Katastrophenschutzübung in Heilbronn: 400 Einsatzkräfte proben den Ernstfall
Rund 400 Einsatz- und Rettungskräfte haben am Samstag in Heilbronn den Ernstfall geprobt. In der großangelegten Katastrophenübung „Aqua alta“ haben sie den angenommenen gestiegenen Wasserpegel gebändigt.
Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungsdienste beteiligen sich an der konzertierten Aktion. Auch die Bundeswehr ist vor Ort. Die Koordination übernimmt die Berufsfeuerwehr Heilbronn. „Es ist wichtig, das Zusammenwirken aller Hilfsorganisationen zu üben“, sagt Feuerwehrkommandant Fabian Müller. Rund 400 Einsatz- und Rettungskräfte proben in der Katastrophenübung „Aqua alta“ (Hochwasser) den Ernstfall.
Katastrophenschutzübung in Heilbronn: Einsatzkräfte proben den Ernstfall
Alarmstufe Rot in Heilbronn. Der Pegel des Neckars hat in Lauffen die 7,50-Meter-Marke erreicht. Heilbronn hat keinen eigenen Pegelmesser. Für die Einsatzkräfte vor Ort ist aber klar: Ein Jahrhunderthochwasser ist auf dem Weg in die Käthchenstadt. Viel Zeit bleibt den Einsatzkräften vor Ort nicht. Jetzt muss es schnell gehen.
„So viele Hilfskräfte zu koordinieren ist nicht einfach“, sagt der Feuerwehrkommandant, während seine Männer unterhalb der Erwin-Fuchs-Brücke das neue Hochwassersystem „Aqua Riwa“ aufbauen. Dabei handelt es sich nicht um mobile Stellwände, sondern um Glasfaserplatten, die sich zu Fässern zusammenrollen lassen. „Sie sind einfacher zu transportieren als Sandsäcke“, sagt Feuerwehrsprecher Jürgen Vogt.
Einsatzkräfte bekämpfen bei Übung in Heilbronn Wasser mit Wasser
Nachdem die Platten zusammengerollt, aufgestellt und auf gut 200 Metern aneinander gereiht sind, kleiden sie die Feuerwehrleute innen mit zwei Schichten Plastikfolien aus und füllen sie anschließend mit Wasser. Damit die Barriere genügend Gewicht hat, um dem Druck des Neckarwassers standzuhalten. „Wir bekämpfen Wasser mit Wasser“, erklärt Jürgen Vogt.
Währenddessen brausen mehrere Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht und Sirene über die Otto-Konz-Brücke. Das ist keine Übung, sondern ein echter Alarm. Die Einsatzkräfte rücken zu einem Wohnungsbrand in der Heilbronner Werderstraße aus. „Es gibt eine verletzte Person“, hat Jürgen Vogt über Funk erfahren.

Für die Großübung wird parallel das Hochwasser-Sperrtor in der Badstraße heruntergelassen. Der 30 Meter lange Stahlbau aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bewegt sich mit zwei Millimetern pro Sekunde im Schneckentempo nach unten. Nach rund 45 Minuten hat das Tor den Wasserspiegel erreicht. Damit ist der alte Neckararm beim Abzweig zum Neckarkanal von Hochwasser abgeschnitten. Die Fluten bahnen sich jetzt ihren Weg an der Innenstadt vorbei. Wenige Meter danach werden sie von dem Hochwassersystem „Aqua Riwa“ daran gehindert, übers Ufer zu treten.
Oberbürgermeister Mergel: Wir müssen auf den Ernstfall vorbereitet sein
Erst zwei Tage zuvor hat die Verwaltung eine Stabsübung abgehalten. Für Bürgermeisterin Agnes Christner ist es am Samstag besonders wichtig zu sehen, welche konkreten Auswirkungen die Anweisungen von der Stabsstelle haben. Auch Oberbürgermeister Harry Mergel ist am Samstagvormittag vor Ort. „Aufgrund des Klimawandels werden die Wetterlagen extremer“, so Mergel. Die Hochwasser in Braunsbach und im Ahrtal hätten gezeigt, „dass auch wir nicht vor solchen Katastrophen geschützt sind“, sagt der Oberbürgermeister. „Aber auch wenn wir hoffen, dass wir nie in so eine Situation kommen, müssen wir auf den Ernstfall vorbereitet sein“, hebt Mergel die Bedeutung der Großübung hervor.
Die Heilbronner Innenstadt bleibt vom übertretenden Wasser des Neckars zwar verschont. Trocken bleibt sie deswegen längst nicht. Der Druck in der Kanalisation steigt und spült das Wasser an die Oberfläche. Keller laufen voll. Betroffen soll bei der Übung auch das Seniorenzentrum Johanniter-Haus in der Mozartstraße sein. Die Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) lassen sich von der Heimleitung die Situation schildern. Demnach ist der Keller voll. 65 Personen sind im Haus. Davon ist eine bettlägrig.
Seniorenzentrum evakuiert: Für eine Person kommt die Drehleiter zum Einsatz
Andreas Giel von der Kreisbereitschaftsleitung des DRK-Kreisverbandes Heilbronn koordiniert, was jetzt zu tun ist. Die Bewohner werden evakuiert. Für eine Person ist dafür ein Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr notwendig. Die spektakuläre Aktion zieht auch Zuschauer an. Etwa zeitgleich ist die Rettungshundestaffel in der Stauwehrhalle in Horkheim im Einsatz. Dort üben die ausgebildeten Hunde, eine vermisste Person aufzuspüren.

Die Stuttgarter Regierungspräsidentin und ehemalige Heilbronner Stadträtin Susanne Bay ist bei der Übung auch vor Ort. Sie zeigt sich nicht nur davon beeindruckt, „wie hier eines ins andere greifen muss“. Sie würdigt auch das Engagement vieler Ehrenamtlicher. „Sie verbringen ihren freien Samstag hier, damit sie möglichst viel für die Sicherheit der Bevölkerung tun“, sagt Susanne Bay.
Bei der großangelegten Übung für ein Jahrhunderthochwasser in Heilbronn waren rund 400 Einsatz- und Rettungskräfte beteiligt. Neben der Feuerwehr, dem Rettungs- und Sanitätsdienst waren auch das Technische Hilfswerk (THW), die Rettungshundestaffel, die Notfallseelsorge, das DLRG, die Polizei, der Kommunale Ordnungsdienst sowie das Johanniter-Haus beteiligt.
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