Flugtaxis könnten bald auch durch die Region Heilbronn fliegen
Laut Experten bietet der Heilbronner Raum großes Potenzial für Flugtaxis. Sie könnten Heilbronn mit dem Frankfurter Flughafen verbinden oder als fliegender Notarztwagen zum Einsatz kommen.
Volocopter ist insolvent, Lilium gerade noch gerettet: Auch wenn Hersteller aus Deutschland mit ihren Flugtaxis zuletzt nicht für positive Schlagzeilen sorgten, könnten solche Objekte nicht nur beim Heilbronner KI-Innovationspark Ipai für Mobilität sorgen.
Flugtaxis waren Thema bei den Verkehrsgesprächen der Hochschule Heilbronn
Die diesjährigen Heilbronner Verkehrsgespräche der Hochschule Heilbronn (HHN) widmeten sich der Mobilität in der Luft. Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis beleuchteten unter anderem die Chancen und Herausforderungen von Flugtaxis und diskutierten, wie diese ein wesentlicher Schlüsselfaktor für zukunftsfähige, individuelle Mobilitätssysteme sein könnten.
Neben Professor Jens Hujer von der HHN, der durch die Veranstaltung führte, sprachen Vertreter des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr, Lufthansa, Fraport, Schwarz Mobility, der Hochschule Worms und weitere Luftverkehrsexperten.

Experten in Heilbronn: So lief der Austausch über Flugtaxis
eVTOLs standen im Fokus. Sie sind elektrisch betriebene Fluggeräte, die senkrecht starten und landen können, Der Begriff steht für „electric Vertical Take-Off and Landing aircraft“. Teils kontrovers, aber stets konstruktiv, fasst Professor Jens Hujer den Austausch zusammen: „Solche Veranstaltungen sind wichtig, um alle Partner an einen Tisch zu holen, miteinander zu diskutieren und sich zu vernetzen.“ Einig waren sich alle Beteiligten in einem Punkt: Flugtaxis sollen eine Ergänzung bestehender Mobilitätsangebote darstellen und diese keinesfalls vollkommen ersetzen.
Wichtig sei es zudem, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Flugtaxis seien kein Massenprodukt, sagt Hujer und verweist auf die begrenzte Passagierkapazität von maximal sechs Personen. „Sie bieten jedoch einen klaren Zeitvorteil.“ Staus könnten überflogen werden, und Entfernungen, vor allem im ländlichen Raum, schneller zurückgelegt werden.
Flugtaxis über Heilbronn? Chancen für Wirtschaft, ländliche Räume und Rettungseinsätze
Flugtaxis könnten beispielsweise eine schnelle Anbindung zum Frankfurter Flughafen bieten. Dies könnte sowohl für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern diesen Service anbieten, als auch für Fluggesellschaften, die entsprechende Kooperationen eingehen, eine interessante Option darstellen. Geschäftsreisen könnten so effizienter abgewickelt werden.
Besonders im ländlichen Raum rund um Heilbronn sieht Hujer großes Potenzial. Dort haben zahlreiche Weltmarktführer ihren Sitz, und Mitarbeiter könnten Flugtaxis als neue Transportoption nutzen. Auch die Verbindung ganzer Regionen, wie etwa der Heilbronner Raum mit dem Hohenlohekreis, wäre denkbar.
Darüber hinaus sieht Hujer auch Einsatzmöglichkeiten im Bereich der medizinischen Notfallversorgung – als „fliegender Notarztwagen“, der Staus überfliegt, und Sanitäter schneller an den Einsatzort bringt. Für den Heilbronner Professor stellt die Einführung von eVTOLs auch einen wichtigen Schritt in Richtung Dekarbonisierung des Luftverkehrs dar.

Experte in Heilbronn: „Der Himmel wird nicht voll von Flugtaxis sein, aber es wird sie hier geben“
Eine der größten Herausforderungen sieht Hujer jedoch in der notwendigen Infrastruktur. Es brauche sogenannte Vertiports, an denen die Flugtaxis starten und landen können.
Zudem sei noch viel Forschungsarbeit nötig: Flugrouten und gesetzliche Regelungen müssen klar definiert werden, ebenso wie die Überwachung dieser Routen. Hujer ist überzeugt, dass Flugtaxis ein Erfolg werden können, wenn sie in Europa zugelassen sind und ihr Nutzen klar erkennbar wird. „Dazu gehört auch, die Gesellschaft transparent zu informieren.“ Ob in Heilbronn in ein paar Jahren Flugtaxis im Einsatz sein werden? „Ja“, ist Hujer überzeugt. „Der Himmel wird nicht voll von Flugtaxis sein, aber es wird sie hier geben.“
Wird Heilbronn zur Pilotregion für den Flugtaxi-Betrieb?
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr fördert im Rahmen seiner Strategie für Advanced Air Mobility die Entwicklung von Technologien wie eVTOLs-Flugtaxis. Ab 2026 sollen erste Teststrecken eingerichtet werden.
Zudem ist der Bau spezieller Start- und Landeplätze, sogenannter Vertiports, geplant. In Europa gibt es laut Hujer noch keine Musterzulassung für Flugtaxis. Doch sobald die erste Zertifizierung erfolgt ist, werden Pilotregionen eingerichtet, in denen Reallabore geprüft und erforscht werden, von Testflügen bis zu den Betriebsprozessen der Vertiports.
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