Gewalt und Übergriffe auf Behörden in Heilbronn und Hohenlohe – „Ton wird rauer“
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Lange Wartezeiten, geschlossene Ämter, Kosten: Ein Behördenbesuch kann für Frust sorgen. Das hat Folgen für die Beschäftigten in Heilbronn und Hohenlohe: Sie werden immer öfter Opfer von Übergriffen.
Steigende Bürokratie, lange Wartezeiten, kurzfristige Schließungen: Der Kontakt mit Behörden kann für viele Bürger Frust bedeuten. Und dieser entlädt sich auch in Heilbronn und im Hohenlohekreis offenbar immer mehr bei den Mitarbeitern. Kürzlich etwa prügelte ein 71-Jähriger mit einer Rute auf einen Ordnungsamt-Mitarbeiter in Künzelsau ein. Was erleben die Beschäftigte in den Ämtern tagtäglich – und wie schützen sie sich?
Übergriffe auf Beschäftigte in Heilbronner Ämtern – „Ton ist rauer geworden“
Die Heilbronner Stimme hat bei den Behörden im Heilbronner Raum und im Hohenlohekreis nachgefragt. Unisono der Tenor: Die Aggression gegen Beschäftigte in den Ämtern steigt. „Der Ton ist tatsächlich in den vergangenen Jahren rauer geworden“, berichtet etwa Claudia Küpper, Pressesprecherin der Stadt Heilbronn. Das bestätigen auch das Landratsamt Hohenlohe und die Stadt Öhringen.
Tätliche Übergriffe auf städtische Beschäftigte in Heilbronn seien „glücklicherweise die Ausnahme“. Besonders schwerwiegende Vorfälle habe es vor einigen Jahren in der Ausländerbehörde, beim Ordnungsamt und im Vorzimmer von Oberbürgermeister Harry Mergel gegeben. „Glücklicherweise sind dies jedoch sehr seltene Einzelfälle“, sagt Küpper.
Zu wie vielen Attacken es bislang konkret in Heilbronner Ämtern gekommen ist, kann Küpper nicht beantworten. „Die Stadt Heilbronn führt keine Statistik über solche Vorfälle.“
Landratsamt Heilbronn: "Vertrauensverlust in staatliche Institutionen"
Die Lage am Landratsamt Heilbronn ist ähnlich. Sprecher Andreas Zwingmann berichtet von fünf Fällen allein in diesem Jahr, bei denen Mitarbeiter beleidigt oder bedroht wurden. Spürbar sei an den Ämtern auch die allgemein gesellschaftliche Entwicklung, dass die Sprache immer weiter verrohe. Zwingmann glaubt, dass die Corona-Pandemie diese Entwicklung „möglicherweise verstärkt“ habe.
Ein Mann hat im Januar 2024 am Landratsamt Heilbronn mit Pflastersteinen zahlreiche Scheiben eingeworfen.
Foto: Hoffmann, Adrian
Über mögliche Ursachen könne Zwingmann nur spekulieren, wie er sagt. Er vermutet jedoch, dass eine zunehmende Frustration über komplizierte Verfahren, lange Bearbeitungszeiten und Behördenentscheidungen, die als ungerecht empfunden werden, Auslöser sein könnten. „Damit in Verbindung steht ein generellerer Verlust des Vertrauens in staatliche Institutionen und die Politik.“
„Verbale Übergriffe und Beleidigungen“ in Öhringer Ämtern
In Öhringer Ämter seien „verbale Übergriffe und Beleidigungen“ gegenüber Mitarbeitern die häufigsten Vorkommnisse in den Behörden, berichtet Pressesprecherin Monika Pfau. Der Umgangston sei „in den letzten Jahren rauer“ geworden.
Besonders während und nach der Corona-Zeit hätten Beschäftigte von einer Zunahme an verbalen Aggressionen und Beleidigungen sowie wenig Geduldbereitschaft berichtet. Mehrheitlich seien die Bürger aber „freundlich und stets kooperativ“.
Pfau berichtet von einzelnen Übergriffen auf städtische Mitarbeiter in Öhringen in den vergangenen Jahren. Ereignet hätten sich diese etwa an der Bürgerzentrale im Rathaus, in der Integrationsstelle oder im Ausländeramt. „Die Fallzahlen bewegen sich jedoch auf niedrigem Niveau.“ Zu schweren körperlichen Angriffen sei es bislang aber nicht gekommen.
Übergriffe im Landratsamt Hohenlohe: Scheiben mit Stein eingeschlagen
Wie ist die Lage im Hohenlohekreis? Landratsamt-Sprecherin Katharina Löblein erinnert sich auf Stimme-Nachfrage besonders an einen Vorfall aus dem Jahr 2022: Mit einem Stein seien dort, wie auch zwei Jahre später am Landratsamt Heilbronn, die Scheiben der Zulassungsstelle eingeschlagen worden. Verletzt wurde niemand, allerdings seien die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen „akut gefährdet“ gewesen.
Laut Löblein bemerke man auch am Landratsamt, dass immer häufiger „ein angemessener Umgangston nicht mehr beachtet wird“. Besonders festzustellen sei dies in „publikumsintensiven Bereichen“ und bei Amtshandlungen, „die für den Einzelnen entweder emotional belastend sind oder aber ablehnende oder nachteilige Entscheidungen beinhalten“.
Steigender Behörden-Frust bei Bürgern
Mitarbeiter in Ämtern in Heilbronn und Hohenlohe erleben immer wieder Gewalt und Übergriffe. Woher kommt der große Ärger gegen die Beschäftigten? Die Heilbronner Stimme würde gerne mit Bürgern sprechen, die ihre Behörden-Erfahrungen schildern möchten. Melden Sie sich hierzu gerne bei online.redaktion@stimme-mediengruppe.de
Schutzmaßnahmen in Ämtern: Lotsendienst, Seminare, stille Alarme
Um ihre Beschäftigten zu schützen, haben die Behörden einige Schutzmaßnahmen aufgelegt. In Heilbronner Ämtern etwa behält ein sogenannter Lotsendienst aggressive Besucher im Blick, der Zugang wird stärker reguliert, es gibt psychologische Erstbetreuer und eine „stille Klingel“, berichtet Stadt-Sprecherin Küpper.
Alarmknöpfe gibt es auch in Öhringer Ämtern, sagt Sprecherin Pfau. Zudem werden beispielsweise auch Schulungen zur Deeskalation und Konfliktbewältigung für Mitarbeiter abgehalten und eng mit der Polizei zusammengearbeitet.
Im Landratsamt Hohenlohe wurden die Sicherheitsmaßnahmen vergleichsweise stärker hochgefahren. Persönliche Termine gebe es laut Pressesprecherin Löblein nur nach vorheriger Terminvereinbarung und nicht mehr ungeplant. Im Foyer des Hauptgebäudes überwache ein Sicherheitsdienst die Räume. Und in bestimmten Bereichen seien die Fenster mit einer Sicherheitsfolie versehen worden.
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