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Absolventen und Abbrecher

„Haben Verantwortung“: So hilft die Hochschule Heilbronn Studenten zum Abschluss

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850 Studierende haben ihr Studium an der Hochschule Heilbronn abgeschlossen. Schwieriger einzuordnen: 320 Abbrecher in zwei Jahren. Neu ist ein Unterstützungsangebot mit der TU München.

Die Hochschule Heilbronn versteht sich als Hochschule der Region: Im vergangenen Wintersemester haben 850 Studenten einen Abschluss bekommen.
Die Hochschule Heilbronn versteht sich als Hochschule der Region: Im vergangenen Wintersemester haben 850 Studenten einen Abschluss bekommen.  Foto: Seidel, Ralf

An der Hochschule Heilbronn (HHN) haben in den vergangenen zwei Jahren 320 Studenten ihr Studium vorzeitig beendet – ohne Abschluss. Was landläufig generell als Studienabbrecher bezeichnet wird, hat viele Gründe. Von einer „komplexen Realität“ spricht Professor Ulrich Brecht, der an der HHN als Prorektor für Studium und Lehre zuständig ist.

Manche hören aus familiären Gründen auf, bekommen Kinder oder kümmern sich um pflegebedürftige Eltern, sagt er. Andere stellen nach zwei Semestern fest, dass ein Studium nichts für sie ist und wechseln in einen Beruf. Andere wiederum hören mit Maschinenbau auf und machen mit Elektrotechnik weiter. Für den einen Studiengang ein Abbrecher, für den anderen ein Plus. 202 solcher Wechsler zählte die Hochschule in den vergangenen beiden Jahren. Zudem gibt es jene Studenten, die zu häufig durch Prüfungen fallen. „Es hat eine Vielzahl an Gründen“, blickt Ulrich Brecht auf Personen, die mit einem Studium ohne Abschluss aufhören.

Die Hochschule bietet den Studenten eine Vielzahl an Hilfen an. So gibt es an der HHN auch Hinweise, wo man sich beispielsweise über eine Berufsausbildung informieren kann – „eine Alternative für Studienaussteiger“, wie es auf einem Flyer heißt. „Abbrechen heißt nicht, zu scheitern“, betont Ulrich Brecht. „Man hört mit etwas auf und hat seine Gründe dafür.“

Hochschulzugangsberechtigung: Hochschule Heilbronn will Absolventen zum Abschluss helfen

Die Hochschule fühlt sich den Studenten gegenüber verpflichtet, die schließlich mit einer Hochschulzugangsberechtigung gekommen seien. Man haben daher die Verantwortung, so Ulrich Brecht, dass die jungen Menschen auch ein Studium abschließen. 

Eine Vielzahl an Angeboten gibt es bei der Hochschule, um Studenten dabei zu unterstützen. Wichtig ist die Beratung und Begleitung im Grundstudium.

Orientierungssemester, Mathelernzentrum: Das bietet die Hochschule Heilbronn an

Im sogenannten Orientierungssemester können Studenten in mehrere Studiengänge reinschnuppern, ohne sich von Beginn an für einen festlegen zu müssen. „Es wird sehr gut angenommen“, so Ulrich Brecht, zuletzt waren es 99 Studenten. Viele entschieden sich wegen dieses Angebots für die HHN, die zwei Standorte in Heilbronn hat, zudem die Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau und den Campus in Schwäbisch Hall.

Zudem haben die Verantwortlichen in den Studiengängen die Leistungen der Studenten im Blick. Wer beispielsweise nicht so vorankommt, wie zu erwarten ist, dem biete man ein Gespräch an, so Ulrich Brecht.

Ähnlich ist bei sogenannten Angstfächern wie Mathe oder Physik. Auch hier achten die Verantwortlichen darauf, wer Prüfungen aus dem Weg gehen will. Die Hochschule reagiert mit dem sogenannten Mathelernzentrum, das es bislang nur am Techcampus in Sontheim gibt, aber demnächst auf den Bildungscampus erweitert wird. Das Hilfsangebot stehe als offene Sprechstunde allen zur Verfügung, so Ulrich Brecht.

Hochschule Heilbronn testet KI-Tutor der Technischen Universität München (TUM)

Neu ist eine Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München (TUM). Die Hochschule will im Wintersemester einen sogenannten KI-Tutor testen, den die TUM entwickelt hat. Einige Dozenten stellen der Künstlichen Intelligenz ihre Unterlagen zur Verfügung. Studenten, die Inhalte nicht verstanden haben, können bei der KI Antworten bekommen. Oder sie können sich Fragen zum Thema anzeigen lassen. Ein großer Vorteil dieser Lösung ist aus Sicht des Prorektors: Der Chatbot antwortet gezielt aufgrund der Unterlagen der HHN. „Es ist vorlesungsspezifisch“, so Ulrich Brecht.  

Das eine sind die Angebote, mit denen die Hochschule die Studenten unterstützen will. Das andere sind die Studenten selbst. „Wir müssen ehrlich sein“, sagt Ulrich Brecht, „die Studenten müssen die Notwendigkeit erkennen und sich ihren Schwächen stellen.“ Wer sich auf die Programme einlasse, der profitiere davon. Davon ist der Prorektor überzeugt: „Die Angebote helfen jenen, die da sind.“ Erfahrungen zeigen: Viele wechseln nur den Studiengang. „Sie bleiben bei uns“, so Ulrich Brecht.

Im Wintersemester 2023/2024 haben 889 Studenten einen Abschluss gemacht, ein Jahr später waren es 847. 784 Studenten haben im Sommer 2023 die Hochschule mit einem Abschluss verlassen, 851 waren es ein Jahr später. Die Zahlen schwanken stets in diesem Bereich, so Prorektor Ulrich Brecht. „Die Studienverläufe sind unterschiedlich.“ Generell aber schließen zwischen 80 und 90 Prozent der Studenten ihr Studium in der Regelstudienzeit ab.




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