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Heilbronner Häftlinge vollenden XXL-Puzzle – eines der größten der Welt

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Häftlinge, Ehrenamtliche und Menschen von außen haben in fünf Monaten ein 54.000 Teile großes Puzzle vollendet. Das Kunstwerk hängt nun in der JVA Heilbronn.


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Es ist vollbracht: Fast majestätisch hängt es nun im Flur einer Wohngruppe der JVA Heilbronn eines der größten käuflich erwerbbaren Puzzle der Welt.

Es zeigt über 50 verschiedene Gemälde, beispielsweise von Claude Monet oder Leonardo da Vinci.

Das XXL-Puzzle zeigt über 50 verschiedene Gemälde und hängt jetzt im Flur einer Wohngruppe in der JVA Heilbronn.
Das XXL-Puzzle zeigt über 50 verschiedene Gemälde und hängt jetzt im Flur einer Wohngruppe in der JVA Heilbronn.  Foto: Kunz, Christiana

Riesiges Puzzleprojekt in der JVA Heilbronn als Symbol für Resozialisierung und Zusammenarbeit

In einer Gemeinschaftsaktion haben Inhaftierte, Bedienstete, Ehrenamtliche und externe Unterstützer innerhalb von rund fünf Monaten das 54.000 Teile umfassende Puzzle zusammengesetzt.

Das beeindruckende Werk misst etwa acht Meter in der Breite und zwei Meter in der Höhe und besteht aus 27 einzelnen Motiven zu je 2000 Teilen. Zur feierlichen Einweihung kamen kürzlich alle Beteiligten bei Kaffee und Kuchen in geselliger Runde zusammen.


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XXL-Puzzle: Häftlinge, Mitarbeitende und Freiwillige arbeiteten über fünf Monate Hand in Hand

Fünf externe Mitspielerinnen und Mitspieler wurden im Vorfeld ausgelost – drei von ihnen meldeten sich tatsächlich. Sie holten jeweils ein 2000-Teile-Puzzle in der JVA ab, setzten es zu Hause bis Ende Mai zusammen und brachten es anschließend zurück.

„Ich habe sofort Gänsehaut bekommen, als ich das fertige Bild gesehen habe“, sagt Michael Sadlo, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Carla Horstkamp aus Frankfurt zur Feier anreiste. Nur drei Tage benötigte der 64-Jährige für sein Teilstück. Seit seiner Kindheit sei er begeisterter Puzzler: „Beim Puzzeln vergesse ich Raum und Zeit – ich nutze jede freie Minute dafür.“ Mit einem Lachen erinnert er sich an Duelle mit seiner Mutter: „Manchmal habe ich das letzte Teil mit in die Schule genommen, damit sie nicht vor mir fertig wird.“

Ebenfalls mitgemacht hat Lisa Rieble aus Heilbronn. Stolz erzählt sie: „Das ist das größte Puzzle, das ich je gemacht habe. Es war etwas Besonderes, ein Teil davon zu sein.“

Über 30.000 Teile von Inhaftierten gelegt – inklusive Holzrahmen und Transportplatten

Ein solches Projekt erfordere auch Verantwortung, betont Stefanie Hörter, stellvertretende Leiterin der JVA Heilbronn. „Die externen Teilnehmenden stehen sinnbildlich für die Gesellschaft: Sie treten in Kontakt mit Inhaftierten – ohne Berührungsängste.“ Das Puzzle sei ein Symbol für Resozialisierung: „Unterschiedlichste Gruppen haben hier durch ein gemeinsames Hobby zueinandergefunden.“

Stefanie Hörter, stellvertretende Leiterin der JVA, mit ihrem Team, die sich am 54.000-Teile-Puzzle beteiligt haben.
Stefanie Hörter, stellvertretende Leiterin der JVA, mit ihrem Team, die sich am 54.000-Teile-Puzzle beteiligt haben.  Foto: Kunz, Christiana

Den Großteil des Werks – rund 30.000 Teile – haben die Inhaftierten selbst gepuzzelt. Darüber hinaus waren sie auch für die Vorbereitung zuständig: In den Werkstätten fertigten sie die Platten, auf denen die Puzzle gelegt und später wieder zur JVA transportiert wurden. Den dunkelbraunen Rahmen produzierten sie in der hauseigenen Schreinerei.

„Die Inhaftierten haben dabei enorme Ausdauer und Geduld gezeigt“, sagt Stefanie Hörter. „Sie haben auch so manche Flaute überwunden und sich gegenseitig motiviert, am Ball zu bleiben.“

Puzzleprojekt als sinnvolle Freizeitbeschäftigung und Motivation für Insassen

Für Max Klamp (Name von der Redaktion geändert), Sprecher seiner Wohngruppe, war das Projekt eine willkommene Abwechslung und ein guter Zeitvertreib, wie er sagt.

Wegen Betrugs sitzt der 24-Jährige noch ein paar Monate ein. „Je mehr Teile fertig waren, desto größer war die Motivation, weiterzumachen. Am Wochenende habe ich oft vier bis fünf Stunden gepuzzelt.“ Das Projekt habe allen gutgetan, sagt er. „Wir waren dankbar, dass wir mitmachen durften.“




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