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Iraner aus Heilbronn zu Protesten: Mullah-Regime muss fallen

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In Iran haben Menschen im ganzen Land gegen das Regime protestiert. Zwei Iraner aus Heilbronn und Stuttgart berichten, wie sie auf die Situation in ihrem Heimatland blicken.


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Seit rund zwei Wochen demonstrieren Iranerinnen und Iraner im ganzen Land gegen die Staatsführung. In der Nacht zum Freitag erreichten die Proteste ihren bisherigen Höhepunkt, Bilder in sozialen Netzwerken zeigen Menschenmassen und brennende Autos.

Ausgelöst wurde die Protestwelle im Iran durch die aktuelle Wirtschaftskrise, die hohe Inflation und den Verfall der Währung Rial. Außerdem rief Reza Pahlavi, Sohn des früheren Schahs, aus dem Exil zu Demos am Donnerstag und Freitag auf. Auf Transparenten und in Sprechchören waren Parolen wie „Pahlavi wird zurückkehren“ zu hören.

Menschen im Iran blockieren während des Protests eine Kreuzung.
Menschen im Iran blockieren während des Protests eine Kreuzung.  Foto: Uncredited/UGC/AP/dpa

Was sind die Hintergründe? Auf die Situation in Iran blickt auch ein Heilbronner Akademiker, der seit mehr als 30 Jahren in der Region lebt. Weil er regelmäßig in seine Heimat reist, will er zum Schutz vor Repressionen anonym bleiben. „Es ist einfach so, dass die Leute sehr unzufrieden sind“, erzählt er.

Heilbronner Iraner über Protestwelle im Heimatland: Regime muss weg

Auslöser der aktuellen Protestwelle seien Geschäftsleute gewesen, die aus Unmut über die hohen Preise ihre Läden geschlossen haben, zum Beispiel auf dem großen Basar in Teheran. Viele Händler im ganzen Land taten es ihnen gleich.

Aus Sicht des Exil-Iraners ist die Lage diesmal ernst. Die Protestierenden hätten iranische Flaggen heruntergerissen, manche hätten die Parole ausgegeben: Wir hören erst auf, wenn die Mullahs unter der Erde liegen. Gleichwohl sei es das Ziel Pahlavis, des einzigen ernsthaften Oppositionsführers, freie Wahlen im Iran herbeizuführen. Das gehe nur, wenn das jetzige Regime entmachtet wird. „Zuerst muss das Mullah-Regime weg.“

Hat die westliche Welt Interesse an Regime-Wechsel im Iran?

Familie und Freunde erreicht der in Heilbronn lebende Akademiker gerade nicht. „Um die mache ich mir aber keine Sorgen.“ Die Staatsführung hat wegen der Proteste das Internet abgeschaltet, Sicherheitskräfte gehen gegen die Demonstranten vor. Bisher sind laut Medienberichten mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. 

Die Ankündigung des US-Präsidenten, sich im Iran einmischen zu wollen, hält er nicht für glaubwürdig. „Für Trump spielt es doch keine Rolle, ob irgendwo Demokratie ist.“ Die Regierung in Teheran habe mit Russland und China noch mächtige Verbündete auf ihrer Seite – auch wenn das Assad-Regime in Syrien und Venezuelas Präsident Maduro nun weggefallen sind. 

Ob der Umsturz der Mullahs daher wirklich gelingen kann, ist für den Exil-Iraner nicht ausgemacht. „Einen Regimechange kann es nur geben, wenn die westliche Welt das will.“ Stattdessen überwögen jedoch wirtschaftliche Interessen. „Wenn das Land stabil ist, kann die USA keine F35-Jets nach Saudi Arabien verkaufen.“

Iraner in Stuttgart: Ein Funken reichte, damit es explodiert

Von einer ernsthaften Chance spricht ein 65-jähriger Iraner, der seit rund 25 Jahren in Stuttgart lebt und ebenfalls anonym bleiben möchte. „Ich hoffe, dass mit der Unterstützung der westlichen Länder ein Erfolg erreicht werden kann.“ Es sei jedoch wichtig, dass Europa und die USA die Protestbewegung ernsthaft unterstützen.

Die Solidarität unter den Iranerinnen und Iranern sei gerade groß. Millionen seien im ganzen Land auf die Straße gegangen, viele würden sich denken: „Schlimmer geht nicht mehr“, erzählt der Exil-Iraner. „Die Leute brauchten nur einen Funken, damit alles explodiert.“

„Zuerst ist es wichtig, dass man dieses Regime wirklich weg hat“, sagt der 65-Jährige Stuttgarter. Reza Pahlavi sei der einzige starke Charakter, der die Opposition zusammenbringen könnte. „Die Leute glauben daran und hoffen.“

Exil-Iraner schätzt Trumps Drohungen an Mullah-Regime als wirkungsvoll ein

Dass die USA sich tatsächlich direkt im Iran einmischen, glaubt er allerdings nicht. Das sei mehr eine Hoffnung, die die Protestbewegung am Leben hält. „Viele haben Straßen in Trump-Straße umbenannt.“ Vielen sei noch sehr präsent, dass Ex-US-Präsident Barack Obama mit dem Mullah-Regime zusammengearbeitet hat.

Auch dass sich das Regime aktuell mit Repressionen gegen Demonstranten etwas zurückhält, so der Eindruck des Stuttgarters, könne eine Nebenwirkung von Trumps Drohungen sein. Der Republikaner hatte angekündigt, die iranische Staatsführung „hart bestrafen“ zu wollen, wenn sie Demonstranten tötet. 

Auch der Exil-Iraner in Stuttgart hat aktuell keinen Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten. Viele von ihnen würden im Epizentrum der Protestwelle leben. Ob er sich um sie sorgt? „Wir haben immer Sorgen“, sagt er und lacht. 




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