Vor dem Abriss: Einblick in das verlassene Heilbronner Kinocenter an der Allee
Das Gebäude an der Allee 4 beheimatete viele Jahre ein Kinocenter. Jetzt soll es abgerissen werden. Die Stimme war noch einmal dort und hat sich in dem Lost Place umgesehen.
Es nieselt, die Wolken färben den Himmel in ein betrübliches Grau. Die Namen der Kinos Universum, City, Bambi und Cherie sind so manchem Heilbronner heute noch ein Begriff. Wo früher Filme über die Leinwand liefen, sieht es inzwischen recht trostlos aus. Vor dem Eingang des Kinocenters an der Allee 4 liegt weißes Klopapier, der Geruch von Kot steigt auf. Über Müll führt der Weg in das Gebäude. Es knirscht beim Betreten des Hauses unter den Füßen: der Betonboden bröckelt. Drinnen geht es über eine steile Treppe hinunter ins Untergeschoss. Es ist stockdunkel.
Ehemaliges Kinocenter Heilbronn: Wasser auf dem Boden, Schimmel an der Wand
Der Strom ist abgeschaltet, auch geheizt wird schon lange nicht mehr. Beim Atmen bilden sich kleine Wölkchen vor dem Gesicht. Durch die Decke tropft es, der Boden ist voller Pfützen. Die Wände sehen nicht viel besser aus: überall hat sich schwarzer Schimmel gebildet. Der größte Kinosaal war einst das Universum. Darauf deutet heute nichts mehr hin. Die Kinosessel sind längst auf dem Sperrmüll, nur die Ränge sind geblieben und Geräte, um die Leinwand hoch- und runterzufahren. Auf dem Boden liegen Konfetti-Schnipsel.
Wie es nach dem Abriss in der Allee 4 in Heilbronn weitergeht
Die Kreissparkasse Heilbronn hat das Gebäude gekauft und will hier ein Beratungscenter bauen. „Geplant ist, dass im Idealfall im vierten Quartal 2026 mit dem Abriss der Gebäude auf den Flächen der ’alten Kinos’ begonnen wird“, sagt Pressesprecherin Isabell Grosser. Danach soll der Neubau starten. Laut Pressemitteilung ist das für das Jahr 2027 geplant.
Im alten Gebäude befand sich das Kino vier, auch unter dem Namen Cherie bekannt, im Obergeschoss. Es ist der kleinste der vier Kinosäle. Früher hallte hier vor allem Kinderlachen durch den Raum. Grün, gelb, rot, lila: Die Wände links und rechts sind noch bemalt mit Häusern und Bäumen, vorne hing einst die Leinwand. Heute ist nur eine schwarze Fläche zu sehen, der Boden ist rausgerissen.
Dasselbe Bild im ehemaligen Bambi, Kino 3. Ein großer, leerer Raum, absolute Dunkelheit. Vom ehemaligen Vorführraum aus hatte man einst alles im Blick. Die Scheiben des Raumes sind beschlagen oder zerbrochen, wo einst der Projektor stand, ist die Staubschicht zentimeterdick.
Staub auf einer vergangenen Filmwelt im ehemaligen Kinocenter Heilbronn
In einem der Treppenhäuser hängen an der Wand alte Plakate: 2002 lief der Film „Solino“ mit Moritz Bleibtreu in den Kinos an. Über ein Vordach geht es zu einer Art Abstellkammer. Auch hier liegt Staub auf einer vergangenen Filmwelt: eine alte Filmrolle, eine Schneidemaschine, handschriftliche Notizen. Ein Projektor steht bereit, nur Filme spielt er schon lange nicht mehr ab. In einem der Räume befindet sich die Lüftungsanlage, mit wasserfestem Filzstift steht darauf, welcher Knopf welches Kino ansteuert.
Vor dem Gebäude hängt noch eine der Anzeigetafeln, die einst die neuen Filme in den Kinosälen anpries. Sie ist auch über den Bauzaun hinweg zu sehen – bis die Bagger anrollen.
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