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Prozess in Heilbronn
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Racheakt in Bad Wimpfen wegen Liebesaffäre? Version des Ehemanns stößt auf Zweifel 

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Ein Mann soll mit Verwandten einen mutmaßlichen Liebhaber seiner Frau in dessen Wohnung überfallen und im Intimbereich verletzt haben. Am Freitag schilderte er seine Version der Geschichte.


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Drei Männer stehen derzeit wegen schweren Raubes vor dem Landgericht. Einer der Angeklagten soll über Jahre hinweg von seiner Ehefrau betrogen worden sein. Als die Affäre ans Licht kam, behauptete die Frau, mehrfach vergewaltigt worden zu sein. Um die Familienehre zu retten und Rache zu üben, soll der Ehemann die Flüchtlingsunterkunft des mutmaßlichen Liebhabers aufgesucht haben. Begleitet wurde er dabei von seinem Sohn und seinem Schwager.

Prozess in Heilbronn: Version des Ehemanns stößt vor Gericht auf Zweifel 

Vor Gericht schilderte der 42 Jahre alte Angeklagte, dass sie die zwei Handys des mutmaßlichen Opfers in Beschlag nehmen wollten, da dieser gedroht habe, intime Bilder und Videos seiner Frau zu veröffentlichen.

Seinen Schilderungen zufolge soll der Liebhaber ein Messer gezückt und sich selbst an Händen und Beinen verletzt haben. Einen Faustschlag ins Gesicht habe der angeklagte Ehemann dem Liebhaber verpasst, ehe sie ihm das Messer gewaltsam abgenommen und die Wohnung verlassen hätten, um zu verhindern, dass er sich weiter verletze. „Das ist meine Geschichte“, sagte der Angeklagte, ein gebürtiger Afghane, der 2015 mit seiner Familie nach Deutschland flüchtete.

Ein Mann wurde in einer Flüchtlingsunterkunft in Bad Wimpfen überfallen. Drei Männer sind angeklagt und müssen sich seit dem 6. März vor Gericht verantworten.
Ein Mann wurde in einer Flüchtlingsunterkunft in Bad Wimpfen überfallen. Drei Männer sind angeklagt und müssen sich seit dem 6. März vor Gericht verantworten.  Foto: Seidel, Ralf

Anklageschrift beschreibt brutalen Übergriff – Liebhaber unfruchtbar machen?

Seine Version wollte Richter Alexander Lobmüller nicht ohne Weiteres hinnehmen. „Ich habe erhebliche Zweifel und halte Ihre Aussage für schwer zu glauben“, sagte er. Er riet ihm, sich bis zur nächsten Sitzung noch einmal mit seinem Verteidiger zu besprechen.

Die Anklageschrift, die zum Prozessauftakt verlesen wurde, zeichnet ein anderes Bild. Demnach sollen die drei Männer den mutmaßlichen Liebhaber mit einem Messer bedroht und ihn gezwungen haben, ihnen 1.000 Euro Bargeld sowie zwei Mobiltelefone auszuhändigen. Zudem soll einer von ihnen das Opfer mit einer Thermoskanne auf Kopf und Körper geschlagen haben. Schließlich soll der Ehemann den Hodensack des mutmaßlichen Opfers „bewusst schmerzhaft umfasst“ und das Messer in dessen Richtung geführt haben – offenbar mit der Absicht, schwere Verletzungen der Geschlechtsorgane zu verursachen und ihn zeugungsunfähig zu machen.

Laut Staatsanwaltschaft konnten die Männer ihr Vorhaben nur deshalb nicht vollenden, weil Nachbarn auf den Angriff aufmerksam wurden.

Tat gefilmt? Gericht in Heilbronn könnte Video bei nächstem Mal zeigen

Auch der 23-jährige Schwager des Ehemannes sagte vor Gericht aus. Seine Verteidigung erklärte, er habe seiner Schwester geglaubt, als sie von den angeblichen Vergewaltigungen berichtete. Man habe den Liebhaber zur Rede stellen und ihn dazu bringen wollen, die kompromittierenden Videos von seinem Handy zu löschen. Als Druckmittel hätten sie ihm die Hose heruntergezogen und das gefilmt. Von weiteren Angriffen will der Schwager nichts gewusst haben. Auch habe er nicht gesehen, wie es zu den Verletzungen beim mutmaßlichen Opfer kam, weil alles sehr schnell gegangen sei.

Die Angeklagten sitzen seit dem 10. September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. In der nächsten Sitzung am 10. April sollen Zeugen vernommen werden. Möglicherweise wird auch ein Video der Tat gezeigt, da die drei Angeklagten die Tat in der Wohnung des Liebhabers in Bad Wimpfen gefilmt haben sollen.




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