Nach Razzia bei Fahrschule in Heilbronn: Wurde auch bei Praxisfahrten getrickst?
Nach der Razzia bei einer Heilbronner Fahrschule wird nun auch wegen möglichem Betrug bei der Praxisprüfung ermittelt. Unklar ist, woher syrische Führerscheinanwärter das Geld für Fahrschule und Helfer haben.
Im Komplex um getürkte theoretische Fahrprüfungen ist nach wie vor ein Beschuldigter nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Heilbronn auf der Flucht. Er steht im Verdacht, Teil eines Netzwerks gewesen zu sein, dass bei theoretischen Fahrprüfungen trickste. Anstelle des Prüflings erschien ein ihm ähnlich sehender Stellvertreter zur Theorie-Prüfung und löste die Aufgaben.
Fahrschulbetrug in Heilbronn: Fahnder stoßen auf bundesweites Netzwerk
Sowohl bei den Stellvertretern als auch bei den Führerscheinbewerbern handelt es sich in der Mehrzahl um syrische Staatsangehörige, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Ausgangspunkt war eine Fahrschule in Heilbronn. Bei Durchsuchungen stellte die Polizei Luxusautos, Schmuck und Bargeld sicher. Der Flüchtige soll bundesweit als Stellvertreter an theoretischen Fahrprüfungen teilgenommen haben.

Ermittlungen in Heilbronn: Woher hatten die Führerscheinanwärter das Geld?
Unklar ist derzeit noch, ob die Führerscheinanwärter auch bei der praktischen Prüfung betrogen haben. Anhaltspunkte hierzu erhoffen sich Polizei und Staatsanwaltschaft im Laufe der weiteren Ermittlungen, teilte die Sprecherin mit. Möglicherweise ebenso zu der Frage, woher die Führerscheinanwärter das Geld haben. Die Stellvertreter verlangten zwischen 3000 und 5000 Euro, teilte die Staatsanwaltschaft bereits am Freitag mit. Bis zu 4000 Euro können für Theorie- und Praxisunterricht bei einer Fahrschule zusammenkommen. Die Einkommensverhältnisse seien Teil der Ermittlungen, heißt es hierzu.
Die sogenannten Stellvertreterprüfungen sind nur eine Methode, meint Jochen Romig. Der 57-Jährige betreibt mehrere Fahrschulen im Kraichgau und in Schwaigern. Romig erklärt, wie Führerscheinanwärter mit Minikameras und Lautsprechern ausgestattet bei der Prüfung erscheinen. „Die fotografieren zu Beginn jede Seite ab.“ Ein externer Helfer löst die Aufgaben und gibt einen elektrischen Impuls an den Führerscheinanwärter ab, an welcher Stelle er die richtige Antwort ankreuzen muss. Tüv-Prüfer setzten deshalb Frequenzsuchgeräte ein, mit denen sie solche technischen Geräte lokalisieren können. Fliegt der Betrug auf, werden die Geräte abgeschaltet. „Der Schüler kann die Prüfung nicht bestehen“, sagt Romig.
Heilbronner Polizeipräsident lobt Arbeit der Beamten
Seit Januar ermittelten Staatsanwaltschaft und Polizei, was zu erheblichen Kosten geführt haben dürfte. Polizeipräsident Frank Spitzmüller (52) lobte die Arbeit der Beamten. „Es kostet personelle und vor allem auch finanzielle Ressourcen, wenn wir das so machen und nicht einfach klein beigeben.“ Zu konkreten Kosten könne keine Auskunft gegeben werden, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Dazu lägen keine Informationen vor.
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