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Heilbronn prüft Partnerschaft mit Clovis: Rodeo trifft Weindorf als gemeinsame Idee

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US-Stadtrat Drew Bessinger will Städtepartnerschaft zwischen Clovis in Kalifornien und Heilbronn initiieren. Am Entertainment-Faktor wird der Plan sicher nicht scheitern.  

Drew Bessinger war viele Jahre der Polizeichef im kalifornischen Clovis, ist inzwischen aber pensioniert.
Drew Bessinger war viele Jahre der Polizeichef im kalifornischen Clovis, ist inzwischen aber pensioniert.  Foto: privat

An einem Fakt ist nicht zu rütteln: Drew Bessinger besitzt Entertainer-Qualitäten. Der US-Amerikaner mit der donnernden Stimme ist schon allein wegen seines schier unendlichen Anekdoten-Fundus die perfekte Wahl für den Zeremonienmeister einer Städtepartnerschaft. Eine ebensolche würde der 68-Jährige gerne zwischen seiner Heimatstadt Clovis in Kalifornien und Heilbronn initiieren. Die Freien Wähler haben dazu einen Prüfungsantrag für die nächste Gemeinderatssitzung eingebracht. 

Entfernungen entsprechen amerikanischen Maßstäben 

„Die Städte sind ähnlich groß, gut erreichbar und haben touristisch viel zu bieten“, wirbt Bessinger. Clovis liegt vor den Toren Fresnos mit seinem internationalen Flughafen. Ähnlich verhält es sich mit Heilbronn und Stuttgart. Selbst der Wein ist ein verbindendes Element. „Wir liegen nahe des Napper Valley, der wichtigsten Weinbauregion Kaliforniens“, sagt Bessinger. 

Allerdings wendet er bei seinen Entfernungsangaben gerne die amerikanischen Maßstäbe an. Eine Drei-Stunden-Autofahrt entspricht ungefähr dem Gang um die nächste Ecke. „Zwei Stunden nach Los Angeles, zwei Stunden nach San Francisco, zwei Stunden zum Yosemite-Nationalpark“, zählt Bessinger die naheliegendsten touristischen Ziele auf. 

Das alljährliche Rodeo ist das Top-Ereignis in Clovis 

Zuallererst geht es ihm aber natürlich um Clovis, die Stadt im Central Valley, der er viele Jahre als Polizeichef diente und zwei Jahre sogar als Bürgermeister vorstand. Nach wie vor ist Bessinger Mitglied des Stadtrats. „Was für Heilbronn das Weindorf, ist für Clovis das Rodeo“, erklärt der Familienvater. Von der gesamten Westküste, aus Mexiko, sogar aus Südamerika kämen die besten Cowboys alljährlich nach Clovis. „Wenn jemand so verrückt ist, sich auf einen Bullen zu setzen, dann muss ich einfach dabei sein“, bringt Bessinger den Reiz des Rodeos auf den Punkt und lässt dann sein dröhnendes Lachen hören.    

In Berchtesgaden hat Drew Bessinger seine bayrische Tracht erworben. Den Garten in seinem Haus baut der Kalifornier gerne mal zu einem echten Biergarten um.
In Berchtesgaden hat Drew Bessinger seine bayrische Tracht erworben. Den Garten in seinem Haus baut der Kalifornier gerne mal zu einem echten Biergarten um.  Foto: privat

Seine Verbindungen nach Deutschland reichen bis weit zurück ins 19. Jahrhundert. „Mein Ururgroßvater stammt aus Baden-Baden und ist in die USA ausgewandert. Mein Vater geriet im Zweiten Weltkrieg als Soldat in deutsche Gefangenschaft, wurde im Lager Sandbostel nahe Bremerhaven interniert. Ich selbst kam 1977 als Soldat nach Heilbronn“, berichtet Bessinger. War das nicht ein beklemmendes Gefühl, in das Land zu kommen, das dem Vater viel Leid zugefügt hatte? „Nein, denn das war vorbei. Es war ein ganz anderes Deutschland, in das ich gekommen bin“, betont Bessinger. 

Heirat in Heilbronn, Feier in Ludwigsburg 

Da er bei der Militärpolizei tätig war, kam er schnell in Kontakt mit deutschen Kollegen. Vergehen amerikanischer Armeeangehöriger mussten schließlich in Kooperation ermittelt werden. „Cops ticken überall auf der Welt gleich. Die deutschen Kollegen wurden sehr schnell Freunde und haben mich überallhin mitgenommen. Besonders die Besenwirtschaften haben mir sofort gefallen“, erzählt Bessinger - untermalt von seinem schallenden Gelächter.  

Noch während seiner Zeit in Deutschland lernte Bessinger seine Frau kennen, sie heirateten in Heilbronn, feierten in Ludwigsburg. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten hielt er zunächst telefonisch Kontakt zu den Freunden in Deutschland. Erst 2003 kam es zu einem ersten Besuch, seitdem war Bessinger alle zwei, drei Jahre in Deutschland. Einerseits auf den Spuren seiner Vorfahren und besonders seines Vaters. Andererseits, um seinem Sohn Deutschland zu zeigen und natürlich um die alten Freunde wiederzusehen. 

Bessinger ist immer für eine Überraschung gut

Die wissen, dass bei Drew Bessinger mit allem zu rechnen ist. Seinen Freund Dieter Bertsch rief er einmal zu seinem Geburtstag an. Während die beiden noch telefonierten, klingelte Bessinger bereits an dessen Haustür in Erlenbach. Eine Überraschungsnummer ganz im Sinne des Kaliforniers. Am Entertainment-Faktor sollte eine Städtepartnerschaft sicher nicht scheitern. 




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