Kritik an Heilbronner Club-Türstehern im Netz – Arbeit mit „hohem Konfliktpotenzial“
In den negativen Google-Bewertungen der Heilbronner Clubs wird Kritik an den Türstehern laut. Dabei birgt die Arbeit als Security ein hohes Konfliktpotenzial. Der Laube-Betreiber und „La Boom“-Inhaber geben einen Einblick.
Für ein Ranking der Clubs in Heilbronn hat die Heilbronner Stimme einen genauen Blick auf die Google-Bewertungen im Netz geworfen. Dabei ist schnell aufgefallen: Der Großteil der negativen Bewertungen bezieht sich auf die Türsteher, unabhängig von der Diskothek.
Matthias „Matze“ Kern, Betriebsleiter der Gartenlaube, erklärt, welche Herausforderungen die Arbeit der Securitykräfte mit sich bringt, inwieweit das Personal geschult ist und wie mit Kritik umgegangen. Auch Andreas Huber, Inhaber des „La Boom“, gewährt einen kleinen Einblick.
Kritik an Club-Türstehern in Google-Bewertungen: Arbeit birgt hohes Konfliktpotenzial
Egal, ob bei der Laube, dem La Boom oder dem Bukowski in Heilbronn – überall sind vereinzelt negative Kommentare zu Türstehern zu finden. Darunter Bewertungen von Gästen, die gar nicht erst in die Location eingelassen oder rausgeworfen worden sind. Manche beschreiben das Verhalten als „willkürlich“, „unfreundlich“ oder sogar als „aggressiv“.
„Die Arbeit von Sicherheitspersonal findet in einem Umfeld mit hohem Konfliktpotenzial statt, geprägt durch Alkohol, Gruppendynamik und emotionale Situationen“, erklärt Matthias Kern. „Gleichzeitig müssen in kurzer Zeit verbindliche Entscheidungen getroffen und Regeln konsequent durchgesetzt werden, was nicht immer auf Akzeptanz stößt.“ Die Aufgabe des Sicherheitspersonals sei es, im Rahmen des Hausrechts für Ordnung und Sicherheit zu sorgen und in akuten Situationen zu handeln.
Gewalt unter Alkohol? Polizei äußert sich zu Partygästen
Häufig trägt Alkoholkonsum dazu bei, dass Situationen schnell hochkochen. Das bestätigt auch die Polizei Heilbronn auf Stimme-Nachfrage. „Tatsächlich zeigt sich, dass mehr als 50 Prozent der Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte im Jahr 2025 unter dem Einfluss von Alkohol stattfanden“, teilt eine Sprecherin mit. Eine besondere Herausforderung sei die Kommunikation mit Betrunkenen – dadurch sei es schwer, die Umstände eines Vorfalls zu ermitteln. Eine besondere Häufung von Einsätzen an Clubs und Bars könne aber nicht festgestellt werden.
Immer wieder kommt es nach dem Feiern zu körperlichen Auseinandersetzungen unter Partygästen. So ist beispielsweise 2023 ein Streit unter zehn Männern nach einem Club-Besuch eskaliert. Erst im März 2026 war ein Streit in einer Heilbronner Bar aus dem Ruder gelaufen. Die Security ist dafür da, dass es gar nicht erst so weit kommt. Über „problematische Sicherheitskräfte“ sei der Polizei nichts bekannt.
Kritik an teils anonymen Google-Bewertungen – Club-Besitzer klärt Anliegen lieber direkt
Mit insgesamt über 700 Bewertungen hat die Gartenlaube die weitaus meisten Rezensionen unter den Heilbronner Clubs bei Google (Stand Ende April 2026). 20 negative Bewertungen sind zu Türstehern abgegeben worden und nehmen daher nur einen kleinen Teil der Gesamtbewertungen ein. Dennoch ist die Kritik an der Security anteilig bei den Bewertungen mit nur einem Stern am höchsten.
Matthias Kern kritisiert die zum Teil anonym verfassten Einträge und Bewertungen. Oft fehle zudem der konkrete Kontext. Die Bewertungen werden daher nicht aktiv verfolgt. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Anliegen im direkten Austausch zu klären und nicht über öffentliche Portale zu diskutieren“, erklärt der Laube-Betriebsleiter.
Bei einem Blick in die Bewertungen fällt auch auf: Einige der Rezensionen sind beleidigend und alles andere als sachlich.
Security ist geschult, auch in schwierigen Situationen ruhig und respektvoll zu bleiben
Das Sicherheitspersonal bei der Laube wird von einem externen Dienstleister gestellt, mit dem bereits seit vielen Jahren zusammengearbeitet wird. „Unsere Mitarbeiter sind entsprechend qualifiziert und werden regelmäßig geschult“, stellt der Laube-Betriebsleiter klar. Zuletzt hätten alle Mitarbeiter wiederholt an einer Nachschulung der Initiative nachtsam teilgenommen.
Bei nachtsam handelt es sich um eine Kampagne des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration in Baden-Württemberg. Das Ziel der Initiative ist eine Sensibilisierung zum Thema sexuelle Belästigung und Übergriffe beim Feiern. Die Sicherheitskräfte lernen, in schwierigen Situationen sicher und ruhig zu handeln und insgesamt ein respektvolles Umfeld zu gewährleisten.
Auf Nachfrage der Heilbronner Stimme erzählt Andreas Huber, Inhaber des „La Boom“: „Mir persönlich ist besonders wichtig, dass unsere Security-Teams die Gäste freundlich empfangen und auch in schwierigen Situationen ruhig und respektvoll bleiben, ohne aggressiv aufzutreten.“
Das La Boom arbeite mit eigenen Security-Kräften, die ebenfalls gezielt geschult und auf schwierige Situationen vorbereitet seien. Wenn es zu Beschwerden von Partygästen über Personal kommt, erfolgen unter anderem Gespräche – Konsequenzen werden „individuell entschieden“ und „hängen stark vom konkreten Vorfall ab“, stellt Andreas Huber klar.
Security greift bei „klaren Verstößen“ ein – Verweis aus der Location als letztes Mittel
Wann wird die Security im Club aktiv? „Ein Einschreiten erfolgt bei klaren Verstößen gegen die Hausordnung, etwa bei aggressivem Verhalten, Belästigung anderer Gäste oder starkem Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss“, erläutert Matthias Kern. „Ziel ist immer, Situationen zunächst zu beruhigen.“
In den Bewertungen wird auch kritisiert, dass Gäste beim Rauswerfen angefasst werden. Ein Verweis aus der Location sei das letzte Mittel. „Körperliches Eingreifen ist nur im Rahmen der Gefahrenabwehr und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit zulässig“, konkretisiert der Betriebsleiter der Gartenlaube.
Bei Fehlverhalten von Mitarbeitenden: Was können Partygäste tun?
Feiernde können sich jederzeit direkt vor Ort in der Laube an die Betriebsleitung wenden – oder im Nachgang per E-Mail oder WhatsApp Kontakt aufnehmen. „Wir gehen solchen Hinweisen nach und versuchen, den Sachverhalt in einem persönlichen und diskreten Gespräch zu klären“, erklärt der Betreiber.
Hinweise, die zeitlich und inhaltlich nachvollziehbar sind, werden intern geprüft und besprochen. „Sollte sich ein schwerwiegendes Fehlverhalten eines Mitarbeiters tatsächlich bestätigen, hätte dies selbstverständlich unmittelbare Konsequenzen für die weitere Zusammenarbeit“, stellt Matthias Kern klar.
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