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Wie ein Haus in Heilbronn 18-Jährige vor Obdachlosigkeit bewahrt

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In Heilbronn hat die Jugendhilfe Wohnplätze für junge Volljährige ohne Zuhause geschaffen. In der Steinstraße hilft das Angebot beim Start in ein selbstständiges Leben.


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Junge Menschen ohne heimisches Umfeld, in dem sie leben können, und ohne feste Bleibe haben es schwer. Mit 18 fallen sie meist aus Jugendhilfeeinrichtungen heraus und müssen ihren Platz in der Wohngruppe räumen. Nicht wenige finden sich im städtischen Obdachlosenheim Salzgrund wieder.

Seit 2022 hält die Jugendhilfe Unterland mit dem Haus in der Steinstraße 4 in Heilbronn ein Auffangnetz für manche von ihnen parat. Denn: „Jugendhilfe für junge Volljährige nach dieser Regelung kann nur gewährt werden, sofern die Persönlichkeitsentwicklung im Hinblick auf eine selbstbestimmte, eigenverantwortliche und selbstständige Lebensführung noch nicht gegeben ist“, sagt Achim Bocher, Leiter des Amts für Familie, Jugend und Senioren in Heilbronn.  

Jugendhilfe in Heilbronn bietet ein Auffangnetz für junge Volljährige ohne festen Wohnsitz

Insgesamt gibt es acht Plätze in dem Haus mit den blauen Fensterläden. Sechs Zimmer für Männer, die sich ein Bad teilen, und eine kleine Wohngemeinschaft für zwei Frauen mit gemeinschaftlichen sanitären Einrichtungen. Bett, Tisch, Stuhl, Kommode und eine kleine Kochzeile stehen in jedem Zimmer. Voll belegt ist das Haus derzeit nicht.

Die Frauen-WG ist unbewohnt, bei den Jungs ist ein Zimmer frei, wofür aber bereits ein Anwärter in den Startlöchern steht. Noch hat er kein Okay von seinem Jugendamt nahe Karlsruhe. Bis zur Entscheidung lebt er im Obdachlosenwohnheim. 

„Nachdem Unterstützungsangebote in den zurückliegenden Jahren oft mit Wartezeiten verbunden waren, ist bei diesem Angebot mit dem Träger vereinbart, dass freie Plätze an das Jugendamt gemeldet werden“, so Bocher. Dann werde innerhalb des Jugendamtes geschaut, für wen das Angebot passend ist.

Kostenträger sind die Jugendämter

Kostenträger sind deutschlandweit die Jugendämter, oft ist jedoch das Jugendamt Heilbronn involviert. Auch Hohenlohe oder der Neckar-Odenwald-Kreis vermitteln hierhin. Anfragen hat Wohnheimsleiterin Nicole Erbacher von der Jugendhilfe Unterland aber auch über Streetworker, die vorherige Wohngruppe, das Unterstützungszentrum uwi26 der Aufbaugilde oder von den Heranwachsenden selbst.

„Eigenmotivation ist wichtig“, sagt sie. „Es geht ja darum, selbstständig zu werden.“ Bei Bedarf gehen die Sozialarbeiter mit einkaufen, sie helfen bei der Wäsche oder vermitteln Nachhilfe, Regelmäßig schauen sie, ob die Zimmer in Ordnung sind. Für die Bäder gibt es einen Putzplan. 

Die Bewohner haben Regeln zu befolgen: Alkohol, Cannabis oder andere Drogen sind verboten. Wird etwas gefunden, kann eine Abmahnung erfolgen. „Die dritte Abmahnung ist wie eine Kündigung, und sie müssen ausziehen“, sagt Nicole Erbacher. Zudem sei obligat, dass sie „bei Terminen ansprechbar sind, nicht etwa so zugekifft, dass sie nichts mitbekommen“.

Wer hier Zuflucht findet, sollte nicht als einziges Ziel haben, ein Dach über den Kopf zu bekommen. „Es geht um Weiterentwicklung“, sagt die Heimleiterin. „Sei es, sein Suchtproblem in den Griff zu bekommen, an seiner psychischen Gesundheit zu arbeiten, beruflich eine Perspektive zu finden, einen Haushalt zu führen oder anderes.“

Wenn ihre Schützlinge aktiv werden, sind das Glücksmomente

Wenn ihre Schützlinge erfolgreich in die Gänge kommen, sind das besondere Glücksmomente. Und die gibt es: Ein Bewohner lernt gerade für den Hauptschulabschluss und will Einzelhandelskaufmann lernen, einer macht eine Ausbildung, zwei absolvieren Maßnahmen übers Jobcenter. Ein junger Mann besucht sogar die Abendschule. Sein Ziel ist das Abitur, nebenher jobbt er. „Das ist aber nicht die Regel“, sagt Anna Haubold, die als Sozialarbeiterin der Einrichtung die Bewohner betreut.

Eng arbeiten die drei Sozialarbeiterinnen des Hauses mit der Berufsberatung und dem Jobcenter zusammen. Auch kleine Schritte sind für sie Erfolge: Wenn der Bewohner es aus dem Bett schafft. Um 9 Uhr wie verabredet zum Termin erscheint. Oder es hinkriegt, einen wichtigen Brief beim Jobcenter einzuwerfen. 

Häufig wird die Hilfe im Anschluss an stationäre Maßnahmen gewährt, um den Sprung zu einem eigenverantwortlichen Leben positiv zu begleiten. Obdachlose junge Menschen, die teils auch im Obdachlosenwohnheim leben, fallen nicht automatisch unter die Zielgruppe, so Bocher. Nur, wenn die Obdachlosigkeit verbunden sei mit erzieherischen Hilfebedarfen. „Das Jugendamt hat zur Klärung eventueller Bedarfslagen speziell eine Mitarbeiterin im Sozialen Dienst, die für das Obdachlosenwohnheim zuständig ist.“ 350 Euro beträgt die Miete für ein WG-Zimmer im Monat.  




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