ein heißer Kandidat“ sei. Eine Uni mit diesem Schwerpunkt hält er deshalb für wichtig, weil Deutschland zwar gut in Grundlagenforschung sei. Mittelständler bräuchten jetzt aber Anwendungsorientierung. Man müsse sich mit Boston und Shanghai vergleichen. Das sei die Konkurrenz, sagte Manuel Hagel. Deshalb benötige man das Dach einer Universität für Promotions- oder Masterstudiengänge.
Die aktuelle Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) lehnt das aus mehreren Gründen ab. Einer davon: Spezialisierte Unis seien international nicht erfolgreich. Ein weitere Punkt: „Es gibt eine Struktur für eine Universität, die bedeutet Grundausbildung vom ersten Semester über Bachelor- bis hin zum Masterabschluss und dann die Promotion“, sagt die Ministerin zur Stimme. „Das ist ein großer Apparat.“
Professoren im Land: So ist Baden-Württemberg bei Künstlicher Intelligenz aufgestellt
Das Land hat bereits viele Professoren mit dem Schwerpunkt Künstlicher Intelligenz (KI). Zudem setzt das Land zusammen mit den Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) auf ein sogenanntes Landesgraduiertenzentrum (Conn-AIx) für angewandte KI , das in Heilbronn angesiedelt und von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanziell unterstützt wird. Erst diese Woche haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Gunther Friedl, Geschäftsführer der Stiftung, eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.
Der Anspruch ist hoch. International suchen die Verantwortlichen unter Federführung des KIT nach Spitzenprofessuren, mit den ersten Berufungen rechnet Petra Olschowski in den kommenden Wochen. Aus der ganzen Welt sollen auch die Nachwuchswissenschaftler kommen, die einen Master-Abschluss haben und in Heilbronn dann promovieren.
Die Visualisierung zeigt ein Gebäude des geplanten Innovationsparks Künstliche Intelligenz (Ipai) in Heilbronn. Die Arbeiten bei Heilbronn-Neckargartach laufen.
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Tempo beim Landesgraduiertenzentrum für angewandte Künstliche Intelligenz: Mit 60 Wissenschaftlern geht es los
Deutlich schneller als eine KI-Uni sei ein solches Zentrum am Markt, findet Ministerin Petra Olschowski: Man schaue nach Spitzennachwuchskräften. „Und das können wir machen ohne Akkreditierung, ohne Wissenschaftsrat, ohne sieben Jahre Aufbauarbeit, ohne Gründungskosten wie bei der TU Nürnberg von mindestens 1,3 Milliarden Euro.“ Und: „Wir können mit 80 Top-Leuten anfangen und langsam wachsen. Das kann die KI-Universität nicht.“
Der Standort Heilbronn ist aus Sicht des Landes für ein solches Zentrum prädestiniert. Hier wächst der Innovationspark Künstliche Intelligenz (Ipai), dem sich schon 100 Unternehmen und Organisationen angeschlossen haben. Das Land hat hierher auch das belgische Computerchip-Forschungsinstitut Imec geholt. In der Stadt befinden sich zudem Hochschule Heilbronn, der Campus Heilbronn der Technischen Universität München und bald auch eine Außenstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.
Hochschule Heilbronn ist fürs Land sehr wichtig
„Heilbronn ist bundesweit schon eine Marke in Sachen KI geworden, um die uns viele beneiden“, sagt Petra Olschowski. Das waren auch Punkte für das Landesgraduiertenzentrum, zumal bislang die mangelnde Zusammenarbeit mit der Wirtschaft kritisiert worden sei. „Deshalb haben wir uns entschieden, eine Struktur aufzubauen, die in Heilbronn die Möglichkeiten des Ipai, des Chipforschungsinstituts Imec sowie der Unternehmen nutzt, die sich schon jetzt speziell um KI kümmern.“
In Heilbronn hat die Hochschule Heilbronn schon lange KI auf dem Schirm. Sie sei schon immer sehr gut, das dürfe man nicht vergessen, sagt Petra Olschowski. „Für uns ist sie eine zentral wichtige Hochschule für angewandte Wissenschaften.“ Auch deshalb will die Ministerin dort keine KI-Uni. „Wir werden die Hochschule Heilbronn natürlich weiter intensiv unterstützen und begleiten.“
„Das ist eine sehr gute Nachricht für das Land Baden-Württemberg“, sagte Ministerpräsident Kretschmann. „Wir brauchen exzellent ausgebildete KI-Expertinnen und -Experten in den Zukunftstechnologien KI, Robotik, Chip Design und Cybersicherheit.“ connAIx verbinde Spitzenforschung mit praktischer Anwendung. „Es bringt unsere exzellente KI-Forschung mit den Ingenieurwissenschaften zusammen und fördert KI-Talente für Wissenschaft und Wirtschaft. Das stärkt Baden-Württemberg als Land der Tüftler und Denker und als einen der führenden KI-Standorte in Europa.“
Bei der Unterzeichnung der Gründungsvereinbarung für das Graduierten- und Forschungszentrum in Stuttgart sagte Ministerpräsident Kretschmann: „Wir brauchen exzellent ausgebildete KI-Expertinnen und -Experten in den Zukunftstechnologien KI, Robotik, Chip Design und Cybersicherheit.“ Das Zentrum verbinde Spitzenforschung mit praktischer Anwendung.
Mit dem Zentrum schaffe man in Heilbronn „einen einzigartigen Ort, an dem akademische Exzellenz auf reale industrielle Herausforderungen trifft”, so Professor Gunther Friedl, Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung. „Wir bieten dabei weit mehr als nur Räume: Wir garantieren den Talenten direkten Zugang zu den entscheidenden Playern unseres Ökosystems – vom Ipai über die Campus Founders bis hin zu Weltmarktführern.“ Durch diese Einbettung könnten KI-Lösungen „sofort unter realen Bedingungen validiert und in die Anwendung gebracht werden“
Das Landesgraduiertenzentrum bekommt Räume in der Nähe des Bildungscampus. Spannend wird sein, welcher Ort auf einer Promotionsurkunde hinterlegt sein wird, ob also Heilbronn als eigenständige Marke präsent ist. Dazu heißt es aus dem Wissenschaftsministerium: Zunächst würden die verantwortlichen Universitäten möglicherweise gemeinsam die Doktor-Titel vergeben, aber die Marke Conn-AIx werde natürlich schon auf den Dokumenten sein. Mittelfristig solle nur noch Conn-AIx daraufstehen – „also dann, wenn das Graduiertenzentrum am Markt endgültig etabliert ist“, so ein Sprecher zur Stimme.
Im Vollausbau ab dem Jahr 2029 wird Baden-Württemberg Conn-AIx mit rund 30 Millionen Euro jährlich fördern. Die-Dieter-Schwarz-Stiftung unterstützt das Land und die Universitäten mit der kostenfreien Bereitstellung von Flächen und Infrastruktur in Heilbronn. Zehn Professorinnen und Professoren mit Schwerpunkt Promotionsbetreuung sollen laut einer Pressemitteilung 60 internationalen Promovierenden und 20 Postdoktorandinnen und -doktoranden zusammenarbeiten. Sie werden sich vornehmlich um die Steuerung und Entwicklung der nächsten Generation von KI wie beispielsweise humanoide Roboter oder Maschinen beschäftigen.
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