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Projekt in JVA Heilbronn
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Gefängnisinsassen suchen Puzzle-Freunde von draußen

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Eine Wohngruppe innerhalb des Heilbronner Gefängnisses startet ein großes Projekt. Die Insassen suchen Puzzle-Fans von draußen, die sich daran beteiligen. Was die Teilnehmer erwartet.

Menschen, die gern puzzeln, können sich an einer Aktion des Heilbronner Gefängnisses beteiligen.
Menschen, die gern puzzeln, können sich an einer Aktion des Heilbronner Gefängnisses beteiligen.  Foto: Heike Kinkopf

Die Männer einer Wohngruppe im Heilbronner Gefängnis puzzeln genauso gern wie Millionen Menschen in ganz Deutschland. Jetzt haben sich die Insassen Großes vorgenommen. Sie setzen 27 Puzzles mit je 2000 Teilen zusammen. Dafür suchen sie fünf Menschen von außerhalb der Gefängnismauern. Wer es liebt, zu Hause einzelne Teilchen zu einem Ganzen zusammenzusetzen, soll sich melden.

Das Projekt ist für die Justizvollzugsanstalt (JVA) mehr als ein Mittel zur Unterhaltung. Es symbolisiert die Resozialisierung.  „Viele Menschen denken ja, Straftäter kommen hier rein, und durch die Inhaftierung würden sich viele Probleme lösen“, sagt JVA-Leiter Andreas Vesenmaier. Im Gefängnis fange die Arbeit an. Die Therapien seien für die Insassen eine schmerzhafte und belastende Erfahrung. Die Zeit im Gefängnis soll sie auf ein straffreies Leben vorbereiten. „Aber Resozialisierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie geht uns alle an“, sagt er.

JVA-Leiter Vesenmaier: Ex-Straftäter fühlen sich oft wie Menschen zweiter Klasse

Es sei sehr wichtig, wie ein Ex-Gefangener von der Gesellschaft aufgenommen werde. So gebe es beispielsweise Firmen, die offen dafür seien, einem ehemaligen Insassen eine Stelle und damit eine Chance zu geben. Die Erfahrung zeige, dass sich ehemalige Häftlinge draußen wie Menschen zweiter Klasse fühlten. Sie haben Probleme bei der Job- und Wohnungssuche; der Umgang mit Mitarbeitern von Behörden sei ebenfalls oft schwierig. Wendeten sich ehemalige Insassen an die offiziellen Stellen, entstehe bei ihnen häufig der Eindruck, dass sie anders behandelt werden. „Das hat Folgen, wie sich der Mensch entwickelt“, erklärt Vesenmaier.

Die Wiedereingliederung gelingt besser, wenn viele Akteure zusammenwirken. So wie beim Puzzle-Projekt, an dem sich neben Insassen, JVA-Bediensteten und Ehrenamtlichen auch Menschen von draußen beteiligen, die Spaß am Puzzeln und Lust haben mitzumachen. Sie sollen per E-Mail Kontakt aufnehmen.

Auf die Puzzle-Freunde warten 27 Puzzles zu je 2000 Teilen.
Auf die Puzzle-Freunde warten 27 Puzzles zu je 2000 Teilen.  Foto: Heike Kinkopf

Die fünf Mitspieler von draußen werden ausgelost. Sie holen ein Puzzle mit 2000 Teilen in der JVA ab, setzen es bis Ende Mai zu Hause zusammen und bringen es zurück in die Anstalt. Hinterher besuchen sie die Wohngruppe und treffen sich dort mit allen Beteiligten zu einem kleinen Fest in der Wohngruppe. Dort sollen die 27 Puzzle an die Wand gehängt werden.

Die Insassen denken praktisch. So entstehen in den Werkstätten bereits die Platten, auf denen die Mitstreiter das fertige Puzzle auslegen und in die JVA zurückbringen sollen. Sie vertrauen ihren Helfern von außen. Diese sorgen schließlich dafür, dass ihr Puzzle rechtzeitig fertig ist. Kein Teil darf zu Hause verloren gehen. Sie verpflichten sich außerdem, den Transport des Puzzles eigenständig zu organisieren. Kurz: Sie sollten zuverlässig und sorgfältig sein.

Das Geduldsspiel begeistert Menschen aller Altersklassen. Inder Corona-Zeit erfuhr es einen nie dagewesenen Hype. Für die Männer in der Wohngruppe sei es längst mehr als ein Zeitvertreib, sagt Stefanie Hörter, stellvertretende Leiterin des Heilbronner Gefängnisses. Das gemeinsame Puzzeln rege die Kommunikation über Themen jenseits des Haftalltags an. Unterschiedliche Gruppen hätten durch das Hobby zusammengefunden. Das Gemeinschaftsgefühl sei nachhaltig gestärkt worden. 

Interessierte melden sich per E-Mail bei der JVA

Wer beim Projekt der Justizvollzugsanstalt Heilbronn mitmachen möchte, meldet sich per E-Mail unter poststelle@jvaheilbronn.justiz.bwl.de, im Betreff das Stichwort Puzzle eingeben, dazu Vor- und Zuname sowie das Geburtsdatum angeben.




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