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11. Januar 1985
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Gedenken auf der Waldheide: Heilbronn erinnert an Pershing-Unfall vor 41 Jahren

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Oberbürgermeister Harry Mergel und Repräsentanten der US-Army sind am Sonntag auf der Heilbronner Waldheide zusammengekommen, um der Opfer des Pershing-Raketenunfalls von 1985 zu gedenken. Dabei ging es auch um einen Blick auf die Gegenwart.


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Am Sonntag (11. Januar) hat auf der Waldheide in Heilbronn eine Gedenkveranstaltung an den Pershing-Raketen-Unfall von 1985 stattgefunden. Die Stadt hatte zu der Feier geladen, die um 14 Uhr am Gedenkstein auf dem ehemaligen US-Militärgelände begann. Oberbürgermeister Harry Mergel ging in einer Ansprache auch auf die aktuellen Entwicklungen im Weltgeschehen ein. „Nach Jahrzehnten der Abrüstung führen überall wieder die Falken das Wort“, mahnte er. In der Militärsprache sind Falken Personen, die eine interventionistische Außenpolitik befürworten.

Gedenkveranstaltung zum Pershing-Unglück auf der Heilbronner Waldheide

Repräsentanten der US-Army sowie Veteranen des damaligen US-Stützpunkts waren ebenfalls anwesend. Die Stadt Heilbronn stellte einen Gedenkkranz. Ebenso brachten US-Veteranen einen Kranz mit. Am 11. Januar 1985 war bei einer Übung auf dem Gelände des damaligen US-Militärstützpunkts „Fort Redleg“ der Motor einer Pershing-Rakete in Brand geraten. Drei US-Soldaten verloren bei diesem Unfall ihr Leben. Oberst James Turner von der US Army bedankte sich dafür, dass in Heilbronn die Erinnerung an die verstorbenen Soldaten wach gehalten werde. „Ich schätze das sehr“, so Turner.


Bundeswehr-Reservist Matthias Stahlich (74) aus Lauffen sagte, auch ihm gehe es heute „um Kameraden, die im Dienst ihr Leben verloren haben“. Deshalb sei er als Besucher zur Feier gekommen. Er zitierte das Motto der Nato: „Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit.“ Das sei heute sehr aktuell. Freiheit sei etwas, was man verteidigen müsse, so Stahlich.

Waldheide-Unglück: Als Heilbronn von Atomraketen auf dem US-Stützpunkt erfuhr

Die Nachricht vom Unglück auf der Waldheide löste damals in Heilbronn große Betroffenheit aus. Vor allem: Plötzlich „war die Gewissheit da, dass auf dem „Fort Redleg“ genannten US-Stützpunkt definitiv Atomraketen lagerten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Heilbronn. Die Geheimhaltung in den Jahren zuvor hatte die Bevölkerung bis dahin im Unklaren gelassen.

Renate Schwalb aus Heilbronn war dieses Jahr erstmals bei der Gedenkfeier dabei. Sie erinnerte sich, wie sie und ihr Mann damals auf der Rückfahrt vom Skiurlaub von der Explosion im Radio hörten. „Wir haben uns gefragt, ob wir überhaupt zurück nach Heilbronn können.“

Gedenken der im Januar 1985 bei einer Raketenexplosion verstorbenen US-Soldaten (von links): US-Veteran Larry D. Nichols, OB Harry Mergel, US-Veteran Joe D. Brown, US-Army-Oberst James Turner.
Foto: Adrian Hoffmann
Gedenken der im Januar 1985 bei einer Raketenexplosion verstorbenen US-Soldaten (von links): US-Veteran Larry D. Nichols, OB Harry Mergel, US-Veteran Joe D. Brown, US-Army-Oberst James Turner. Foto: Adrian Hoffmann  Foto: Hoffmann, Adrian

Stille Würde, aber auch Erinnerung an die kritische Auseinandersetzung mit Militärgeschichte

In Heilbronn formierte sich ein Bürgerprotest, der sich in Demonstrationen wie dem sogenannten „Marsch der Zehntausend“ ausdrückte. Der Protest richtete sich nicht nur gegen die konkrete Gefahr, die vom Unfall ausging, sondern auch gegen die generelle Präsenz von Atomwaffen in Heilbronn. Ehepaar Schwalb lief bei den Demos mit. Heinz Schwalb blickte nun ins Heute: Die Überlegung, dass atomare Mittelsteckenraketen in Deutschland stationiert werden könnten, empfindet er als sehr beunruhigend. „Diese wären das erste Ziel feindlicher Kräfte.“

Die Gedenkveranstaltung am Sonntag war von stiller Würde geprägt, zugleich aber auch eine Erinnerung an die kritische Auseinandersetzung mit der lokalen Militärgeschichte. Matthias Jüllich (80) gehörte zu den Mitgliedern der Feuerwehr, die nach dem Unglück im Einsatz waren. Er erinnerte sich, wie beim Eintreffen der Feuerwehr die US-Soldaten in Panik gewesen seien. „Die wussten nicht, was los war.“




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