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Auszeichnung

Jean Asselborn erhält Integrationspreis beim Diaphania-Neujahrsfest in Heilbronn

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Jean Asselborn, früherer Vize-Premier von Luxemburg, wurde beim Neujahrsfest der Diaphania-Gesellschaft in Heilbronn mit dem Integrationspreis geehrt. Die Veranstaltung stand im Zeichen von Völkerverständigung, Zusammenhalt und klarer Haltung für Europa.


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Brechend voll war der Abraham-Gumbel-Saal in der VR-Bank Heilbronn-Schwäbisch Hall in der Heilbronner Allee zwar nicht, aber das 21. Internationale Neujahrsfest der Diaphania-Gesellschaft war gut besucht. Und auch international, wie die spontanen Neujahrsgrüße aus dem Publikum von polnisch, portugiesisch, ungarisch, griechisch, rumänisch, aramäisch, hebräisch, Farsi, natürlich luxemburgisch, belgisch und niederländisch, deutsch, englisch und französisch bewiesen.

Jean Asselborn in Heilbronn geehrt – „Bis ins Mark überzeugter Europäer“

Gelebte Integration sei das Ziel des Engagements von Diaphania, so der stellvertretende Vorsitzende Willem Buesink in seiner Begrüßung. Der diesjährige Träger des Integrationspreises Jean Asselborn sei ein „bis ins Mark überzeugter Europäer“.

Der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel ist noch dran, den einst dienstältesten Außenminister in Europa dazu zu überreden, „seinen Hauptwohnsitz nach Heilbronn zu verlegen“. Im derzeitigen „geopolitischen Irrsinn“ gebe es „keine andere Haltung als Zuversicht“, so Mergel.

Nicky Gumbel, Jean Asselborn, VR-Bank-Vorstand Daniel Mohr, Evelyne Gebhardt und der Diaphania-Vorsitzende Evangelos Goros (von links).
Nicky Gumbel, Jean Asselborn, VR-Bank-Vorstand Daniel Mohr, Evelyne Gebhardt und der Diaphania-Vorsitzende Evangelos Goros (von links).  Foto: Berger, Mario

Integrationspreis in Heilbronn verliehen: Diaphania steht für Völkerverständigung, Menschlichkeit und Frieden

Regierungspräsidentin Susanne Bay griff diesen Gedanken auf und lobte Diaphania für den „bewussten Einsatz für Völkerverständigung, Menschlichkeit und Frieden. So entsteht Zusammenhalt und Verständnis füreinander.“ Diaphania bedeute „erhellen“, und dies fördere „Verständnis in einer komplexen Wirklichkeit. Ihre Arbeit macht die Welt ein klein wenig besser.“

Nicky Gumbel aus London, Nachfahre des in Stein am Kocher geborenen Gründer des Heilbronner Bankvereins Abraham Gumbel, gab Einblicke in die „Familie, die ich nie hatte“. Nach der Flucht aus Nazi-Deutschland sprach sein Vater Walter nie über die Vergangenheit, auch deutsch, von dem er nur „Danke schön!“ und „Guten Tag!“ könne, durfte er nie lernen.

Erst kürzlich habe er einige Kisten mit Tagebüchern seines Vaters erhalten, darunter auch Briefe von Abraham Gumbel. „Er hat mir nichts erzählt, aber alles hinterlassen.“

Nachfahr Nicky Gumbel findet im Nachlass Briefe von „Uncle Abraham“ 

Nun wolle er ein Buch über seine Familie schreiben, in der die Heilbronner Zeit besonders beleuchtet wird. Die Stadt kommt dabei aber nicht immer gut weg: „Niemand geht nach Heilbronn, es sei denn, man muss“, hatte „Uncle Abraham“ dem neunjährigen Walter geschrieben. Gumbel wäre heute vom Integrationsgedanken begeistert, stellte sein Nachfahr fest.

Evelyne Gebhardt, frühere Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, stellte den ehemaligen Vize-Premierminister von Luxemburg Jean Asselborn als „genau die richtige Persönlichkeit“ für den Preis dar. „Er hat sich jahrzehntelang unermüdlich für eine Werte-Politik in Europa eingesetzt.“ Die EU sei mehr als ein Wirtschaftsbündnis, sie sei eine „Union gemeinsamer Werte wie Friede und Menschlichkeit“. Jean Asselborn habe mit „teils scharfen Worten stets gesagt, was Sache ist. Mit Klarheit und Mut“ habe Asselborn Position bezogen, „besonders wenn es unbequem ist. Glaubwürdige Politik beruht auf Haltung.“ Von den vielen Auszeichnung sei der Integrationspreis sicher sein schönster.

Jean Asselborn in Heilbronn: „Wir leben in einer Welt, die leicht verrückt ist.“

Jean Asselborn dankte, wie gewohnt, mit deutlichen Worten zur derzeitigen Lage: „Wir leben in einer Welt, die leicht verrückt ist.“ Bezeichnenderweise zog gerade der pro-kurdische Demonstrationszug mit knapp 2000 Menschen an den Fenstern des Abraham-Gumbel-Saals vorbei, als Asselborn das Eingreifen der UNO im Iran forderte, „um dem Morden ein Ende zu setzen“.

Und, das stellte der Politiker fest, der sich „in Heilbronn sehr wohl fühlt“: „Wir dürfen den Mut nicht verlieren!“ Sein Wunsch bei den anstehenden Wahlen ist: „Deutschland verträgt kein Rechtsaußen. Wenn wir in der Welt überleben wollen, verdienen die Parteien, die Europa schwächen und kaputt schlagen wollen, kein Kreuz.“




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