„Die Welt schaut weg“: Kundgebung zur Lage in Nordost-Syrien auf dem Kiliansplatz
In Nord- und Ostsyrien ist die demokratische Selbstverwaltung bedroht. Es erfolgen gezielte Angriffe auf die Rechte von Frauen. Das möchten die Mitglieder des Vereins Familien für den Frieden nicht unkommentiert geschehen lassen.
Bei Monika und Volker Bunse ist das Entsetzen groß: „Es toben Kämpfe, es kommt zu Entführungen – und die Welt schaut weg. Wir sind einfach wütend“, sagt Monika Bunse. Im Nordosten Syriens liefern sich Regierungstruppen unter Interimspräsident Ahmed al-Scharaa mit den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) Kämpfe um Macht, Einfluss und Gebietskontrolle. Immer wieder ist es in den vergangenen Wochen zu Gefechten gekommen.
In den Gebieten unter kurdischer Selbstverwaltung liegen die meisten Ölfelder Syriens. Die Kurden werfen der Übergangsregierung zudem Verbindungen zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) vor. IS-Kämpfer seien in Sicherheitsstrukturen des neuen Regimes integriert worden. In den umkämpften Gebieten herrschen prekäre humanitäre Bedingungen. Medizin- und Lebensmittelvorräte sind weitgehend erschöpft. Teilweise sind die Umstände lebensbedrohlich.
Pro-kurdische Kundgebung in Heilbronn: Frauenrechte und Demokratie in Syrien gefährdet
Um auf die Lage in Syrien, in der Region Rojava, aufmerksam zu machen, hat das Ehepaar Bunse als Veranstaltungsleiter und Vertreter des Vereins Familien für den Frieden an diesem Freitagabend ab 17 Uhr eine Kundgebung auf dem Heilbronner Kiliansplatz organisiert. Monika Bunse: „In den umkämpften Gebieten sind Frauenrechte und die Demokratie in Gefahr.“
Es gebe Berichte, dass gezielt IS-Kämpfer aus Gefängnissen befreit wurden. „Das betrifft auch uns, da so die Gefahr vor Anschlägen in Europa steigt“, sagt Volker Bunse. Monika Bunse betont: „Die Menschen dort brauchen eine demokratische Selbstverwaltung statt autoritärer Herrschaft.“ Die Reden bei der Kundgebung erfolgen sowohl auf Deutsch als auch auf Kurdisch. Ein Kind hält ein Plakat mit dem Satz „Rettet die Frauen in Rojava“ nach oben, Hunderte sprechen sich lautstark für internationale Solidarität aus. Laut Polizei verläuft die Veranstaltung mit ihren 250 Teilnehmern komplett friedlich.
Lage in Nordost-Syrien: Weitere Kundgebung in Heilbronn am Samstag
Der seit 2022 bestehende Verein Familien für den Frieden setzt sich für ein harmonisches Zusammenleben vielfältig zusammengesetzter Gesellschaften, vor allem in den kurdischen und multiethnisch geprägten Siedlungsgebieten in den vier Nationalstaaten Türkei, Irak, Iran und Syrien ein und macht die Öffentlichkeit auf aktuelle dortige Entwicklungen aufmerksam. Die Vereinsmitglieder unterstützen demokratische Fortschritte und Bildungsprojekte.
Im Zuge eines privat organisierten pro-kurdischen Demonstrationszugs am Samstag, 24. Januar, kommt es zwischen 15 und 18 Uhr in der Heilbronner Innenstadt zu Verkehrsbeeinträchtigungen.Über die Karlsruher Straße, die Südstraße, die Urbanstraße, die Straße Am Wollhaus sowie über die Allee geht es zum Ziel am Flügelnussbaum neben der Harmonie. Dort wird die Abschlusskundgebung stattfinden. Das Motto dieser Veranstaltung ist die „Aktuelle Lage in Rojava und Rojhilat“. Die Heilbronner Stadtverwaltung rechnet dabei mit rund 1000 Teilnehmern.
Bereits am Donnerstagabend kam es im Zuge einer Wahlkampf-Veranstaltung der AfD zu Protesten in der Heilbronner Innenstadt nahe der Harmonie.
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