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Vorwurf der NS-Nähe: Heilbronn benennt Gerhart-Hauptmann-Grundschule um

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Der Heilbronner Gemeinderat hat beschlossen, die Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Heilbronn umzubenennen. Hintergrund ist ein Gutachten zur NS-Belastung des Namensgebers.


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Die Gerhart-Hauptmann-Grundschule in der Karlstraße 154 ist in Heilbronn der einzige städtische Neubau einer Schule seit 40 Jahren. Am 28. Juni 2022 wurde der Neubau, der insgesamt 16 Millionen Euro gekostet hat, offiziell eingeweiht. Die ursprüngliche Gerhart Hauptmann-Schule hatte im Jahr 2018 ihr bisheriges Schulgebäude, das sich ebenfalls in der Karlsstraße befand, für die Fritz-Ulrich-Gemeinschaftsschule freigemacht.

Nun hat der Heilbronner Gemeinderat am 26. Februar, vier Jahre nach der Einweihung, entschieden, die Schule zum Beginn des kommenden Schuljahres am 1. August 2026 in „Grundschule am Pfühlpark“ umzubenennen. Was mit der Gerhart-Hauptmann-Büste im Eingangsbereich der Schule passiert ist noch offen.  

Heilbronner Gemeinderat beschließt Umbenennung der Gerhart-Hauptmann-Grundschule

Hintergrund der Entscheidung ist ein Gutachten zur NS-Belastung von Namensgebern für Heilbronner Verkehrswege und Gebäude, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte. In dem Gutachten kommt die Historikerin Susanne Wein zu dem Schluss, dass sich Gerhart Hauptmann „von den Nationalsozialisten hofieren ließ und Freundschaften bis in hohe Ebenen der Repräsentanten des NS-Regimes pflegte“.

Die neue Gerhart-Hauptmann-Schule in der Heilbronner Karlsstraße wird in Grundschule am Pfühlpark umbenannt.
Die neue Gerhart-Hauptmann-Schule in der Heilbronner Karlsstraße wird in Grundschule am Pfühlpark umbenannt.  Foto: Ralf Seidel

Deshalb empfahlen Wein und eine Expertenkommission mit dem ehemaligen Leiter des Heilbronner Stadtarchivs Christhard Schrenk die Umbenennung der Schule.                 

Am neuen Namen „Grundschule am Pfühlpark“ scheiden sich die Geister 

Auch die Stadtverwaltung empfahl die Namensänderung. Dem schloss sich im Rat die CDU-Fraktion an. „Wir begrüßen die Umbenennung der Schule. Sie zeigt den Wandel im Umgang mit der NS-Zeit“, unterstreicht Stadtrat Albrecht Merkt.

Dagegen lehnt Raphael Benner die Umbenennung ab. „Es gibt einige Städte in Deutschland die eine Gerhart-Hauptmann-Schule haben und keinen Grund für eine Umbenennung sehen“, begründet der AfD-Fraktionsvorsitzende die Entscheidung seiner Fraktion. Zudem kritisiert er den Zeitpunkt kurz nach der Einweihung. Eine klare Zustimmung für die Umbenennung der Schule signalisieren die Grünen und die SPD. Tanja Sagasser-Beil hätte sich aber „eine Frau mit Literaturhintergrund“ als Namensgeberin gewünscht.           

Gerhart Hauptmann gilt als der bedeutendste deutsche Vertreter des Naturalismus. Seine Dramen „Bahnwärter Thiel“, „Der Biberpelz“, „Vor Sonnenaufgang“ und vor allem „Die Weber“ rücken die schwierige soziale Lage der Menschen während der Industrialisierung im wilhelminischen Kaiserstreich in den Blickpunkt. 1912 erhielt der in Niederschlesien geborene und dort lebende Schriftsteller und Dramatiker für sein Werk den Nobelpreis für Literatur. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zeigte er sich zumindest in den Anfangsjahren durchaus fasziniert von der Bewegung. Insgesamt gilt seine Rolle gegenüber der NS-Bewegung aber als ambivalent. 

Kritik am Zeitpunkt der Umbenennung  

„Wir hätten uns gewünscht, dass die Schulkonferenz zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen wäre“, kritisiert Michael Kuhn von den Freien Wählern. Das oberste Mitwirkungs- beziehungsweise Beschlussgremium an Schulen, in dem Lehrer, Eltern und Schüler vertreten sind, hatte im Dezember 2025 zwar mit neun Jastimmen, bei einer Neinstimme und zwei Enthaltungen der Rücknahme des Namens zugestimmt, bei der Umbenennung in „Grundschule am Pfühlpark“ gab es allerdings nur fünf Jastimmen, bei drei Neinstimmen und vier Enthaltungen.

Wenig überzeugt zeigte sich Gottfrid Friz, der eine geteilte Abstimmung seiner Partei ankündigte. „Mich haben die Gründe nicht überzeugt und die Verdienste von Gerhart Hauptmann wurden viel zu wenig gewürdigt“, begründet der FDP-Stadtrat den Schritt. „Es gibt fast 50 Schulen in Deutschland, die den Namen Gerhart Hauptmann weiter tragen“, wirft Marion Rathgeber-Roth in die Diskussion. Die Stadträtin der Unabhängigen für Heilbronn kritisiert zudem ebenfalls den Zeitpunkt der Umbenennung.               

Keine namentliche Abstimmung 

Und während Einzelstadtrat Alexander Wezel (die Partei) eine namentliche Abstimmung beantragt, spricht Alfred Dagenbach davon, „dass es irre ist, was heute abläuft. Wer weiß, was einem in 30 Jahren einfallen wird, was heutige Personen betrifft“, so der Stadtrat von Pro Heilbronn.

Bei der Abstimmung lehnt eine knappe Mehrheit die beantragte namentliche Abstimmung ab. Der Antrag auf Umbenennung der Schule wird dagegen mit deutlicher Mehrheit von 25 Stimmen, bei sieben Gegenstimmen und vier Enthaltungen angenommen.              




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