Gartenstreit in Heilbronn-Böckingen: „Keiner weiß, was die Stadt will“
Die Stadt Heilbronn fordert Gartenbesitzer in Böckingen auf, ihre Anlagen zurückzubauen. Der Vorwurf der Willkür steht im Raum. Baubürgermeister Andreas Ringle betont seine Gesprächsbereitschaft.
Der Gerichtsstreit um den Ausbau eines Gartens im Böckinger Landschaftsschutzgebiet Weinbergweg-Weingartsweg schlägt hohe Wellen. Nachdem die Stadt in dem Gebiet zwischen Ziegeleipark und Westfriedhof den Rückbau des Gartens von Joachim Schnepf fordert, haben sich weitere Pächter und Stadträte zu Wort gemeldet und ihr Unverständnis über das städtische Vorgehen zum Ausdruck gebracht.
Für Thomas Randecker ist der Fall ein Beispiel dafür, „dass das nicht das Vorgehen gegenüber unseren Bürgern sein darf, das ich mir vorstelle“. „Überall hören wir von begrenzten Personalkapazitäten, und dann sucht man sich Betätigungsfelder an Stellen, die die Stadt keinen einzigen Schritt voranbringen“, ärgert sich der Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat.
Gartenstreit in Böckingen – Kopfschütteln über Vorgehen der Stadt Heilbronn
Nach und nach wird auch klar, dass zahlreiche Böckinger Gartennutzer von der Stadt aufgefordert wurden, ihre Gärten rückzubauen. Viele Pächter, die ebenfalls seit der Ausweisung der Flächen als Landschaftsschutzgebiet im Dezember 1998 Veränderungen vorgenommen haben, wurden dagegen nicht angeschrieben. Auch deshalb ist für Muzaffer Gectan, der sein Grundstück unweit von Joachim Schnepf hat, das Vorgehen der Stadt ein Rätsel.

„Es gibt nur Forderungen und Pseudo-Hinweise in den Briefen, dass man Gespräche führen wolle, aber auf Anrufe reagiert die Stadt nicht und auf Mails erst nach Ablauf der Fristen“, klagt der 39-Jährige, der sich an die Stimme gewandt hat. Gectan hat seinen zuvor komplett verwilderten Garten 2012 gepachtet, die Hütte und den Zaun saniert, eine Treppe erneuert und eine kleine Toilette gebaut.
Gartenstreit in Böckingen: Misst Stadt Heilbronn mit zweierlei Maß?
Er habe die Mitarbeiter der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde gebeten, vorbeizukommen, um ihm mitzuteilen, was er zurückbauen solle, jedoch ohne Reaktion. Stattdessen habe er im Mai einen Brief von der Stadt mit einem Bußgeldbescheid von 365 Euro bekommen, mit der Androhung einer weiteren Strafe von bis zu 25.000 Euro. „Keiner weiß, was die Stadt will, und wenn wir unsere Städte verwildern lassen, nutzt das auch keinem“, ärgert sich der Böckinger.
Für Martin Schnepf, der mit Joachim Schnepf weder verwandt noch verschwägert ist, „wird bei der Stadt offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen“. „Warum werden Bürger, die einen blühenden und naturfreundlichen Garten betreiben, von der Stadt so gegängelt?“, fragt er. Andere Gärten in dem Gebiet seien dagegen total vermüllt. „Kann man nicht eine vernünftige Lösung ohne Arroganz anstreben?“, will er wissen.
Gartenstreit in Heilbronn-Böckingen: Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten
„Gesprächsbereit sind wir immer“, betont Andreas Ringle. „Ich kann aber nicht alles abnicken“, sagt der Heilbronner Baubürgermeister. Das gelte auch im Fall von Joachim Schnepf, wo inzwischen ein Gerichtsverfahren vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht anhängig ist. „Ich freue mich, wenn man sich zusammensetzt und man mir sagt, was ich konkret verändern muss“, betont auch Schnepf, der von der jahrelangen Hängepartie mitgenommen ist.
„Wenn ich vorher gewusst hätte, was passiert, hätte ich mir das alles nicht angetan“, versichert der Böckinger. Auch Thomas Randecker will aktiv werden. „Ich werde das in der nächsten Bau- und Umweltausschusssitzung zum Thema machen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende.
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